Auch wenn das schon eine Weile her ist, würd mich hier mal interessieren, wie denn aktuell der Stand ist.
Ich kann hier denke ich selbst viel beisteuern, da ich selbst in einen Transsexuellen verliebt bin (Mann zu Frau, noch nicht behandelt oder iwas).
Hab auch anderweitig viel Erfahrung mit Transsexuellen gemacht.
Auf jeden Fall gilt:
1. Natürlich können Transsexuelle auch schwul, lesbisch, bi oder sonstwas sein. Transsexualität bezieht sich auf das gesamte eigene Befinden, also der Körper, die Psyche und alles, was damit zu tun hat. Wenn deine Freundin es wirklich aufrichtig meint, dann geht es ihr nicht darum, dass sie halt jungenhaft erzogen wurde, sondern dass sie sich in ihrem Körper einfach falsch fühlt. Um ein vielleicht passendes Beispiel zu nennen: Wenn du immer beruflich z.B. bestimmte Kleidung tragen musst, und zwar genau diese einen und mit dieser Kleidung immer von anderen eine gewisse Einschätzung kommt. z.B. Polizeiuniformen. Diese Kleidung prägt dein Leben, sie prägt wie andere die wahrnehmen, sie prägt im Prinzip dein gesamtes Leben. Aber du fühlst dich damit komplett unwohl, du willst gar nicht so sein. Du willst eigentlich ganz andere Kleider tragen, willst nicht von jedem gleich als Polizist erkannt werden und dementsprechende Reaktionen bekommen. Aber du kannst sie nunmal nicht einfach wechseln. Damit kommt man ganz gut an das Gefühl des "im falschen Körper sein" ran.
Was dabei auch wichtig ist: Als Transsexuelle willst du vollwertig als das andere Geschlecht angesehen werden. Nicht als Transsexuelle Frau/Mann. Ein Problem was viele noch haben. Damit sollte sich die Frage nach der Sexualität auch schon geklärt haben, denn Frauen und Männer können alle schwul, lesbisch, etc. sein, und Transsexuelle sind auch nur Frauen oder Männer.
2. Was deine Einstellung bzgl. "Du bist hetero" angeht. Ich persönlich finde es falsch zu sagen "ich steh nunmal nicht auf Schwanz, zumindest hab ich bisher davon keinen hochbekommen". Zugegebenermaßen, als ich 13 war, fand ich Schwulenpornos auch komisch und eher "ekelig". Aber mit der Zeit wurde ich offener und hab mich darauf eingelassen. Das soll jetzt nicht heißen, dass jeder schwul/bi werden kann. Aber was ich meine: Kann Liebe wirklich an so etwas simplem wie ein paar Körperteilen scheitern?
Ich meine, du liebst sie, das schreibst du hier. Wo ist denn dann genau das Problem neben ihr zu liegen oder sie zu küssen, nur weil sie untenrum anders aussieht? (ganz davon ab, dass erst die Hormonbehandlung kommt, die nur sowas wie Bartwuchs ermöglichen. Die tatsächliche Operation kostet viel Geld, wird selten/nie von Kassen bezahlt und Deutschland ist nicht gerade das führende Land in Geschlecht OPs)
Ich meine, wirst du zu einem anderen Menschen, nur weil du einen Mann küsst? Hast du Angst, dass deine Freunde dann komisch über dich denken? Oder ist es eher (vermute ich mal) einfach die innere Blockade "Das ist ein Mann und ich küsse nur Frauen"? (ganz plump gesagt)
Denn diese innere Blockade muss nicht sein. Die machst du dir selber, sowas ist oft tief in einem verankert. Aber diese Blockade kann man abbauen, wenn man das möchte. Zumindest ist das meine Meinung. Solange man den Menschen vor sich liebt, sollten solche Dinge eigentlich kein Problem sein. Aussagen wie "Ich bin hetero!" kann ich zwar verstehen, find ich aber persönlich gegenüber einer Person, die ich bereits liebe, ziemlich fehl am Platz.
3. Ich persönlich bin auch der Meinung, dass die Argumentation "Ich habe doch so viel für dich schon gemacht/eingesteckt, kannst du nicht auch mal einstecken" ziemlich plump und unpassend ist. Das manchmal der eine mehr einsteckt als der andere, dafür kann man nix. Deine Freundin hat sich schließlich auch nicht dazu entschieden, dass sie Transgender ist, oder?
Außerdem gilt hier: Wer sich im falschen Körper fühlt, steckt oft in einem größeren psychischen Dilemma und kann langfristig dadurch unter heftigen Depressionen leiden. Hier also zu sagen "Kehr das mal unter den Tisch" geht also meiner Mienung nach überhaupt nicht. Denn dann werdet ihr langfristig nicht glücklich werden und die Beziehung ist schon zum Scheitern verdammt.
Meine persönliche Empfehlung ist:
Sei für sie da und versuch es einfach. Lies dich am besten auch zu Transsexualität und Transgender schlau und vor allem rede mit ihr viel darüber: Wie fühlt sich das genau für sie an, Wie geht sie damit um, Was genau will sie alles ändern (es wird ja nicht nur der Körper sein), etc. Mach dir ein gutes Bild davon und versetzt dich in ihre Lage, damit du das ganze besser verstehen und nachvollziehen kannst. Und solange du sie nicht nach der Behandlung einmal im Arm hattest und sie geküsst hast, kannst du meiner Meinung nach nicht sagen, dass ihr Geschlecht ein Problem darstellt.
Für Fragen, Ratschläge, Material zum durchlesen oder Erfahrungsberichte stehe ich gerne zur Verfügung.