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[Diskussion] Jigsaw - The Game is never over (SPOILER INSIDE)

Dieses Thema im Forum "Filme und Serien" wurde erstellt von TheDarkness2, 11 März 2018.

  1. TheDarkness2 Otaku

    TheDarkness2
    Saw ist eine bemerkenswerte Serie. Ich zolle Respekt wo es nötig ist, glaubt mir. Saw war ein unkonventioneller Thriller, eine höllische Achterbahnfahrt mit schockierenden Twists und Hochspannung. Saw 2 wirkte wie ein Fremdkörper, was auch stimmt, da man einfach ein anderes Drehbuch auf Saw trimmte. Mit Saw 3 wechselte die Reihe dann in die Torture Porn Ecke und ist dort nie wieder rausgekommen. Eigentlich tragisch, was aber nichts an dem Potenzial das die Serie an den Tag legte und das jedes Jahr aufs Neue.

    Während die einen sich auf die Gewalt stürzen und nichts weiter als eben diese sehen, sehen andere eine unausgewogene Story die sich immer dann Rückblenden bedient wenn sie es nötig hat um einen Logikfehler auszumerzen und die Story am Leben zu halten. Immerhin starb die Hauptfigur in Teil 3! Im Grunde liegt die Wahrheit dazwischen. Saw sollte nie fortgesetzt werden, deswegen der Schnellschuss mit Saw 2. Mit viel Fingerspitzengefühl hat man Saw 2 in den Fortsetzungen dann zu einem der wichtigsten Eckpfeiler des Franchises gemacht. Insgesamt hat man eine von vorn bis hinten durchdachte Story die sich wie ein roter Faden durch die Blutbäder zieht und jeder Teil ist wie ein großes Zahnrad das ältere Teile mit kleineren Zahnrädchen weiter am Leben hält. Die Zahnrädchen greifen ineinander und ergeben dann am Ende ein großes Ganzes, obwohl noch einige Fragen offen blieben. Die Reihe wurde mit Saw 3D - Vollendung beendet. Und sie ist tot geblieben, Jigsaw ist ein vollkommen anderes Biest geworden. Nur das mit den Rückblenden stimmt. Die kreativen Köpfe hinter der Reihe haben mit all den Rückblenden zwar ein Markenzeichen geschaffen, allerdings haben sie diese später auch genutzt um die Dinge so zu biegen das sie passen oder um Logiklöcher aus der Welt zu schaffen die allerdings ohne Rückblenden überhaupt nicht existiert hätten.

    Und eine weitere Entwicklung ging vor sich. Hatte Jigsaw am Anfang noch edle Motive für sein Werk, dem Menschen den Wert des Lebens zu lehren, wird es später ins Gegenteil pervertiert. John nimmt sich die Menschen aus seinem Umfeld die an seiner Tragödie Schuld haben und zwingt diese zu seinen Spielen. Sicherlich haben sie es verdient, sicherlich verdienen sie was sie bekommen. Aber dennoch ist der Sinn verkehrt. Und ein Menschenleben greift ins Nächste, genau wie die Zahnräder und Zahnrädchen der Story. John kann nicht aufhören, bis er in Teil 6 seinen Höhepunkt erreicht. Saw 7 ist eine andere Geschichte, da dort die Sache zu Ende gebracht wird und zwar mit all den blutigen Fanfaren die man erwarten würde. Jedenfalls hatte John damit nichts mehr zu tun, aber seine Komplizen und Anhänger sehr wohl. Obwohl ich nicht glaube das diese einen kompletten Überblick haben, denn im Grunde hat John all seine Spiele durchgeplant bis zum bitteren Ende. Er nutzte seine Anhänger um die Menschen zu bestrafen, die sein Leben in seinen Augen ruiniert haben. Das ist soweit entfernt von dem Sinn und dem Licht in dem die Macher Jigsaw präsentieren das es weh tut. Im Grunde ist er nicht besser als Detective Hoffman oder Amanda. Er verfolgt seine Rache, auch wenn er sie geschickt tarnt und die Abgründe seiner Opfer in den Vordergrund rückt. Doch es bleibt eine simple und primitive Rache. Egal wie gut der Charakter ausgearbeitet wurde über die 7 Filme, egal wie vielschichtig und komplex die Story aufgebaut wurde, man reduziert sie im späteren Verlauf auf einen simplen Kern der einem erst auffällt wenn man genau darüber nachdenkt.

    John selbst ist ein sehr interessanter Charakter der durch eine Reihe von unglücklichen Schicksalsschlägen zu dem wird was später als Jigsaw in die Horror Geschichte eingehen wird. Und Jigsaw fügt noch ein paar kleine Details ein, also der Film. John ist hoch intelligent, er studiert seine Beute, er baut Konstruktionen die bis ins kleinste Detail durchdacht sind und seine Spiele sind lösbar aber mit hohem persönlichen Einsatz. Er versteht den Menschen als gescheitertes Experiment, etwas das korrigiert werden kann wenn man ihm einen Antrieb gibt. Und John kann in Menschen lesen wie in Büchern, er kann ihre Schritte vorrausahnen und mit in seine Spiele einbauen. Er ist und bleibt ein bemerkenswertes Individuum das selbst seine Nachfolger noch nach dem Tod heimsucht und ihnen die Irrtümer ihres Weges aufweist. Ich bewundere diese Figur, für ihren Intellekt und ihre Weitsicht. Egal ob Psychopath oder nicht, ich vergebe Respekt wo es sich gehört.

    Doch kommen wir jetzt zum Film "Jigsaw" der die Reihe in ein neues Zeitalter führen soll. Und soviel sich auch verändert, soviel ist auch beim Alten geblieben. Es existieren halt gewisse Regeln, die immer noch eingehalten werden müssen. Aber man hat sich die Zeit genommen und das Konzept überdacht, neue Wege ergründet und man ist das ein oder andere Risiko eingegangen.

    Story:
    Jigsaw ist tot, 10 lange Jahre herrschte Ruhe. Doch plötzlich ändert sich alles, ein Kleinkrimineller wird auf einem Dach erschossen und verkündet bevor er ins Koma geschickt wird das ein neues Spiel begonnen hat. Zur selben Zeit erwachen 5 Menschen in einer Scheune, werden von Jigsaw begrüßt und das Spiel beginnt. Währenddessen haben die Detectives Halloran und Hunt die undankbare Aufgabe die Morde aufzuklären die auf einen Mann hindeuten: John Kramer. Und während sich die Leichen türmen, gerät der Gerichtsmediziner Logan in den Fokus der Ermittelung und seine Assistentin Eleanor. Als John Kamers Grab eine böse Überraschung bereit hält und sich die Wahrheit offenbart scheint nichts mehr sicher zu sein. Das Spiel nähert sich seinem Finale...

    Die Story selbst fügt sich prima in den Saw Kosmos ein. John Kramers Vergangenheit erhält ein paar neue Details und rückt damit wieder die persönliche Rache Johns an seinem Opfer in den Fokus. Allerdings nur bei Zweien. Die anderen haben richtig Dreck am Stecken und sie alle sind verantwortlich für den Tod von anderen Menschen. Und wieder ziehen sich die Fäden bis hin zu John, der doch irgendwie mit allen irgendwann in seinem Leben zu tun hatte. Dieser rote Faden bleibt also bewahrt. Und das John plötzlich quicklebendig ist und seinen Tod überstanden hat ist erstmal ein harter Brocken den man erstmal schlucken muss.

    Doch das lösen wir später auf, würde ich sagen. Widmen wir uns dem Spiel. Die Personen die spielen bleiben blass, erhalten aber die Saw Behandlung. In Rückblendung erfahren wir mehr über diese, ihre Verbrechen und das manche Geschichten nicht so sind wie sie immer erzählt werden. Jeder redet sich das Leben schön, bis er mit Johns Fallen konfrontiert wird. Soweit so bekannt, Schlachtvieh für die Schlachtbank. Hier hat man sehr viel Potenzial verschenkt, was ich insgesamt etwas Schade finde. Denn im Bonusmaterial erfährt man das man zurück zu den Wurzeln der Reihe wollte und in vielen Punkten ist das sogar geglückt. Aber bei den Spielern hat man sich richtig in die Nesseln gesetzt.

    Obwohl es einen bösen Twist gibt, den ich aber später aufklären werde. Die Fallen selbst sind geradezu handzahm, was mir persönlich sehr gut gefallen hat. Die erste Falle wo die Spieler auf eine Wand zugezogen werden mit Kettensägen dürfte einem bekannt vorkommen, auch das mit dem Blutzoll dürfte etwas klingen lassen. Die Aufhäng Falle mit den Spritzen ist akzeptabel, aber lediglich eine logische Konsequenz aus der ersten Falle. Nichts Spektakuläres und man hat sie auch sehr schnell vergessen. Als Ryan, oder hieß er Bryan, die Regeln bricht und sein Fuß von Draht umwickelt wird der sich immer enger zuzieht hat man zum ersten Mal Saw Feeling. Die Falle wird deutlich komplexer als 2 weitere Spieler in ein Silo gehen und die beiden Fallen miteinander kombiniert werden. Während die 2 im Silo fast im Korn erstickt werden, muss Ryan einen Hebel ziehen und damit sein Bein opfern um die Anderen zu retten. Die Lage spitzt sich zu als etliche scharfe Gegenstände ins Silo gefeuert werden. Die Falle im Silo ist nett, aber erneut fühlt es sich nicht richtig an. Klar, die 2 Spieler können sich nicht bewegen und sind den scharfen Gegenständen ausgeliefert. Aber es will nicht greifen. Erst als Ryan, Bryan oder wie auch immer, den Hebel zieht und sein Bein in 3 Scheiben geschnitten wird erhält man dann den Höhepunkt von dem was sich die ganze Zeit angebahnt hat. Die spektakulären Fallen der Vergangenheit werden dann kurz mit dem Trichter bedient, der nächsten Falle die das Opfer lebendig häutet. Sieht spektakulär aus das Teil, aber erneut fehlt irgendwas. Und damit mein ich nicht den Gore, sondern eher das sich die Falle falsch anfühlt. Irgendwas an ihrer Ausführung, ihrer Exekution ist falsch. So wie bei der Silo Falle. Die letzte Falle mit der Schrotflinte ist dann die Einzige die den typischen Saw Effekt hat, mit einem bösen Twist und einer gehörigen Portion rabenschwarzem Humor. Da hat es geklickt, das war schon eher das was Saw ausmachte. Sie erinnerte stark an Saw 1, während die Beinfalle an Saw 3 erinnert.

    Kommen wir zu den Hauptfiguren, worauf der Fokus liegt. Detective Haloran ist das typische Polizeiarschloch der Serie. Er geht über Leichen, nimmt Bestechungsgeld und ihm ist jedes Mittel Recht um am Ende der strahlende Sieger zu sein. Seine Taten haben soviel Leid produziert, er schützte die Verbrecher und drangsalierte die Opfer. Wie gesagt, das typische Arschloch und damit der typische Detective Hoffman Verschnitt von dem man glauben kann das er das Erbe Jigsaws fortführt, natürlich in seine eigenen Intresse.

    Detective Hunt ist eigentlich von der inneren Ermittlung und hat ein Auge auf Haloran geworfen wegen dessen Methoden. Als sich die Ermittlungen zuspitzen und alle Hinweise auf Haloran als Jigsaw deuten drückt er auf die Tube um schnellstmöglich eine Verhaftung von eben jenem zu erwirken.

    Logan ist ein traumatisierter, gefolterter und kaputter Kriegsveteran der seine Familie am Laufen hält und in seinem Job voll aufgeht. Er ist kühl, rational und kalkulierend. Er beobachtet aus dem Hintergrund und ist ein Freund von Hunt. Er liefert die entscheidenden Hinweise und lässt alle Spuren bei Haloran enden.

    Eleanor sorgt dafür das die Story eine neue Ebene erhält. Sie sammelt und baut nicht nur die Fallen von John nach, nein sie gehört einer Gruppe an die sich im Darknet sammelt und einen Kult darstellt der sich den Methoden von John verschrieben hat. Über eine Website kommunizieren die Kultisten miteinander, sie tauschen Informationen aus und sogar Polizeiakten. Sie kennen jedes Detail und jede Falle von John, jede Ermittlung und jede Falle inklusive Auswirkung.

    So wer jetzt weiterliest wird massiv gespoilert.

    Logan ist der erste Schüler von John. Das Spiel in der Scheune ist eins der ersten Spiele und Logan war der einzige Überlebende. Deswegen war John wieder lebendig ;) Ein genialer Griff in die Geschichte. Er war es der damals durch das Vertauschen des Namens dafür sorgte das der Krebs bei John zu spät erkannt wurde. Er half John die späteren Fallen vorzubereiten und als er Halorans Methoden sieht beschließt er in Johns Fußstapfen zu treten. Er bringt ein Geständnis aus Haloran raus, ehe er diesen in einer letzten heftigen Falle regelrechtet wie eine blühende Blume spaltet.

    Logan hat die freigelassenen und davongekommenen Täter von Haloran in das gleiche Spiel gesteckt an dem er damals teilnahm. So sorgte er dafür das sich die Dinge wiederholten und die Leichen die auftauchten alle auf Haloran zeigten. So konnte er für sich Anonymität verbuchen, während Haloran der Gejagte sein wird. Natürlich würden sie ihn nicht finden, gleichzeitig sorgt Eleanor unfreiwillig für sein Alibi. Sein Plan geht auf, auch wenn er aus Rache gehandelt hat wenn auch aus höheren Motiven. Eben genau wie John. Die Frage ist nur ob der Kult darauf aufmerksam wird oder ob einer der anderen Helfer von John die Fährte von ihm aufnehmen wird. Denn mit dem Tod von Haloran endet der Film.

    Ok, kommen wir zu den Problemen von Jigsaw. Viele der schockierenden Twists kann man als Saw Kenner bereits 100 Meilen gegen den Wind riechen. Es war klar das John den ohnmächtigen Teilnehmer im Spiel nicht sterben lassen wird und als Logan dann die Narben an seinem Rücken gezeigt hat wusste ich sofort wie der Hase läuft. Klar, sie könnten auch von seiner Kriegsfolter stammen. Aber das schien mir unlogisch. Ebenso das John plötzlich wieder leben soll, das alle Hinweise auf ihn deuten liesen den Verdacht auf Logan fallen. Wer sonst könnte alles manipulieren aus dem Hintergrund? Keiner außer ihm, der mit den Leichen zu tun hat und Zugang zu allen Beweisen hat.

    Anhand der Charakter Darstellung weiß man auch sofort das Haloran als Sündenbock herhalten muss und das Hunt ein doppeltes Spiel spielt merkt man an seinen Blicken und seinem Misstrauen gegenüber Haloran. Dementsprechend kommt man sich ein wenig verarscht vor. Denn der Film schreit all seine Twists einem regelrecht ins Gesicht, selbst wenn man die ganzen Brotkrümmel ignoriert oder übersieht.

    Ist es ein gelungener Neustart? Jein. Die Fallen fühlen sich, bis auf 2 Ausnahmen, einfach falsch an. Und die Sache mit dem Kult, dem Darknet und der Verehrung von John als eine Art Gott ist seltsam. Es ist natürlich eine Möglichkeit die Serie über Jahre am Leben zu halten, denn wirklich jeder könnte jetzt Jigsaw sein. Eleanor wäre der optimale Kanidat gewesen, wenn die Entwickler auch nur ein wenig Eier in der Hose gehabt hätten hätten sie diese Frau zu Jigsaw gemacht.

    Sie ist undurchschaubar, sie verehrt Johns Werk und sie hat das Talent um das Erbe weiterzuführen. An ihr ist mehr dran als es den Anschein hat und ich wette das Jigsaw 2, der 2019 kommen soll, sie mehr in den Fokus rücken wird. Etwas was die Macher hier schon hätten tun sollen. Und bei all den Passt auf Twist Schreiereien die sich der Film liefert, wäre Eleanor als Jigsaw zwar vorhersehbar aber trotzdem ein Hammer gewesen. So bleibts beim verschenkten Potenzial, vor allem da die Schauspielerin einfach das gewisse Etwas hat und ihren Charakter wirklich geheimnisvoll spielt. Sie hat immer diesen Hauch von Ungewissheit und Geheimnisvollen an sich. Ach ich hör jetzt auf, es ist nicht wie es sein sollte und pasta.

    Doch bei all der Kritik, die Atmosphäre stimmt von vorne bis hinten. Der Gore Faktor weicht endlich wieder einer bedrohlichen, bedrückenden und alles ist möglich Atmosphäre. Die musikalische Untermalung unterstreicht das Ganze gekonnt und man hat das Gefühl das man gezielt mehr auf Teil 1 und 2 von Saw schielte als man diesen Film umsetzte.

    Trotzdem bleibt Jigsaw ein Film der zuviel Potenzial verschenkt. Er befolgt die Regeln, bricht mit diesen im angemessenen Rahmen und führt Dinge ein die diese Reihe am Leben halten werden für Jahre. Wenn man die Fallen wieder hinbekommt, die Spieler über Schlachtvieh Niveau hieft und die Ecken / Kanten der Hauptfiguren weiterschleift kann Jigsaw 2 das werden was dieser hier werden sollte: Ein würdiger Reboot der das Franchise zurück zu seinen goldenen Zeiten führen kann.

    So bleibt ein Film der weder Fisch noch Fleisch ist, aber allein aufgrund der Leistung von Eleanor angesehen werden sollte. Ich sag ansehen und einfach genießen. Ihr werdet nicht viel Neues erfahren, aber doch bei Laune gehalten wenn ihr das Franchise kennt. Für Neulinge wird es nicht schwer, da man mit Logan den nächsten Jigsaw einführt ohne sich mit der komplexen Geschichte um Amanda / Hoffman / Jill und den Doktor zu beschäftigen. Hier ist auch etwas was Jigsaw 2 einbinden könnte, obwohl Logan ja nicht aktiv war bis zu diesem Zeitpunkt. Er werkelte nicht im Hintergrund, erst Halorans Taten lassen ihn aktiv werden.

    Das dürfte sich jetzt ändern. Der Doktor und seine Schüler sowie der Kult dürften jetzt auf Logan aufmerksam geworden sein und mit Eleanor hat Logan einen hartnäckigen Gegenpart. Ich hoffe so sehr das Jigsaw 2 sein Potenzial ausnutzt.
     
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