Wyrd
Gläubiger
Kapitel 1
Im Halbdunkel des Raumes stieß sich Eve hektisch mit den Füßen ab und rutschte auf dem glatten Holzboden nach hinten, bis ihr Rücken die Wand berührte. Sie wagte kaum zu atmen und das Pochen ihres Herzens schlug ihr bis in die Kehle. Der eigentümlich chemische Geruch, der ihr zuvor schon im Flur aufgefallen war, lag jetzt auch in der viel zu warmen Luft ihres Schlafzimmers. Ein gleitendes, fast schleimiges Geräusch, wie nasses Gummi auf einer Glasscheibe, schlich sich an ihr Ohr, aber sie konnte den Ursprung dieser Wahrnehmung nicht zuordnen. Mit zusammengekniffenen Augen spähte sie in die formlosen trügerischen Schatten.
Da! Die Überreste ihres kurzen Rocks, den sie am Fußende des Bettes verloren hatte, wurden langsam von irgendetwas, dass sich immer noch außer Sicht bewegte, in die Dunkelheit gezogen und verschwanden. Eve stieß ein Keuchen aus. Jetzt endlich sammelten sich die Schatten, ballten sich in einer noch unentschlossenen Form zusammen und dann glitt das Ding in ihr Sichtfeld. Sie schlug die Hände vor den Mund, vor Schreck nicht in der Lage zu schreien.
Der Körper des Wesens war größer als ihr Schreibtisch und erinnerte an nichts mehr als an den zentralen Rumpf eines Kraken. Die Haut, durch Muskelbewegungen buckelnd und zitternd, schimmerte feucht in einem dunklen Violett. Zwei faustgroße, fremdartig anmutende Augen, in denen eine kalte Intelligenz funkelte, starrten sie an. Und über den Boden schlängelten sich mehr als ein Dutzend Tentakel auf sie zu, langsam und gerissen, wie Raubtiere, die sich an ihre Beute heranpirschten.
Eve versuchte unwillkürlich weiter zurückzuweichen, aber ihr Rücken presste sich bereits an die Wand. Zwei Tentakel hatten sie erreicht und Eves Versuche, den schlängelnden Greifarmen zu entkommen, waren fruchtlos - mühelos umrankten sie ihre Beine, krochen weiter nach oben, bis sie ihre Oberschenkel erreicht hatten. Sie vernahm ein wässriges Zischen. Als sie aufblickte, sah sie, dass der Hauptkörper des Wesens sich genähert hatte. Die seltsamen Augen musterten sie fast gierig, blinzelten einmal mit senkrechten Lidern.
Eve blickte wieder in Panik auf die Tentakel, die sich gemächlich näherten, als hätten sie alle Zeit der Welt. Die starken Greifarme um ihre Beine drückten ihre Schenkel auseinander, ohne dass sie dem etwas entgegensetzen konnte. Einer der Fühler schob sich über ihren Bauch nach oben und berührte mit der Spitze den Ansatz ihrer Brüste.
Eve keuchte abermals auf. Ein merkwürdiges, erregendes Gefühl ließ ihre Knie erzittern. Plötzlich spürte sie deutlich, wie sich ihre Nippel an den Fetzen ihrer Bluse rieben. Sie wurde fast schlagartig feucht.
Ein dünner Greifarm schob sich unter ihr Höschen und schob den Stoff fast spielerisch beiseite. Ein weiterer, wesentlich dickerer Tentakel schob sich unaufhaltsam zwischen ihre Schenkel und berührte ...
Die Welt verblasste.
"Doktor Kershaw, Prioritätsruf von der Brücke."
Die Dunkelheit ihres Schlafzimmers verschwand und machte der Nachtbeleuchtung ihrer Kabine Platz. Eve blinzelte, atmete tief ein und nach einem kurzen Moment wieder aus, wobei sie die Luft durch ihre Lippen pfeifen ließ. Träge, noch halb in der Erinnerung der Lifesim gefangen, richtete sich sie aus ihrer in der Wand eingelassenen Koje auf. Sie blieb sitzen, die Hände auf die Kante gestützt, die nackten Füße auf dem warmen Fußboden, und wartete, bis sich ihr Herzschlag beruhigt hatte.
"Yuki?"
Die Stimme ihrer persönlichen KI antwortete mit dem üblichen unschuldigen Unterton. "Eve?"
"Warum hast du das durchgestellt?"
"Nun ja. Prioritätsruf?"
Eve schnaubte. Immerhin hatte sie die Parameter selbst eingestellt, also hatte sie die ausgeprägten Anteile von Ironie und Sarkasmus in Yukis Persönlichkeit auch selbst zu verantworten. "Irgendeine Info, worum es geht?"
"Keine weiteren Details, Eve, sorry."
"Vermutung?". Sie stand auf und reckte sich.
"Wir haben den letzten Sprungpunkt schon eine Weile hinter uns und bewegen uns seitdem per Schub. Wir nähern uns also entweder einem Zwischenhalt oder dem Ziel. Da wir seit fast vier Tagen unterwegs sind, vermute ich letzteres."
"Dann bin ich gespannt, was hier eine derartige Geheimnistkrämerei rechtfertigt." Eve schlurfte in Richtung der Hygienekabine. "Ich brauche eine Dusche. Mach mir bitte einen Kaffee."
"Stark?"
"Muskulös."
Das belebende Getränk wartete im Dispenser auf sie, als mit noch feuchten Haaren aus der Dusche kam. "Was meinst du, muss ich mich schick machen?"
"Dazu gibt es kein Protokoll."
"Sehe ich auch so. Die Bordoveralls sind schrecklich." Sie zog eine weiße Bluse und einen knielangen Rock an, das Höschen ließ sie weg.
"Perversling." Yuki kicherte.
"Wir leben nicht im finsteren zwanzigsten Jahrhundert." Eve schlüpfte in ihre Sneaker. "Außerdem bist du nur neidisch, weil du keinen Hintern hast."
"Wo wir schon dabei sind, wie fandest du die Sim?"
"Hm?" Eve ging zur Tür. "Ach so. Gut, wirklich. Die Tentakel hast du gut hinbekommen."
"Danke. Ich habe aufgrund deiner Reaktionen bereits weitere Verbesserungen vorgenommen."
"Probieren wir bei nächster Gelegenheit aus." Eve ging durch die gut beleuchteten Korridore zu den Aufzügen, die sie zur Brücke des Raumschiffs befördern würden. "Und jetzt halt dein Plappermaul, ich muss mich gleich konzentrieren. Melde dich nur, wenn du was Wichtiges beitragen möchtest."
"Alles klar, Perversling."
"Pfft."
Im Halbdunkel des Raumes stieß sich Eve hektisch mit den Füßen ab und rutschte auf dem glatten Holzboden nach hinten, bis ihr Rücken die Wand berührte. Sie wagte kaum zu atmen und das Pochen ihres Herzens schlug ihr bis in die Kehle. Der eigentümlich chemische Geruch, der ihr zuvor schon im Flur aufgefallen war, lag jetzt auch in der viel zu warmen Luft ihres Schlafzimmers. Ein gleitendes, fast schleimiges Geräusch, wie nasses Gummi auf einer Glasscheibe, schlich sich an ihr Ohr, aber sie konnte den Ursprung dieser Wahrnehmung nicht zuordnen. Mit zusammengekniffenen Augen spähte sie in die formlosen trügerischen Schatten.
Da! Die Überreste ihres kurzen Rocks, den sie am Fußende des Bettes verloren hatte, wurden langsam von irgendetwas, dass sich immer noch außer Sicht bewegte, in die Dunkelheit gezogen und verschwanden. Eve stieß ein Keuchen aus. Jetzt endlich sammelten sich die Schatten, ballten sich in einer noch unentschlossenen Form zusammen und dann glitt das Ding in ihr Sichtfeld. Sie schlug die Hände vor den Mund, vor Schreck nicht in der Lage zu schreien.
Der Körper des Wesens war größer als ihr Schreibtisch und erinnerte an nichts mehr als an den zentralen Rumpf eines Kraken. Die Haut, durch Muskelbewegungen buckelnd und zitternd, schimmerte feucht in einem dunklen Violett. Zwei faustgroße, fremdartig anmutende Augen, in denen eine kalte Intelligenz funkelte, starrten sie an. Und über den Boden schlängelten sich mehr als ein Dutzend Tentakel auf sie zu, langsam und gerissen, wie Raubtiere, die sich an ihre Beute heranpirschten.
Eve versuchte unwillkürlich weiter zurückzuweichen, aber ihr Rücken presste sich bereits an die Wand. Zwei Tentakel hatten sie erreicht und Eves Versuche, den schlängelnden Greifarmen zu entkommen, waren fruchtlos - mühelos umrankten sie ihre Beine, krochen weiter nach oben, bis sie ihre Oberschenkel erreicht hatten. Sie vernahm ein wässriges Zischen. Als sie aufblickte, sah sie, dass der Hauptkörper des Wesens sich genähert hatte. Die seltsamen Augen musterten sie fast gierig, blinzelten einmal mit senkrechten Lidern.
Eve blickte wieder in Panik auf die Tentakel, die sich gemächlich näherten, als hätten sie alle Zeit der Welt. Die starken Greifarme um ihre Beine drückten ihre Schenkel auseinander, ohne dass sie dem etwas entgegensetzen konnte. Einer der Fühler schob sich über ihren Bauch nach oben und berührte mit der Spitze den Ansatz ihrer Brüste.
Eve keuchte abermals auf. Ein merkwürdiges, erregendes Gefühl ließ ihre Knie erzittern. Plötzlich spürte sie deutlich, wie sich ihre Nippel an den Fetzen ihrer Bluse rieben. Sie wurde fast schlagartig feucht.
Ein dünner Greifarm schob sich unter ihr Höschen und schob den Stoff fast spielerisch beiseite. Ein weiterer, wesentlich dickerer Tentakel schob sich unaufhaltsam zwischen ihre Schenkel und berührte ...
Die Welt verblasste.
"Doktor Kershaw, Prioritätsruf von der Brücke."
Die Dunkelheit ihres Schlafzimmers verschwand und machte der Nachtbeleuchtung ihrer Kabine Platz. Eve blinzelte, atmete tief ein und nach einem kurzen Moment wieder aus, wobei sie die Luft durch ihre Lippen pfeifen ließ. Träge, noch halb in der Erinnerung der Lifesim gefangen, richtete sich sie aus ihrer in der Wand eingelassenen Koje auf. Sie blieb sitzen, die Hände auf die Kante gestützt, die nackten Füße auf dem warmen Fußboden, und wartete, bis sich ihr Herzschlag beruhigt hatte.
"Yuki?"
Die Stimme ihrer persönlichen KI antwortete mit dem üblichen unschuldigen Unterton. "Eve?"
"Warum hast du das durchgestellt?"
"Nun ja. Prioritätsruf?"
Eve schnaubte. Immerhin hatte sie die Parameter selbst eingestellt, also hatte sie die ausgeprägten Anteile von Ironie und Sarkasmus in Yukis Persönlichkeit auch selbst zu verantworten. "Irgendeine Info, worum es geht?"
"Keine weiteren Details, Eve, sorry."
"Vermutung?". Sie stand auf und reckte sich.
"Wir haben den letzten Sprungpunkt schon eine Weile hinter uns und bewegen uns seitdem per Schub. Wir nähern uns also entweder einem Zwischenhalt oder dem Ziel. Da wir seit fast vier Tagen unterwegs sind, vermute ich letzteres."
"Dann bin ich gespannt, was hier eine derartige Geheimnistkrämerei rechtfertigt." Eve schlurfte in Richtung der Hygienekabine. "Ich brauche eine Dusche. Mach mir bitte einen Kaffee."
"Stark?"
"Muskulös."
Das belebende Getränk wartete im Dispenser auf sie, als mit noch feuchten Haaren aus der Dusche kam. "Was meinst du, muss ich mich schick machen?"
"Dazu gibt es kein Protokoll."
"Sehe ich auch so. Die Bordoveralls sind schrecklich." Sie zog eine weiße Bluse und einen knielangen Rock an, das Höschen ließ sie weg.
"Perversling." Yuki kicherte.
"Wir leben nicht im finsteren zwanzigsten Jahrhundert." Eve schlüpfte in ihre Sneaker. "Außerdem bist du nur neidisch, weil du keinen Hintern hast."
"Wo wir schon dabei sind, wie fandest du die Sim?"
"Hm?" Eve ging zur Tür. "Ach so. Gut, wirklich. Die Tentakel hast du gut hinbekommen."
"Danke. Ich habe aufgrund deiner Reaktionen bereits weitere Verbesserungen vorgenommen."
"Probieren wir bei nächster Gelegenheit aus." Eve ging durch die gut beleuchteten Korridore zu den Aufzügen, die sie zur Brücke des Raumschiffs befördern würden. "Und jetzt halt dein Plappermaul, ich muss mich gleich konzentrieren. Melde dich nur, wenn du was Wichtiges beitragen möchtest."
"Alles klar, Perversling."
"Pfft."