[In Arbeit] XSpace - Das Andhaka Rätsel

Wyrd

Gläubiger
Kapitel 1

Im Halbdunkel des Raumes stieß sich Eve hektisch mit den Füßen ab und rutschte auf dem glatten Holzboden nach hinten, bis ihr Rücken die Wand berührte. Sie wagte kaum zu atmen und das Pochen ihres Herzens schlug ihr bis in die Kehle. Der eigentümlich chemische Geruch, der ihr zuvor schon im Flur aufgefallen war, lag jetzt auch in der viel zu warmen Luft ihres Schlafzimmers. Ein gleitendes, fast schleimiges Geräusch, wie nasses Gummi auf einer Glasscheibe, schlich sich an ihr Ohr, aber sie konnte den Ursprung dieser Wahrnehmung nicht zuordnen. Mit zusammengekniffenen Augen spähte sie in die formlosen trügerischen Schatten.

Da! Die Überreste ihres kurzen Rocks, den sie am Fußende des Bettes verloren hatte, wurden langsam von irgendetwas, dass sich immer noch außer Sicht bewegte, in die Dunkelheit gezogen und verschwanden. Eve stieß ein Keuchen aus. Jetzt endlich sammelten sich die Schatten, ballten sich in einer noch unentschlossenen Form zusammen und dann glitt das Ding in ihr Sichtfeld. Sie schlug die Hände vor den Mund, vor Schreck nicht in der Lage zu schreien.

Der Körper des Wesens war größer als ihr Schreibtisch und erinnerte an nichts mehr als an den zentralen Rumpf eines Kraken. Die Haut, durch Muskelbewegungen buckelnd und zitternd, schimmerte feucht in einem dunklen Violett. Zwei faustgroße, fremdartig anmutende Augen, in denen eine kalte Intelligenz funkelte, starrten sie an. Und über den Boden schlängelten sich mehr als ein Dutzend Tentakel auf sie zu, langsam und gerissen, wie Raubtiere, die sich an ihre Beute heranpirschten.

Eve versuchte unwillkürlich weiter zurückzuweichen, aber ihr Rücken presste sich bereits an die Wand. Zwei Tentakel hatten sie erreicht und Eves Versuche, den schlängelnden Greifarmen zu entkommen, waren fruchtlos - mühelos umrankten sie ihre Beine, krochen weiter nach oben, bis sie ihre Oberschenkel erreicht hatten. Sie vernahm ein wässriges Zischen. Als sie aufblickte, sah sie, dass der Hauptkörper des Wesens sich genähert hatte. Die seltsamen Augen musterten sie fast gierig, blinzelten einmal mit senkrechten Lidern.

Eve blickte wieder in Panik auf die Tentakel, die sich gemächlich näherten, als hätten sie alle Zeit der Welt. Die starken Greifarme um ihre Beine drückten ihre Schenkel auseinander, ohne dass sie dem etwas entgegensetzen konnte. Einer der Fühler schob sich über ihren Bauch nach oben und berührte mit der Spitze den Ansatz ihrer Brüste.

Eve keuchte abermals auf. Ein merkwürdiges, erregendes Gefühl ließ ihre Knie erzittern. Plötzlich spürte sie deutlich, wie sich ihre Nippel an den Fetzen ihrer Bluse rieben. Sie wurde fast schlagartig feucht.

Ein dünner Greifarm schob sich unter ihr Höschen und schob den Stoff fast spielerisch beiseite. Ein weiterer, wesentlich dickerer Tentakel schob sich unaufhaltsam zwischen ihre Schenkel und berührte ...

Die Welt verblasste.

"Doktor Kershaw, Prioritätsruf von der Brücke."

Die Dunkelheit ihres Schlafzimmers verschwand und machte der Nachtbeleuchtung ihrer Kabine Platz. Eve blinzelte, atmete tief ein und nach einem kurzen Moment wieder aus, wobei sie die Luft durch ihre Lippen pfeifen ließ. Träge, noch halb in der Erinnerung der Lifesim gefangen, richtete sich sie aus ihrer in der Wand eingelassenen Koje auf. Sie blieb sitzen, die Hände auf die Kante gestützt, die nackten Füße auf dem warmen Fußboden, und wartete, bis sich ihr Herzschlag beruhigt hatte.

"Yuki?"

Die Stimme ihrer persönlichen KI antwortete mit dem üblichen unschuldigen Unterton. "Eve?"

"Warum hast du das durchgestellt?"

"Nun ja. Prioritätsruf?"

Eve schnaubte. Immerhin hatte sie die Parameter selbst eingestellt, also hatte sie die ausgeprägten Anteile von Ironie und Sarkasmus in Yukis Persönlichkeit auch selbst zu verantworten. "Irgendeine Info, worum es geht?"

"Keine weiteren Details, Eve, sorry."

"Vermutung?". Sie stand auf und reckte sich.

"Wir haben den letzten Sprungpunkt schon eine Weile hinter uns und bewegen uns seitdem per Schub. Wir nähern uns also entweder einem Zwischenhalt oder dem Ziel. Da wir seit fast vier Tagen unterwegs sind, vermute ich letzteres."

"Dann bin ich gespannt, was hier eine derartige Geheimnistkrämerei rechtfertigt." Eve schlurfte in Richtung der Hygienekabine. "Ich brauche eine Dusche. Mach mir bitte einen Kaffee."

"Stark?"

"Muskulös."

Das belebende Getränk wartete im Dispenser auf sie, als mit noch feuchten Haaren aus der Dusche kam. "Was meinst du, muss ich mich schick machen?"

"Dazu gibt es kein Protokoll."

"Sehe ich auch so. Die Bordoveralls sind schrecklich." Sie zog eine weiße Bluse und einen knielangen Rock an, das Höschen ließ sie weg.

"Perversling." Yuki kicherte.

"Wir leben nicht im finsteren zwanzigsten Jahrhundert." Eve schlüpfte in ihre Sneaker. "Außerdem bist du nur neidisch, weil du keinen Hintern hast."

"Wo wir schon dabei sind, wie fandest du die Sim?"

"Hm?" Eve ging zur Tür. "Ach so. Gut, wirklich. Die Tentakel hast du gut hinbekommen."

"Danke. Ich habe aufgrund deiner Reaktionen bereits weitere Verbesserungen vorgenommen."

"Probieren wir bei nächster Gelegenheit aus." Eve ging durch die gut beleuchteten Korridore zu den Aufzügen, die sie zur Brücke des Raumschiffs befördern würden. "Und jetzt halt dein Plappermaul, ich muss mich gleich konzentrieren. Melde dich nur, wenn du was Wichtiges beitragen möchtest."

"Alles klar, Perversling."

"Pfft."
 

Wyrd

Gläubiger
Auf halbem Weg entschied sie sich, auf den Aufzug zu verzichten. Die Erregung, die sie aus der Lifesim mitgenommen hatte, klang immer noch nach, ihre Schenkel kribbelten und die feuchte Wärme dazwischen forderte Aufmerksamkeit, die sie später ablenken würde. Etwas Bewegung würde guttun.

Yuki meldete sich. "Deine Vitalwerte zeigen an, dass deine unterbrochene Entspannungsphase noch nachwirkt. Du könntest zur Abwechslung einen physischen Sexualpartner wählen. Die Besatzung ist klein, aber ich bin sicher, dass du problemlos einen willigen Kandidaten finden kannst."

"Das ist mit zu langweilig," dachte Eve. Sie lächelte in sich hinein. "Ich habe doch dich."

Gelegentlich, wenn sie in der Stimmung war, suchte sie tatsächlich einen Partner oder eine Partnerin oder auch beides, aber sie musste zugeben, dass ihre letzte Begegnung schon eine Weile zurücklag. Mit Yuki zusammen gestaltete sie Lifesims nach ihren Wünschen und gab sich diesen Fantasien hin, die sie seit Teenagerjahren begleiteten. Monster, Biester, Tentakelgeschöpfe - fantastisch und unerreichbar. Nicht, dass das bekannte Universum unbelebt wäre, ganz im Gegenteil. Aber selbst wenn der Mensch einmal Lebensformen entdecken sollte, die dem entfernt nahekam, war es doch absurd anzunehmen, dass diese irgendein sexuelles Interesse an Wesen außerhalb ihrer Spezies entwickeln könnten. Die Sims waren ihre beste Option.

„Trotzdem“, klang Yuki in ihrem Kopf. "Wenn wir wieder zuhause sind, könntest du bei deinen Kontakten nachhaken, ob jemand zusammen mit dir in die Sim geht."

"Mach ich". Eve schmunzelte. Manchmal benahm sich Yuki wie eine besorgte Schwester. Und wenn sie darüber nachdachte, musste sie zugeben, dass sie sich auch so anfühlte.

"Hm". Yuki klang skeptisch, schaffte es aber tatsächlich, einen amüsierten Unterton in dem unbestimmten Laut zu verstecken.

Als sie in den peripheren Korridor einbog, blieb Eve unvermittelt stehen, als etwas ihre Aufmerksamkeit mit Nachdruck beanspruchte. "Was ist denn das?"

Hinter den in regelmäßigen Abständen eingelassenen Sichtluken der Außenwände dominierten zwei Objekte die Schwärze des Weltraums jenseits ihres Schiffes. Das eine war offensichtlich ein Forschungsschiff, überraschend groß und deshalb vermutlich kein Entdecker, sondern bewusst für eine spezielle Mission ausgewählt. Eine winzige angedockte Fähre an der Seite wirkte im Vergleich wie ein Schiffshalterfisch an einem Wal.

Deutlich ungewöhnlicher prangte das andere Objekt dahinter. Sie befanden sich offenbar im Orbit eines Planeten, der wie ein großer, strahlend weißer Ball im leeren Raum hing. Dieser Vergleich schien mehr als passend, denn die Oberfläche, ob es sich dabei um Wolken, Gestein oder was auch immer handelte, schimmerte völlig glatt und ohne erkennbare Textur. Eve glaubte, einen einzigen kleinen dunklen Fleck im fast blendenden Weiß des Himmelskörpers auszumachen, konnte aber nicht erkennen, ob es sich dabei tatsächlich um eine Verfärbung der Oberfläche oder ein vor dem Planeten schwebendes Etwas handelte.

"Ich habe gar nicht gemerkt, dass wir gestoppt haben. Yuki, wo sind wir?"

Die Antwort kam prompt. "Ich habe inzwischen eine Position herausfinden können, aber hier ist nichts registriert, zumindest noch nicht in den offiziellen Datenbanken. Wir sind im XSpace."

"Verstehe." Eve trat näher an das Fenster. Mit dieser Information konnte sie zumindest eine Theorie aufstellen, warum man sie hierher gerufen hatte.

Seit der Mensch in den Weltraum aufgebrochen war und einen Weg gefunden hatte, die Barriere der Lichtgeschwindigkeit zu umgehen, hatte er sich daran gemacht, die Grenzen des erforschten Raumes unermüdlich zu erweitern. Zumindest sahen die Pläne der ersten interstellaren Forscher so aus, denn schnell wurde klar, was eigentlich schon immer offensichtlich gewesen war - die Weite des Weltraums ist unergründlich. Niemals würde es genug Menschen geben, um auch nur einen nennenswerten Teil des Sternenozeans als endgültig erforscht bezeichnen zu können, selbst mit den zehntausenden Schwärmen KI-gesteuerter Bots, die ausgesandt wurden, um die Galaxis zu kartografieren. Damit fand man sich irgendwann ab und ging dazu über, sich nur mit dem zu beschäftigen, was sich - aus welchen Gründen auch immer - unmittelbar zur näheren Erforschung anbot.

Die dunkle Ausdehnung dazwischen, die zahllosen unerforschten Systeme und Planeten, von Langstrecken-Scannern flüchtig erfasst und katalogisiert, bei weitem den größten Anteil der offiziellen Sternkarten ausmachend - dies nannte man den XSpace.

"Sie haben offenbar etwas entdeckt, was ihnen Gewinn verspricht." Eve nickte, wissend, dass Yuki in der Lage war, die Geste zu erfassen. "Aber sie wissen noch nichts damit anzufangen." Sie band sich die langen schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen. "Und ich soll ihnen dabei helfen."

"Aufgeregt?"

"Jetzt ja. Also los, Süße. Hören wir uns an, was sie gefunden haben."
 

Wyrd

Gläubiger
Im Besprechungsraum fand sich das gleiche cremefarben Umgebungsdesign wie in den Passagierkabinen wieder. Die technischen Elemente verbargen sich wie üblich hinter dezenten Paneelen, um auf Zuruf zur Verfügung zu stehen. Ein Teil der hinteren Wand war als Display konfiguriert, blieb aber noch dunkel wie schwarzes Glas. Eve konnte ihr Spiegelbild sehen - ein schlankes, herzförmiges Gesicht, leicht schräg stehende, dunkle Augen, langes schwarzes Haar.

"Was sind wir heute wieder hübsch und sexy." Yuki hatte sich selbst eine neckische Stimmlage beigebracht.

Ein Tisch in der Raummitte bot etwa einem Dutzend Teilnehmern Platz, aber als Eve eintrat, erwarteten sie nur drei Personen.

"Eve, hallo. " Kapitän Vasilenko stand auf und nickte ihr zu. "Schön, dass Sie da sind."

"Hallo, Mike." Eve mochte Vasilenko gut leiden. Der Käpt'n machte durch Persönlichkeit seine geringe körperliche Größe mehr als wett. Das kurzgeschnittene braune Haar zeigte graue Schläfen und das Fehlen von Eitelkeit. Helle Augen über einer Nase, die ein wenig einem Tomahawk glich, funkelten wachsam und humorvoll.

Vasilenko deute nacheinander auf die beiden Anwesenden, die auf der anderen Seite des Tisches saßen.

"Das ist Helena Wagner, stellvertretende Leiterin der Forschungsabteilung für den XSpace der Unternehmensgruppe ACE hier im Sektor." Wagner lächelte Eve zu. Ihr Alter war schwer abzuschätzen, das kastanienbraune Haar lockte sich bis knapp über die Ohren, ihr Augen funkelten im Kontrast dazu jadegrün in dem fein geschnittenen Gesicht. Sie war wie Eve leger gekleidet, in heller Leinenhose und Jacke.

"Und hier Marcel Riva, stellvertretender CEO von ACE." Eve entging nicht, dass der Käpt'n das "hier im Sektor" wegließ. Rivas schlanke Gestalt wirkte sportlich. Das kurze blonde Haar lag perfekt, seine Augen schimmerten blau, das makellos proportioniert Gesicht zeigte Sonnenbräune, passend zu einem hellblauen Anzug. "Lang lebe die Genetik", dachte Eve.

Vasilenko hätte die beiden nicht vorstellen müssen, den Yuki hatte die persönlichen IDs längt abgerufen und Namen und Position direkt nach dem Eintreten in Eves Gesichtsfeld eingeblendet.

"Kannst du löschen", dacht Eve. "Die beiden kann ich mir merken."

Nachdem Eve auf einem der Sessel Platz genommen hatte, setzte sich auch Vasilenko wieder. "Ich übergebe direkt an Sie, Mister Riva."

Riva hatte nicht gelächelt, sondern Eve mit einem eher skeptischen Gesichtsausdruck betrachtet. Daran änderte sich auch jetzt nichts. "Doktor Kershaw. Sie haben die Bedingungen für Ihre Engagement vorab erhalten und zugestimmt, richtig?"

Eve nickte. "Natürlich." Die Frage diente offensichtlich nicht dazu, die Information zu verifizieren, sondern sie daran zu erinnern.

Er räusperte sich. "Mitglieder des Aufsichtsrates haben empfohlen, Sie hinzuzuziehen. Nicht Sie persönlich, meine ich, sondern Sie als... Nexialistin. Miss Wagner hat Sie ausgesucht." Er lehnte sich in seinem Sessel zurück. "Können Sie in Ihren eigenen Worten bitte für mich zusammenfassen, was das heutzutage bedeutet?"

Eve nahm sich einen Augenblick Zeit für die Antwort. Offenbar war Riva nicht von Ihrem Nutzen für das wie auch immer geartete Projekt überzeugt, aber das konnte ihr egal sein, denn sie war bereits mit dabei. Trotzdem lag ihr daran, anfängliche Spannungen so gut wie möglich zu vermeiden, um ihre Arbeit nicht zu erschweren. "Die interdisziplinäre Forschung ist nicht mehr das definierende Element eines Nexialisten, aber ich denke, dass wissen Sie, Mister Riva." Sie schlug die Beine übereinander und strich ihren Rock glatt. "Jeder kann in allen wissenschaftlichen Disziplinen unterwegs sein, unsere KIs machen das möglich." Sie machte wieder eine kurze Pause, um für den folgenden Teil dir richtigen Worte zu finden. "Nexialisten nutzen das vorhandene Wissen aller Disziplinen, betrachten mit diesem Hintergrund ein Problem aber ohne direkten wissenschaftlichen Ansatz. Stattdessen nehmen Sie dieses Wissen und verwandeln es sozusagen in Intuition. Bauchgefühl." Sie zuckte die Achseln. "Es gibt nicht viel Nexialisten. Das ist nichts, was man lernen kann."

Riva starrte sie für einige Augenblicke wortlos an. Dann holte er tief Luft. "Das klingt für meine Begriffe ziemlich esoterisch."

"Wie das funktioniert, ist tatsächlich eine der wenigen Fragen, die selbst die Nexialisten bisher nicht beantworten konnten." Eve grinste.

"Ich habe Doktor Kershaw auf der Erde, auf Eridani und Procyon arbeiten sehen," warf Wagner ein. "Es ist keine Hexerei, aber sehr beeindruckend. Vielleicht kommen wir einfach zum Kern der Sache?" Sie war Eve einen ermutigenden Blick zu.

"Ja. Gut." Riva stand auf, drehte sich zum Fenster-Display um und legte die Hände aneinander. Die reflektierende Oberfläche verwandelte sich in die Sicht auf den weißen Planeten. "Das ist Andhaka." Die ID des Himmelskörpers wurde eingeblendet und zog sich dann an den Rand des Displays zurück. "Registriert vor etwa zwölf Standjahren, vor zwei Jahren von einem Bot-Schwarm gescannt. Vor sechs Wochen machte eines unserer Schiffe einen Abstecher hierher, um genaue Daten aufzunehmen." Er trat näher an das Display heran. "Das, was sie da sehen, ist nicht die Oberfläche des Planeten, auch keine Wolkenformation. Es scheint eine Art energetisches Feld zu sein."

"Scheint?" Eve sah sie verwundert an.

"Richtig. Wir wissen noch nicht genau, was es ist."

"Reden Sie nicht drum herum, Marcel." Wagner stand ebenfalls auf und sah Eve an. "Wir wissen nichts. Keiner unserer Forschungseinheiten hat irgendwas erreicht. Wir haben Arbeitszeit bei den Super-KIs auf Erde und Alpha Centauri gebucht. Ohne ein stichhaltiges Ergebnis."

Das war erstaunlich. Eve beugte sich vor und legte die Hände auf den Tisch. "Aber es war jemand auf der Oberfläche?"

Riva machte eine unbestimmte Geste in Wagners Richtung, was wohl bedeuten sollte, dass sie die weiteren Erklärungen übernahm.

"Die Bots stellten damals nur das energetische Feld fest, keine Bodenschätze oder dergleichen. Als dann der Explorer hier Halt machte, stellte man fest, dass die Scans nicht zuverlässig waren." Sie deutete mit gespreizten Fingern auf den Planeten. "Was auch immer das ist, es erschwert nicht nur die Sicht. Es stört Übertragungen oder macht sie unmöglich, von Funk bis Quantennetz. Tatsächlich haben wir beobachtet, wie kleinere Meteoriten davon aufgehalten wurden. Sozusagen vaporisiert."

"Und trotzdem hat sich jemand getraut, da zu landen?" Eve zog eine Augenbraue hoch.

Wagner fügte mit einer Handbewegung einige Bilder auf dem Display einblenden. "Die Biologin an Bord des Explorer stellte eine Drohne in eine tiefe Umlaufbahn, als Kommunikations-Proxy. Dann ist sie mit dem Lander runtergegangen. Sie erwartete, wie von den Kameras gezeigt, eine öde, weiße Wüste. Stattdessen fand sie das."

Das Display offenbarte jetzt den Blick auf einen üppigen, dichten Wald voller fremdartiger Vegetation.

Diesmal ließ Eve beide Augenbrauen nach oben wandern. "Und das war von oben nicht zu erkennen?"

"Tatsächlich gibt es den Wald nur hier, in einem sehr begrenzten Gebiet. Der Rest des Planeten ist leer."

"Ein Wald nur an einer einzigen Stelle? Wie soll das möglich sein?"

"Wir hoffen, dass Sie das für uns herausfinden." Wagner lächelte schief. "Wir haben die seltsamsten Theorien entwickelt. Ein Meteor, der organische Formen eingeschleppt hat, die nur an der Einschlagstelle wachsen. Die Hinterlassenschaft einer ausgestorbenen Zivilisation. Der letzte Rest eines sterbenden Planeten, bevor das große Weiße nichts ihn verschluckt." Wagner breitete die Hände in einer universellen Keine-Ahnung-Geste aus. "Nichts davon macht bei näherer Betrachtung Sinn."

"Waren noch andere Wissenschaftler an Bord? Und wurde außer Pflanzen noch etwas anderes entdeckt?"

"Nein, nur noch der Pilot war dabei. Und es gab auch nur den Wald. Kurz danach sind sie wieder aufgebrochen." Wagner blendete eine weitere Darstellung ein. "Es machte die Sache jedenfalls interessant genug, um ein weiteres Team zu schicken. Bots zum Aufbau einer Basis und die vorgeschriebenen menschlichen Wachen. Und dann passierte das..."

Eine Aufzeichnung nahm jetzt die gesamte Fläche des Displays ein. Eine zu großen Teilen fertiggestellte Basis, von Naniten hochgezogene Strukturen, Bots unterschiedlicher Formen, die den Bau fortsetzten, eine kleine Gruppe gelangweilter menschlicher Wachen. Im Hintergrund duckte sich die Dunkelheit des Waldes im Sichtfeld. Plötzlich bewegten sich die Bäume an einer Stelle des Waldrandes., schüttelten sich, dann wurden sie auseinandergebogen. Alarmiert schauten die Wachen in Richtung des Tumults. Und dann...

Eve stand auf. "Grundgütiger!"

Aus dem Wald stapfte ein Monster, eine riesige, sechsbeinige Bestie, die wie eine Kreuzung aus Krokodil und Käfer wirkte. Der Rücken schimmerte wie Chitin. Die Bäume knickten weg wie Strohhalme, das Biest musste größer als ein Landungsschiff sein. Die Bots zogen sich ruhig, aber zügig zurück., die Wachen jedoch gerieten in blinde Panik. Drei liefen hektisch umher, fummelten an ihren nie genutzten Waffen herum. Der vierte Begleitwächter musste angesichts der dieser unfassbaren Kreatur in eine Art Action-Sim-Modus verfallen sei. Er ging zielstrebig auf die Kreatur zu und nahm den Gegner dabei unter Dauerfeuer. Eve hätte vermutet, dass der Koloss das Sperrfeuer überhaupt nicht wahrnehmen würde, aber er riss sein gewaltiges Maul auf und wandte sich dem angreifenden Winzling zu. Ein einzelner Zahn des Riesen war größer als die Wache! Dann gab das Monster ein ohrenbetäubendes Gebrüll von sich, machte kehrt und verschwand so schnell wieder im Wald, wie es gekommen war.

Die Aufzeichnung hielt an.

"Unglaublich." Eve sah Wagner, dann Riva, dann wieder Wagner an. "Wie konnte so etwas unentdeckt bleiben?"

"Nicht nur unentdeckt." Wagner zuckte die Achseln. "Wir haben es seitdem nicht wieder gefunden."

"Wie bitte? Godzilla ist verschwunden?"

Wagner blinzelte. "Wer?"

"Ah, nicht wichtig." Eve winkte ab.

"Sie haben richtig gehört." Riva mischte sich wieder ein. "Und jetzt kommen sie ins Spiel. Was ist das für ein Biest? Was hat es mit dem lokal begrenzten Wald auf sich? Wie kommen wir gegen das Kraftfeld an?" Er setze sich wieder in seinen Sessel. "Sie haben Zugang zu allen Daten. Bei Bedarf bekommen Sie Arbeitszeit der Super-KI. Mit Voranmeldung natürlich. Wenn Sie sonst etwas brauchen, wenden Sie sich an Miss Wagner. Finden Sie Antworten."
 

Wyrd

Gläubiger
Eve brauchte Zeit zum Nachdenken, und das konnte sie am besten, wenn sie sich bewegte. Sie wählte wieder den langen Weg über die peripheren Korridore.

"Yuki. Irgendwelche Anmerkungen?", dachte sie.

"Wagner ist 'ne scharfe Schnitte!"

"Yuki!" Eve musste kichern. "Du Schlampe."

"Wen wundert's, ich wohne in deinem Kopf." Ihre KI machte eine Kunstpause. "Wichtigste Anmerkung, es geht ihnen um dieses Kraftfeld."

"Genau mein Gedanke". Eve nickte und wusste, dass Yuki diese Geste spüren konnte. "Der Wald ist für die uninteressant. Das Riesenvieh ist spannend, aber viel Gewinn können sie daraus auch nicht schöpfen. Rohstoffe wurden nicht erwähnt, es gäbe auch keinen Grund, sowas zu verheimlichen. Es ist also das Kraftfeld."

Der Aufbruch der Menschheit in den Weltraum hatte den eifrigen Forschern nicht nur die unfassbaren Dimensionen vor Augen geführt. Schon sehr bald stellte man zudem fest, dass die Weiten der Galaxis vor Rohstoffen aller Art beinahe überquollen, selbst diejenigen, die auf der Erde selten waren. Für alle gab es billige Energie, billige Arbeitskraft, jegliche Rohstoffe nach Bedarf - man fühlte sich in der Zukunft angekommen, von der man immer geträumt hatte. Aber natürlich ließ sich der Wunsch nach Status, Macht und Einfluss nie ausmerzen. Und dazu gehörten neue Technologien, die man patentieren konnte.

"Sie müssen etwas ganz neues dahinter vermuten." Eve blickte auf, als sie wieder die Fensterreihe passierte, durch die man einen Blick auf den Planeten werfen konnte. "Und sonst? Keine Idee zu den Umständen?"

Yukis Antwort kam mit leichter Verzögerung. "Nein. Die Fakten sind klar, aber das ganze wirkt sonderbar."

"Richtig." Eve ging ein paar Schritte schweigend, dann dachte sie: "Schau mal, ob du die Biologin oder den Piloten für ein Farlink bekommst. Ich würde gerne mit ihnen reden."

"Schon erledigt." Yuki blendete eine ID ein. "Die Biologin befindet sich gerade im Cryo-Schlaf, auf dem Weg zu einem Sektor, in dem das Sprungtor noch nicht fertig ist. Das hier ist Hassan Corby, der Pilot. Der ist im Kernsektor unterwegs, sollte leicht zu erreichen sein. Vielleicht noch ein interessanter Fakt, offenbar haben die beiden den Planeten so schnell wieder verlassen, weil sie ihn wegen sexueller Belästigung angezeigt hat."

"Okay, vereinbare bitte einen Termin, sobald wie möglich."

"Okidoki."



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In ihrer Unterkunft entledigte sich Eve erleichtert ihrer Kleidung, holte sich aus dem Dispenser ein Glas kühles Wasser mit einem Spritzer Zitrone und schaltete ein Display auf eine freie Wand. Sie winkte den Sessel heran und setzte sich, die Knie angezogen, die Füße auf der Sitzfläche abgestützt. "Zeig dich, Schnecke."

Yukis Avatar erschien auf dem Display, ein klassisches Anime-Mädchen wie sie vor Jahrhunderten modern waren, in einer Schuluniform mit viel zu kurzem Rock, langen blonden Haare zu zwei Zöpfen gebunden, ausladenden Brüste und runden schimmernde Augen. Sie machte ein paar Karate-Kicks gegen den Rand des Bildschirms. Der Rock rutschte dabei gefährlich hoch. "Freiheit! Nieder mit der Knechtschaft!"

Eve kicherte. "Brauchst du mal Auslauf? Ein Bot-Körper, ich könnte ACE sicher irgendwie dafür bezahlen lassen."

Yuki winkte ab. "Lass mal. Langsame Hirne, die Dinger."

"Okay. Dann zeig mir mal, was wir alles haben."

Yuki zog sich an den Rand des Displays zurück und blendete Übersichten und Auflistungen der Missionsdaten ein. Die wichtigsten Fakten fasste sie noch mal für Eve zusammen, aber die Beute fiel eher mager aus.

"Zeig mir nochmal die Aufzeichnungen von diesem Monster." Eve lehnte sich etwas nach vorn und schaute gespannt. "Hm. Gibt's noch einen anderen Winkel?" Yuki wechselte zu einer Aufnahme schräg von der rechten Seite. Eve sah bis zum Ende zu und ließ sich wieder zurückfallen. "Tja. Und dann ist es einfach weg."

Yuki hatte sich hinter dem Display-Rand versteckt und lugte jetzt dahinter hervor. "Seismische Störungen wurden gemessen. Das fing an kurz bevor das Biest auftauchte, erzeugt durch schieres Körpergewicht. Es hörte wieder auf, nachdem es sich vom Acker gemacht hat."

"Vielleicht ein Höhlensystem?"

"Dann hätten die Störungen noch messbar sein müssen. Und die Hohlräume selbst hätte man mit dem Scanner erfassen können."

"Nicht, wenn das Kraftfeld das verhindert. Aber du hast recht. Das kann es nicht sein." Eve seufzte. "Godzilla macht einfach keinen Sinn." Sie stützte den Kopf auf eine Hand ab. "Sieh dir mal den Wächter an. Der sieht aus, als hätte er den Spaß seines Leben."

"Endlich mal ein bisschen Abwechslung!" Yuki sprang in die Mitte des Displays und tat, als würde sie mit einem Maschinengewehr feuern. "Endlich mal die dicke Wumme nutzen!"

Eve beugte sich wieder vor und runzelte die Stirn. "Findest du irgendwo ein paar Close-Ups von diesem Wald?"

Yuki blendete einige Bilder ein, verbeugte sich und trat dann zur Seite.

Eve betrachtete die Bilder und zupfte sich dabei an der Unterlippe. "Komisch. Der Wald kommt mir irgendwie bekannt vor. Hast du Kontakt zur Zentraldatenbank?"

"Believe it, lady."

"Dann suche mal bitte nach vergleichbarer Vegetation auf anderen Planeten."

Yuki brauchte nur Sekunden für eine Antwort. Sie blendete eine ID ein. "Ein Planet im Erebus-Sektor, hier ist ein Bild."

"Das ist jetzt das Bild von dem Planeten im Erebus?" Eve richtet sich schlagartig auf. "Das ist dem nicht ähnlich." Sie schüttelte langsam den Kopf. "Das ist quasi identisch."

"Übereinstimmung visueller Merkmale fast einhundert Prozent. Guter Fund, Eve. Aber wie kann das sein?"

Eve stand auf und holte sich noch ein Glas Wasser, bevor sie antwortete. "Yuki. Gibt es irgendeine Chance, das wir hier verschaukelt werden? Eine Illusion? Vielleicht ein neue Art von Sim?"

"Wenn dem so ist, dann haben sie es so gut verborgen, dass ich keinen Glitch feststellen kann." Yuki sah sie mit heruntergezogenen Mundwinkeln an. Dann legte sie plötzlich den Kopf schief und blinzelte. "Corby hat sich gemeldet, der Pilot. Wäre jetzt bereit für ein Farlink."

"Okay, warte." Eve sprang auf zog sich hastig an, während Yuki ein paar Tanzschritte probierte. "Okay, bin soweit." Sie setzte sich wieder in den Sessel. "Wir nehmen meinen Raum. Gib mir den Planeten auf das Display, dann versteck dich."



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Augenblicke später erschien Corbys Abbild vor ihr im Raum. Er saß in einem Pilotensessel, der vermutlich zu einem kleineren Schiff gehörte, wirkte schmächtig, mit einem jungenhaften Gesicht und kurzen roten Haaren, gekleidet in einen Bordoverall. Corby sah sich um, bevor er sich an Eve wandte. "Äh, Doktor .. Kershaw, richtig?"

"Eve. Hallo, danke, dass sie den Kontakt so schnell ermöglichen konnten."

"Eve, in Ordnung. Dann Hassan." Er wackelte mit den Knien, räusperte sich und zeigte auf das Display. "Sie sind bei diesem komischen Planeten, hm?"

"Andhaka, ja." Eve sah ebenfalls zu der weißen Kugel, die still im Raum hing. "Ich würde gern mit Ihnen darüber sprechen, wenn es ihnen nichts ausmacht."

"Ah, verstehe, ich dachte, es geht ... um etwas anderes." Er sah auf seine Hände.

Eve machte sich einen mentalen Vermerk, ging aber zunächst nicht darauf ein. "Wir waren ihre Eindrücke, als sie dort gelandet sind? Ganz allgemein, ich will nicht auf irgendwas besonderes hinaus."

"Meine Eindrücke?" Er sah wieder auf und wirkte leicht verwundert. "Tja, also, da war nichts besonderes. Obwohl, zugegeben, als wir plötzlich mitten in einem Wald gelandet sind, war ich einigermaßen vom Hocker. Hatte ich ja nicht mit gerechnet. Olivia ist fast ausgerastet."

"Olivia ist die Biologin, die mit an Bord war?"

Er nickte. "Olivia Tanake, ja."

"Warum ist sie ausgerastet?"

"Naja, sie hatte die letzten Wochen öfter mal rumgejammert, dass sie lange nichts interessantes mehr entdeckt hat." Er machte eine umfassende Geste, die offenbar etwas sehr großes darstellen sollte.

"Und dann ist da plötzlich so ein Wald. Sie hat sich kaum eingekriegt."

Eve lächelte. "Klingt irgendwie übertrieben, was?"

"Fand ich auch. Sie hat was von paralleler Evolution und Entwicklung gefaselt, das war aber nicht so meins. Da müssen Sie sie fragen."

"Yuki, die Biologin hat den Wald erkannt, such mal nach Gemeinsamkeiten" dachte Eve. Dann wandte sie sich wieder an Corby. "Hassan. Sie dachten, ich würde Sie wegen etwas anderem sprechen wollen. Ging es dabei um ihre ... Streitigkeiten?"

Er wurde rot und blickte wieder auf seine Hände. "Ja. Furchtbar. Ich war so ein Vollidiot."

Eve beugte sich vor, als würde sie seine Hand tätscheln wollen. "Sie bekommen keine weiteren Schwierigkeiten, Hassen, keine Angst. Es geht mir um etwas anderes, ich brauche aber ein Gesamtbild für meine Arbeit. Erzählen Sie."

Corby rang spürbar mit sich, bevor er wieder sprach. "Naja. Also. Olivia ist superhübsch, ich .. stand auf sie. Witzig, smart. Tolle Frau. Ich hab sie sicher öfter angebaggert als gut war. Aber sie hat mich halt abblitzen lassen. Ist ja auch okay." Er machte eine Pause und kratzte sich am Kopf. "Puh. Nicht einfach. Also. Wir sind auf der Basis und ich komme gerade aus der Hygienekabine. Hatte gerade noch an sie gedacht, da geht die Tür auf und sie kommt rein. Völlig nackt. Legt mir den Finger auf den Mund und dann ... und dann ... hat sie ... sie hat mich ..."

Eve legte den Kopf schief und sah ihn ernst an. "Sie hat was?"

"Sie hat mich ... oral ... befriedigt." Er legte eine Hand über seine Augen.

Eve wollte gerade sprechen, als er sich plötzlich vorbeugte. Er wirkte aufgeregt, fast verzweifelt. "Dok ... Eve. Sie hat mich nicht ... oral befriedigt. Sie hat mir einen geblasen. Man muss das so nennen." Er sackte in sich zusammen. "Sie hat mir auf eine Art einen geblasen, wie ich mir das niemals hätte vorstellen können. Es war ... unglaublich. Ja, und dann ist sie gegangen."

Die Erzählung hatte eine Richtung genommen, die Eve überraschte. Sie schwieg in der Hoffnung, dass sein Erzählschwung noch nicht an Fahrt verloren hatte.

"Ich dachte, ja, jetzt hab ich sie rumgekriegt, wie auch immer. Jetzt hab ich's geschafft. Am nächsten morgen gehe ich ins Küchenmodul ... nackt. Mit einem ... Ständer. Ich hatte die ganze Nacht an sie denken müssen. Ich greife ihr von hinten an die..." Zur Veranschaulichung deutete er mit seinen Händen große Brüste an. Eve unterdrückte ein Lächeln und nickte.

"Und dann scheuert sie mir eine, das es sich gewaschen hat", fuhr Corby fort. "Das war's dann. Sie wollte nichts hören, was ich sagte, hat mich direkt angezeigt. Ich hab mich tausendmal entschuldigt und nachher hat sie die Anzeige ja auch wieder zurückgenommen. Aber das war der furchtbarste Tag in meinem Leben."

"Vielleicht war die Nacht davor nur ein Traum? Ich hoffe, sie haben nochmal Gelegenheit mit ihr darüber zu sprechen." Eve legte die Hände auf ihre Knie. "Ihre schnelle Abreise hat also nichts mit dem Planeten zu tun."

Corby schüttelte den Kopf. "Nein, gar nicht. Nur mit meiner Trotteligkeit."

Sie verabschiedeten sich, dann loggte Corby sich aus dem Farlink aus.



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Yuki lugte wieder in das Display hinein. "Das war ja mal eine Geschichte."

"Allerdings."

"Bringt uns aber nicht weiter."

"Weiß ich noch nicht." Eve fing an im Raum auf und ab zu gehen. Dann blieb sie stehen und legte die Fingerspitzen aneinander. "Ich nehme an, von besagter Nacht gibt es keine Aufzeichnung?"

"Die würde ich gerne sehen!" Yukis Avatar grinste lüstern. "Aber nein, Privatsphäre war aktiv."

"Hm. Was ist mit Vitalwerten? Die müssen vorschriftsmäßig aufgezeichnet werden."

Yuki zauberte ein paar Tabellen auf den Bildschirm. "Hab ich, oh große Ermittlerin."

Eve trat näher. "Zeig mal die von Hassan. Jetzt lass mal durchlaufen... Stop! Schau hier. Puls, Temperatur, Neuralaktivität. Das wird der Blowjob gewesen sein."

"Drücke dich bitte etwas gewählter aus, ich habe ein zartes Gemüt", warf Yuki mit gezierter Stimme ein. Sie unterlegte den Zeitabschnitt innerhalb der Vitalwerte mit einem hellen Hintergrund. "Aber ja, du hast recht. Passt zu einem Mundfick."

"Jetzt lege Olivias Daten daneben. Zeitlich synchron."

"Schau an." Yuki markierte auch diesen Bereich. "Olivia hat definitiv ... geschlafen. Blowjob beim Schlafwandeln?"

"Fändest du geil, hm? Nein. Ich glaube, das war nicht Olivia."

"Huh?" Yuki zeigte seltene Überraschung.

"Hast du was bezüglich Olivia und den Erebus-Planeten gefunden?"

"Ja, du Superhirn." Yuki verlinkte einen Missionsbericht auf dem Bildschirm. "Sie war bei dem Landeteam mit dabei und hat den Wald dort als erste erforscht."

"Yuki, Schnecke." Eve ließ sich wieder in den Sessel fallen. "Ich glaube, hier treibt jemand Spielchen. Vielleicht doch eine neue Art von Sim, getestet an unwissenden Teilnehmern? Oder etwas ähnliches?"

"Das wäre aber ein riesiger Aufwand, der deutlich leichter zu haben wäre. Und warum sollte man sowas überhaupt geheim halten?"

"Tja, gute Frage." Eve stand wieder auf. "Ich gehe was esse, und dann in den Fitnessraum. Und morgen gehen wir runter und sehen uns die Sache aus der Nähe an, okay?"

"Alles was du sagt, oh Gebieterin."

"Dann los, zurück in meinen Kopf."


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Wyrd

Gläubiger
Das vorletzte Kapitel. Ich gebe keine Trigger-Warnung, um nicht zu spoilern. Wer den Einstieg gelesen hat und immer noch nicht weiß,wo das hinführt, dem ist nicht zu helfen. :-D

"Wir haben den Kommunikations-Proxy passiert und treten jeden Moment in die Atmosphäre ein." Yuki gab den Missionsstatus mental durch, statt die Info ins Sichtfeld einzublenden. Eve empfand das als weniger ablenkend. Sie lauschte, während sie ihren Atemfilter überprüfte, froh, endlich unterwegs zu sein.

Riva hatte ein riesiges Theater veranstaltet.

"Runter auf den Planeten? Nach dem Zwischenfall mit diesem … Monster haben wir alle Einheiten abgezogen, selbst die Bots!" Er sah Eve an, als hätte sie den Verstand verloren. "Nein, das geht nicht. Ich muss Militär-Bots anfordern, das dauert ein paar Tage!"

"Warum haben Sie das nicht längst getan?" Eve winkte ab. Sie wusste warum - er hätte natürlich einen Grund für die Anforderung angeben müssen, und dann wäre ACE nicht mehr der einzige Player vor Ort. "Ist auch nicht nötig. Ich gehe allein."

"Damit sie von einem was auch immer getötet werden? Ausgeschlossen! Das nehme ich nicht auf meine Kappe." Er ließ sich in seinen Sessel fallen, als sei damit alles gesagt.

"Das brauchen Sie auch nicht. Meine Kontrakt besagt, dass alle meine Entscheidungen meiner eigenen Verantwortung unterliegen." Eve ließ die Ansicht der jetzt leerstehenden Basis einblenden. "Keine erkennbaren Schäden. Ich kann landen und einen Blick auf die Umgebung werfen. Sie brauchen gar nicht zu fragen, ja, ich halte das für notwendig. Ich nehme ein Scanpack mit, meine KI kann mich warnen, wenn sich etwas nähert. Ich werde nicht von einem Kaiju gefressen."

"Von was?"

"Nicht so wichtig."

Wagner half ihr schließlich bei den Vorbereitungen. "Ein Stunner ist erlaubt, behalten Sie den bitte bei sich, Eve. Und seien Sie vorsichtig. Wir haben es geschafft, einen riesigen Organismus einfach zu übersehen. Wer weiß, was noch da unten rumläuft."

Eve ließ das Oberteil ihres Schutzanzuges zuschnappen und grinste. "Helena, sorgen Sie sich etwa um mich?"

Wagner verschränkte die Arme. "Um die Mission." Dann legte sie den Kopf schief und lächelte. "Ja, um Sie auch. Hier, vergessen Sie den Blocker nicht. Das Kraftfeld kann für Kopfschmerzen sorgen. Nicht stark, aber nervig."

"Keine Sorge, ich bin eine harte Nuss." Eve steckte das Blocker-Armband ein, hob das Scanpack an und wuchtete es in den Lander.

Wagner hatte einen skeptischen Gesichtsausdruck zur Schau gestellt, dann aber dann einen hochgereckten Daumen gezeigt.



"Eine Minute bis Landepunkt, Eve."

Sie setzten kaum merkbar in der befestigten Hangarzone auf. Noch bevor das doppelte Klicken der Schleuse zu hören war, die an der Luke andockte, spürte Eve die Auswirkungen des Kraftfeldes, als sich ein schwacher, unregelmäßiger Druck in ihrem Schädel bemerkbar machte. An ein gleichmäßiges Symptom hätte man sich gewöhnen können, aber das würde auf die Dauer tatsächlich stören. Der Druck ließ augenblicklich nach, als sie das Armband aktivierte. Die Schwerkraft lag nur knapp über Standard, hier erwartete sie keine Probleme.

"Alles klar, Yuki?" An ihrem linken Oberarm trug sei einen schmalen Multispeicher, der vorübergehend Yukis Zugang zum Netz ersetzte und einfache Umgebungsscans ermöglichte. Die Verbindung zum Schiff reichte nicht aus, deshalb war sie von den Datenzentren abgeschnitten, worüber sich die KI schon wortreich beschwert hatte.

"Klar, wenn man das so nennen will," maulte Yuki. "Ich schlage vor, du aktivierst das Scanpack gleich hier. Die Leistung reicht aus, um die Basis und ein paar hundert Meter über die Peripherie hinaus zu überwachen."

"Alles klar." Eve bootete den Scanner und wartete, bis die volle Funktionsfähigkeit signalisiert wurde. "Läuft. Siehst du was?"

"Nichts. Wenn sich irgendwas bewegt, sollten wir das rechtzeitig merken."

"Dann los. Wie sieht's in der Station aus?" Eve stand vor der Schleuse, die Hand über der Kontrolle.

"Keine messbaren Schäden, Luft okay." Yuki schwieg kurz und fügte dann hinzu: "Sei vorsichtig."

"Bin ich, Süße." Die Kontrolle akzeptiert ihre Eingabe, die Schleusentür glitt zur Seite und gab den Weg in die Station frei.

Die Naniten hatten ihr Arbeit ungerührt fertiggestellt und das Grundgerüst der Station stand zur Nutzung bereit. Die Bots waren allerdings abgezogen worden, bevor sie ihren Teil der Arbeit verrichten konnten, und so waren neben der grundlegenden Energieversorgung kaum Gerätschaften vorhanden. Eine Notbeleuchtung tauchte die in Weiß gehaltenen Korridore in behelfsmäßiges Dämmerlicht.

Eve vergewisserte sich, dass der Stunner an ihrer Seite griffbereit hing, betrat den Korridor und sah sich um. "Finden wir hier irgendwo Fenster mit Blick zum Wald?"

"Vor dir, in den zweiten Korridor, am Ende sollte ein Mannschaftsraum mit Fensterfront sein."

Yukis Anweisungen folgend bewegte sich Eve vorsichtig zwischen den Kisten und nicht verbauten Einrichtungsgegenständen hindurch. Das Durcheinander verriet die Hast, mit der die Wachen und die Bots abberufen worden waren.

Der Mannschaftsraum war weitgehend leer, bis auf Teile von Boxen, die zur Weiterverarbeitung zerlegt worden waren. Eve trat an das Fenster, legte eine Hand dagegen und schaut zu dem schattigen Wald hinüber. Das seltsame, durchgehende Weiß des Himmels tauchte die Szenerie in ein unnatürliches Licht.

"Das Kraftfeld erzeugt offenbar auch Licht", bemerkte Yuki. "Einen Tag-und-Nacht-Rhytmus gibt es kaum."

"Kein Wunder, dass die Biologin parallele Evolution vermutet hat. Die Vegetation sieht tatsächlich aus wie die auf dem Erebus-Planeten. Falls die Bilder stimmen." Eve berührte fast die Scheibe mit der Nase. "Ich frage mich, wie das auf diesem Untergrund wachsen kann." Sie zuckte zusammen und fuhr herum. "Was war das?"

Ein Geräusch, metallisch schleifend und verstohlen, hatte ihre Aufmerksam erregt. "Yuki, Scanner?"

"Ein ganz leichter Energieanstieg, fokussiert, kaum bemerkenswert. Ich kann nichts ausmachen."

"Von wo?"

"Zentrale."

Eve tastete nach dem Stunner und löste die Verriegelung. "Lass uns nachsehen."

"Die Scanner zeigen immer noch keine Besonderheiten."

"Kam das Geräusch vielleicht vom Lander? Temperaturbedingtes Knirschen oder so?" Im Korridor schlug Eve eine Richtung ein, die sie näher zur Zentrale bringen sollte.

"Möglich. Aber unwahrscheinlich."

Als sie das Zentrum erreichte, fand sie den Durchgang durch einen Stapel Transportboxen versperrt. Sie brauchte eine Weile, bis sie genug freigeräumt hatte, um sich in den Raum dahinter durchzuquetschen.

Das Hauptquartier der Basis hatte einen achteckigen Grundriss, und die einzelnen Wandmodule, die nach Fertigstellung als Display-Array hätten diesen sollen, maßen sechs Meter in der Länge. Zumindest hier hatte man ein paar modulare Sessel, einen runder Tisch und einige Schrankreihen aufgestellt.

"Hm. Das hilft uns …" Sie stockte. Abermals glaubte sie, ein Geräusch auszumachen, nur ganz kurz, wie ein zähes… Tropfen? Es musste ganz in der Nähe gewesen sein. "Ist die Wasserversorgung schon installiert? Irgendwelche Hydraulik?"

"Nein. Das wäre einer der nächsten Schritte gewesen."

Plötzlich lag ein merkwürdiger Geruch ini der Luft, schwach süßlich, aber gleichzeitig auch beißend. Eve sah sich um und ging dann die Fronten der hellen Metallschränke entlang. Alles war ruhig. "Vielleicht gibt es doch irgendwo eine Bruchstelle, ein undichtes… "

Mit einem lauten Krachen flogen die breite Türe eines mannshohen Schrankmoduls auf, traf Eve an der Schulter und schlug ihr den Stunner aus der Hand. Sie taumelte nach hinten und schrie.

Ein schleimtriefende, knotige Masse, so groß, dass sie den ganzen Innenraum des Schranks einnahm, quoll hervor, die Oberfläche tiefviolett pulsierend und schimmernd. Das Innere des Dings erblühte wie eine Seeanemone, zahllose Tentakel entrollten sich, tasteten, suchten. Ein einzelnes Auge, bernsteinfarben und so groß wie ein Football, öffnete sich in der Mitte der Masse.

Eve taumelte, nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Für einen Moment setzte ihr trainierter Verstand einfach aus, unfähig das, was sie vor sich, als Tatsache zu akzeptieren. "Lauf weg, Eve! Sofort!" Die Stimme in ihrem Kopf drängte, doch es dauerte wertvolle Sekunden, bis sie es schaffte, sich aus der Schockstarre zu lösen und ihren Körper halbwegs unter Kontrolle zu bringen. Blanker Schrecken hatte ihren in einen Eisklumpen verwandelt. Sie fuhr taumelnd herum, wollte fliehen, doch sie stieß mit der Hüfte gegen den Tisch und dann stolperte sie über den Stunner. Der Länge nach und mit ausgestreckten Händen stürzte sie bäuchlings zu Boden. Sie schnappte nach Luft.

Etwas umfasste ihr rechtes Bein und zerrte sie über den Boden. In Panik versuchte sie sich am Tisch festzuhalten, doch ihre Finger glitten an dem glatten Kunststoff ab. Tentakel wickelten sich schlangenartig um ihren Körper, manche dünn wie knochenlose Finger, andere dick wie eine Python. Zappelnd und kurz vor einer weiteren Panikattacke sah sie sich um und entdeckte den Stunner nur ein paar Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt. Für einen kurzen Moment konnte sie ihren linken Arm befreien und griff danach, doch dann wurde sie mit großer Kraft in die Höhe gerissen. Schleimige Fangarme um ihre Arme und Beine hielten sie fest, drehten ihren Körper herum, bis sie direkt vor der Kreatur baumelte, die sie mit kaltem Blick aus dem Zyklopenauge anstarrte. Eve war klar, dass das Monster sie so leicht zerquetschen konnte wie ein Insekt. Einige endlose Herzschläge lang hing sie da und wurde begutachtet wie ein Stück Beute. Und das war sie auch.

"Eve, wehr dich! Du musst dich irgendwie befreien!"

"Viel zu stark". Eve war kaum in der Lage, den Gedanken zu formulieren.

Die Tentakel gerieten wieder in Bewegung. Sie spürte, wie sie über ihren ganzen Körper tasteten, untersuchten, erkundeten. Ein reißendes Geräusch ließ sie für einen Moment fürchten, ihr Herz könnte stehenbleiben., aber dann erkannte sie die Bedeutung. Das Geschöpf hatte begonnen, ihre Kleidung zu zerreißen und in großen Fetzen zu Boden fallen zu lassen. Ihr Schutzanzug war für Belastung in Gefahrenumgebung ausgelegt, doch die Fangarme machten mit dem Material kurzen Prozess. Der Atemfilter wurde ihr aus der Nase gerissen und sie keuchte entsetzt. Was hat die Kreatur vor?

Obwohl ihr bewusst war, dass niemand sie hören konnte, wollte sie schreien, doch da schob sich ein Tentakel blitzartig in ihren Mund. Eve würgte, versuchte den Eindringling mit der Zunge loszuwerden, biss zu, doch das Ding war wie ein dicker, schleimiger Gummischlauch, den sie nicht durchdringen konnte. Der Tentakel begann zu pulsieren. Tränen schossen ihr in die Augen und sie versuchte sich krampfhaft darauf zu konzentrieren, weiter durch die Nase zu atmen.

Die Fangarme, die ihre Beine umfasst hielten, bewegten sich weiter, glitten wie Schlangen über ihren Körper. Eves Augen weiteten sich. Ihre Beine wurden gespreizt und dann spürte sie, wie etwas ihre Schamlippen berührte. Sie zappelte wieder, versuchte sich aus dem Griff der Bestie zu winden, doch ihre Fesseln hätten genauso gut stählerne Ketten sein können.

Sie wimmerte, atmete schnell und schwach, als der knotige Tentakel zwischen ihren Schenkel sich drehte und wand, bog und drückte und dann langsam, aber bestimmt in ihre Vagina eindrang. Eve hörte auf sich zu wehren und schloss die Augen. Der Schrecken hatte sie ebenso im Griff wie die Fangarme und sie wagte nicht, die Kreatur mit ihrem Gezappel zu provozieren, aus Angst davor, was so ein Tentakel in ihrem Körper anrichten konnte. Sie spürte, wie er mit einem feuchten, schleimigen Geräusch immer tiefer eindrang, dann hielt er mit einem Mal inne. Sie atmete flach und schnell. Der Tentakel rutschte ein Stück zurück, ein paar Augenblicke vergingen, dann glitt er wieder hinein. Wieder vergingen ein paar Herzschläge, dann wiederholte sich die Bewegung, und dann noch einmal.

Eve riss die Augen auf. Das Ding glitt in einem langsamen, konstanten Rhythmus in ihrer Vulva ein und aus. Das konnte doch nicht sein! Es musste etwas anderes bedeuten, was hier passierte, machte einfach keinen sein, aber sie konnte nicht verhindern, dass sich der Gedanke in ihrem Kopf formte.

"Es fickt mich..."

"Eve!" Yuki klang in ihrem Kopf voller Sorge und Angst. "Ich kann das nicht glauben!"

"Ich auch nicht. Aber es passiert."

Eve würgte wieder, und dann begann der Tentakel in ihrem Mund die gleiche Bewegung auszuführen wie der zwischen ihren Schenkeln.

"Das ist verrückt!" Yuki war in der Lage, Emotionen in ihre mentale Stimme einzubinden, aber jetzt klang sie, als würde sie von diesen überwältigt.

"Yuki…" Eve wand sich schwach, doch die Aussichtslosigkeit ihrer Lage hielt ihr Bewusstsein umklammert. Und da war noch etwas anderes.

Das Gefühl zwischen ihren Beinen verwandelte zunehmend in Erregung. Sie spürte, wie ihre Brustwarzen sich versteiften, und zu der schleimigen Substanz, angesondert von der Haut der Kreatur, mischte sich jetzt ihre eigene wachsende Feuchtigkeit. Mit jeder Bewegung des Tentakels konnte sie spüren, wie ihre empfindlichsten Stellen stimuliert wurden, so als wüsste die Kreatur ganz genau, worauf sie reagierte. Wie war das möglich?

Eve konnte nicht anders, ihrer Kehle entrang sich ein Stöhnen, während sich ihr Bewusstsein wieder zu vernebeln drohte. Sie rang nach Luft und stöhnte wieder, dann keuchte sie, denn jetzt schob sich ein weiter Tentakel zwischen ihre Pobacken, drängend, fordernd, berührte mit einer kreisenden Bewegung ihren Anus.

Instinktiv versteifte sich ihr Körper, doch die schleimige Spitze wand sich, insistierete, und dann schob sie sich hinein. Eves Stöhnen war diesmal tief und gutural, gedämpft durch den Tentakel in ihrem Mund.

Der Rhythmus der schlangenartigen Gliedmaßen in ihrem Mund und zwischen ihren Schenkeln beschleunigte, ihre Knie zitterten heftig, ohne dass sie etwas dagegen tun konnte. Sie verdrehte die Augen, die Luft schien zu flimmern und sie spürte, dass ihr Bewusstsein abermals zu entgleiten drohte. "Eve, bleib bei mir!" Yukis Stimmt war ein Anker, an dem sie sich festhalten konnte, der ihr half, wach zu bleiben, während die Tentakel unablässig in ihr pumpten.

Der Orgasmus durchströmte sie wie ein elektrischer Schock. Sie drückte den Rücken durch, wimmerte, sog die Luft durch die Nase ein wie ein Ertrinkender, der gerade noch einmal die Oberfläche des unerbittlichen Meeres durchbrochen hatte. Und dann kam irgendwie auch die Kreatur, als hätte sie nur auf diesen Moment gewartet, pumpte ein heiße, dickflüssige Substanz in sie hinein, ein Schwall nach dem anderen. Kurz wehrte sie sich dagegen, versuchte ihren Kopf zurück zu ziehen, doch blieb ihr keine Wahl, wenn sie nicht ersticken wollte. Sie schluckte und schluckte, bis der Tentakel in ihrem Mund sich plötzlich zurückzog, in dem ein süßlicher Geschmack zublieb. Die Fangarme ließen sie zu Boden gleiten, auch der in ihrer Vagina zog sich zurück. Sie sackte zu Boden und blieb in einer Pfütze aus dem liegen, was nach allem, was wusste, außerirdisches Sperma war, sog tief die Luft in ihre unterversorgten Lungen. Sie hustete.

"Eve? Hörst du mich?"

Eve wälzte sich erschöpft auf den Rücken, den Blick durch halbgeschlossene Augen auf die Kreatur gerichtet, die nur da hockte, während sich die Fangarme bewegten, als würden sie durch eine Meeresströmung tauchen. Sie zwang sich, den Gedanken zu formulieren. "Höre dich."

"Der Stunner, Eve. Er muss in der Nähe liegen!"

Eve drehte den Kopf und tatsächlich, da lag die Waffe. Sie dachte nicht lange nach. Mit angezogenen Armen rollte sie halb herum, bekam die Waffe zu fassen, beendete die Drehung und hob den Stunner. Zielen war nicht notwendig, das Ding war groß und befand sich direkt vor ihr. Ein hohes Summen, begleitet von einem Zischen wie von einem Wasserkessel, erfüllte den Raum, als sie abdrückte. Sie wartete nicht ab, um zu sehen, ob ihr Angriff erfolgreich war, sondern zwang sich auf die Beine und warf sich dann mit aller Kraft gegen die nächstbeste Tür, die tatsächlich ohne Widerstand aufsprang.

Eve taumelte hindurch und blieb erschrocken stehen. Sie befand ich draußen, außerhalb der Räume der Station und in den Zwischenbereichen der Korridore. Der Boden unter ihren jetzt nackten Füßen fühlte sich an wie Moos, schimmerte jedoch weiß im gleichförmigen Licht von Andhaka. Sie fuhr herum, wollte einen anderen Weg suchen, doch die Tentakel der Kreatur wanden sich bereits um die äußeren Ränder des Durchgangs. Eve warf sich auf den Boden, kroch mit wiederkehrender Panik unter einem Gangmodul hindurch, dass die Zentrale mit dem Nachbargebäude verband, krabbelte auf allen vieren zum nächsten und robbte dann vorwärts, bis die Station hinter sich gelassen hatte. Mit einer Hand an einer Wand abgestützt, kam sie auf die Beine. Ein kalter Schrecken durchfuhr sie und sie schlug die Hand über ihren Mund. Der Atemfilter! "Yuki, ich muss wieder rein!"

Sie eilte an der Außenwand entlang, auf der Suche nach einem Eingang, der möglichst weit von der Zentrale und der furchteinflößenden Kreatur entfernt war.

"Eve, warte!" Yukis Stimme erklang in ihrem Kopf und gleichzeitig blendete die KI Daten in ihrem Sichtfeld ein.

"Kann nicht, muss mich beeilen!" Eve atmete ganz flach. Die Atmosphäre konnte sie für eine Weile am Leben erhalten, enthielt aber Gase, die sie nicht dauerhaft einatmen durfte.

"Nein, warte! Eve!" Yukis Stimme klang drängend.

"Was ist denn? Ich habe keine Zeit!"

"Doch, hast du. Die Atmosphäre ist in Ordnung, du kannst atmen. Schau auf die Werte."

Eve konzentrierte sich auf die Daten, die Yuki eingeblendet hatte. Sie runzelte die Stirn. "Das kann nicht sein."

"Ist aber so."

Die Atmosphäre war frei von Giftstoffen, besaß quasi die Idealzusammensetzung für menschliche Verhältnisse.

Irgendwo krachte etwas, der sonderbare Geruch, den sie in der Zentrale wargenommen hatte, lag wieder in der Luft.

"Verdammt!" Eve sah sich um, atmete tief durch und dann rannte sie in den Wald.
 
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