Nur, um ein Positiv-Beispiel zu bringen:
Eine Bekannte meiner Mutter hatte in der Schwangerschaft Contergan genommen (halt damals in dieser großen Affaire).
Ist jetzt nicht so, dass sie irgendwie die Wahl hatte oder wusste, was kommt, aber dennoch.
Ihr Sohn hat die schwerste Form von Contergan abbekommen, er hat nähmlich keine Arme und keine Beine (Hände und Füße wachsen sprichwörtlich aus seinem Torso heraus). Er kann nicht laufen, nur rollen. Er kann Dinge zwar fassen, aber nicht zum Kopf führen oder sowas wie "sich den Hintern abputzen" machen.
Man rechne mal hoch, was das
a) an Zeit
b) an Geld
c) an psychischem Schaden
für jene Mutter dadurch verursacht wird.
Zu a)
Er ist mittlerweile über 40, wohnt aber noch bei ihr und wird wohl auch bis zu ihrem Tod bei ihr wohnen, ehe er in ein Pflegeheim kommt. Er braucht zwar keine Vollzeitbeschäftigung, da er nen PC mit Spezialtastatur hat für seine verkrüppelten Hände, aber für alles Andere, selbst fürs Essen braucht er Hilfe.
Zu b)
Die gesamte Wohnung ist umgebaut. Er hat einen Minilift, der ihn ins Bett bringt, auch das Bett lässt sich elektronisch höher stellen. Alle Türen haben zwei Klinken, eine normale und eine etwa 30-40cm überm Boden. Er hat sein eigenes, sehr tiefes Waschbecken. Er hat eine Art Rolltreppe zur Toilette mit Sender für die Spülung, ebenfalls spritzt die Toilette ihn ab, da er sich halt nicht mit Toilettenpapier helfen kann. Vom Balkon aus ist ein Rollstuhllift vorhanden. Er besitzt zwei Rollstühle, einen elektronischen, wenn er in der Gegend bleibt und einen einfachen, wenn er mit seiner Mutter wegfährt. Sein Computer ist halt speziell, da er für alles Elektronische eine Art Universalschalter zum Ausschalten hat, ebenso eine Spezialtastatur und eine Spezialmaus.
Zu c)
Seine Mutter ist alleinerziehend, da Vater gestorben, als der Mann 4 war. Sie verlässt wegen ihm kaum das Haus, arbeitet nur halbtags und lebt vorrangig von dem Witwen- bzw Waisengeld. Viele Freizeitaktivitäten sind nicht drin. In den über 40 Jahren die ihr Sohn jetzt lebt, war sie nur zweimal in Urlaub, beide Male kümmerte sich eine Freundin zwei Wochen um ihren Sohn. Auf gut deutsch: Durch die Behinderung ihres Sohnes vereinsamt sie, kommt nicht raus, kann keine Hobbys oder Kontakte finden und oben drauf wird sie von denen, die sie mal trifft, meist nur bemitleidet.
Klingt alles extrem schlimm, sie aber boxt sich da ganz fleißig durch und als ich mit beiden mal auf einem Weihnachtsmarkt war, hatte sie auch gesagt, dass sie trotz allem froh ist, dass er wenigstens geistig gesund ist und im Behindertenwerk (er geht da einmal die Woche zum "Arbeiten" hin) auch Freunde hat.
Das ist schlicht so, weil sie psychisch in der Lage ist, so eine Situation auszuhalten und durchzustehen.
Diese Fähigkeit haben aber nunmal nicht alle.
Wer also NICHT in der Lage ist, der würde zusätzlich zu sich selbst auch dem Kind schaden (es vernachlässigen, es hassen, evtl. sogar töten, etc). Und bei solchen Leuten habe ich absolut nichts dagegen, wenn sie es abtreiben. Dann ist es eindeutig schließlich auch zum Besten des Kindes. Denn schon gesunde Kinder werden kaum vermittelt durch die harten Adoptionsgesetze in Deutschland, für mitunter schwer behinderte Kinder sehe ich da völlig schwarz.
Dann lieber Eltern und Kind Leid ersparen und es beenden.