[Diskussion] Abtreibung bei Behinderung?

Würdet ihr bei einer Schwangerschaft mit gesicherter Behinderung bei dem Kind abtreiben?

  • Auf jeden Fall!

    Stimmen: 22 28,9%
  • Würde ich von Fall zu Fall unterscheiden.

    Stimmen: 35 46,1%
  • Nein, abtreiben ist verwerflich.

    Stimmen: 9 11,8%
  • Ich werde niemals Kinder kriegen.

    Stimmen: 10 13,2%

  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    76

Terry_Gorga

Der Eine, der Viele ist
Otaku Veteran
So, jetzt mal ein kontroverses und ethisch problematisches Thema:

Wenn ihr wüsstest, dass das Kind, dass ihr gezeugt habt (bzw. bei den weiblichen Nutzern das Kind, das ihr gebären werdet) mit einer Behinderung zur Welt kommen wird, wie würdet ihr damit umgehen? Wäre eine Abtreibung dann für euch Thema? Würdet ihr unterscheiden zwischen "leichter" Behinderung und "schwerer" Behinderung? Also, um Beispiele zu nennen "Down-Syndrom" als "leichte" Behinderung und Glasknochen als "schwere"? Oder würdet ihr in jedem Fall das neu entstehende Leben erhalten?

Bin mal gespannt über die Antworten und die entstehende Diskussion.
 

Ikki Tousen

Otakuholic
Otaku Veteran
ich werde nie kinder kriegen wenn es nach mir geht.
aber wenn würde ich meine frau/freundin das kind mmit behinderung abzutreiben.
 

Aeon525

He who doesn't care
Otaku Veteran
Das ist eine schwere Frage...
Ich würde von Fall zu Fall unterscheiden.
Denn Kinder mit schwerer Behinderung sind eine enorme Belastung für die Eltern und können (vor allem junge Eltern) schnell überfordern.
Womit ich aber ganz bestimmt nicht sagen will das man jedes Kind mit Anzeichen einer Behinderung abtreiben soll nur um weniger "Mühe" zu haben.
Es geht darum dass manche Eltern soetwas sowohl geistig als auch körperlich nicht verkraften, nicht mit der Situation zurecht kommen. Dadurch leidet die gesamte Familie. Es kommt zu Psychosen, enormen Stress etc.
Zudem ist die Frage ob stark behinderte Kinder überhaupt ein angenehmes Leben führen können oder nur schmerzvoll dahinvegetieren weil niemand mit der Situation zurechtkommt.
Schwere Behinderungen oder Erbkrankheiten sind eigentlichder einzige Grund bei dem eine Abtreibung gerechtfertigt ist.
 

1st_Kaiser

Ungläubiger
Von Fall zu Fall anders, aber bei Unsicherheit kann eine Abtreibung nicht verkehrt sein

Ich kann Aeon525 nur zustimmen,

ich wollte einen ähnlichen Beitrag schreiben, von wegen ein lebenswertes Leben soll erhalten werden, aber
ein Leben welches von vornherein zu einem körperlich und/oder seelisch (für alle beteiligen) unzumutbaren
Leben verurteilt ist, ist es, so krass es sich anhört, nicht Wert erhalten zu werden.

Solange das Abtreiben noch möglich ist und man selbst bedenken über den erhalt der Schwangerschaft hat und
auch von Ärzten u.a. für diese Entscheidung wichtigen Personen, bestätigt wird das, dass Kind eine Behinderung
haben wird, kann eine Abtreibung keine falsche Entscheidung sein.

Klar heißt eine ärztliche Leitlinie sowas wie: 'Alles für das Leben' (oder so), aber doch nicht wenn ein anderes
Leben, bzw. eine andere Gesundheit (körperlich, seelisch & psychisch) darunter leidet.
 

MangaEngel

archeolügenialkohöllisches Chaosvieh
VIP
Da sollte man schon nach zwei Dingen gehen:
1)
Ist man selbst wirklich in der Lgae, so ein Kind aufzuziehen?
Manche Behinderungen erfordern nunmal durchgehend Aufmerksamkeit, das Kind ist selbst mit 40 nicht selbstständig und evtl. kommen auch massive Kosten. Nicht zu reden von der psychischen Belastung, die so ein Kind sein kann.

2)
Würde das Kind großes Leid durchmachen?
Ich hatte z.B. einen Jungen in meiner Grundschulklasse, der Glasknochen hatte. Er war insgesamt vermutlich nichtmal ein Jahr anwesend in den sechs Jahren. Er war einmal nach einem Straßenfest nur kurz umgeknickt und deshalb gefallen. Arme und Beine waren sofort zig Mal gebrochen. Und er ist - wie sein großer Bruder schon damals - mittlerweile völlig verkrüppelt und sitzt nur noch im Rollstuhl.
Auch andere Behinderungen (z.B. Herzprobleme) sind für das Kind selbst wahrlich nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Aber ja, ich stimme zu, dass eine leichte Behinderung eigentlich kein Grund sein sollte. Höchstens, wenn die Eltern selbst psychisch oder körplich aus welchen Gründen auch immer absolut nicht in der Verfassung sind, sich etwas mehr bzw länger mit ihrem Kind zu befassen.
 

Argento84

Novize
heikles thema! Aber wenn das Kind unter der Behinderung leiden würde, sprich schmerzen o.a. würde ich es meiner Freundin vorschlagen. Aber die letzte entscheidung trifft die Frau, auch wenn der Mann es möchte. Wenn die Frau nein sagt is es halt nein.
 

Xy.

Gläubiger
Seh ich ähnlich wie Aeon.

Ich hab schon einiges erlebt und gehört, vor allem durch meinen Zivildienst bei einer Behindertenschule und den dazugehörigen Seminaren. Am Anfang hatte ich mit vielen Kindern ziemliches Mitleid, würd ich mal so sagen. Da kam so der ein oder andere Gedanke, warum man die, die es schwer haben, nicht von ihrem Leid erlöst. Aber da ich einen immer stärkeren Kontakt zu ihnen hatte und ein gewisses "Band" zwischen uns entstand, hab ich mich nach kurzer Zeit für den vorher genannten Gedanken richtig schlecht gefühlt. Ich finde, man sollte jedem das Leben gönnen, der die Chance dazu hat.

Es ist natürlich (wie gesagt) schwer für die Eltern, aber bei dem kann ich nicht sonderlich viel sagen, da bezweifle, jemals Kinder zu bekommen um über sowas nachzudenken, geschweige denn Erfahrungen damit habe. Sollte mich vllt. mal mit den Eltern unterhalten, wenn ich die Möglichkeit dazu hab.

Dennoch gibts aus meiner Sicht ein paar Fälle, bei denen ich sage, dass man das Kind von den Schmerzen befreien sollte. So Sachen, wie blind + taubstumm, ohne die Fähigkeit, sich bewegen zu können oder extrem starke psychische Behinderung, sodass man zu fast garnichts fähig ist und Ähnliches. Wenn ich vorher schon wüsste, wie schwer es ausfallen wird, würde ich eine Abtreibung auf jeden Fall in Betracht ziehen... aber sowas schon vorher zu wissen ist ne andere Sache.

Heut früh war der Server tot, sodass ichs nicht abschicken konnte. Wurde einiges schon etwas ähnlich beschrieben.
 

nihilizt

Otakuholic
Otaku Veteran
sehe es genau so mit mangaengel. sollte man auch von fall zu fall betrachten, gerade wenn die eltern net so stabil sind um mit solch heftigen bespielen, wie sie anführte, umzugehen...
 

Ironhide

Na hast du Angst Kleiner?
VIP
Viel kann man dazu nicht mehr groß sagen, MangaEngel hast schon ganz gutgetroffen.
Es ist halt für jeden eine Ansichtsache. Selbst zu sagen, das bei schwerweigenden Behinderungen eine Abtreibung ratsam wäre, ist dennoch immer den Eltern überlassen, so eine Entscheidung zu treffen und ich wüsste nicht, ob ich das könnte.
 

MangaEngel

archeolügenialkohöllisches Chaosvieh
VIP
Nur, um ein Positiv-Beispiel zu bringen:

Eine Bekannte meiner Mutter hatte in der Schwangerschaft Contergan genommen (halt damals in dieser großen Affaire).
Ist jetzt nicht so, dass sie irgendwie die Wahl hatte oder wusste, was kommt, aber dennoch.
Ihr Sohn hat die schwerste Form von Contergan abbekommen, er hat nähmlich keine Arme und keine Beine (Hände und Füße wachsen sprichwörtlich aus seinem Torso heraus). Er kann nicht laufen, nur rollen. Er kann Dinge zwar fassen, aber nicht zum Kopf führen oder sowas wie "sich den Hintern abputzen" machen.

Man rechne mal hoch, was das
a) an Zeit
b) an Geld
c) an psychischem Schaden
für jene Mutter dadurch verursacht wird.

Zu a)
Er ist mittlerweile über 40, wohnt aber noch bei ihr und wird wohl auch bis zu ihrem Tod bei ihr wohnen, ehe er in ein Pflegeheim kommt. Er braucht zwar keine Vollzeitbeschäftigung, da er nen PC mit Spezialtastatur hat für seine verkrüppelten Hände, aber für alles Andere, selbst fürs Essen braucht er Hilfe.
Zu b)
Die gesamte Wohnung ist umgebaut. Er hat einen Minilift, der ihn ins Bett bringt, auch das Bett lässt sich elektronisch höher stellen. Alle Türen haben zwei Klinken, eine normale und eine etwa 30-40cm überm Boden. Er hat sein eigenes, sehr tiefes Waschbecken. Er hat eine Art Rolltreppe zur Toilette mit Sender für die Spülung, ebenfalls spritzt die Toilette ihn ab, da er sich halt nicht mit Toilettenpapier helfen kann. Vom Balkon aus ist ein Rollstuhllift vorhanden. Er besitzt zwei Rollstühle, einen elektronischen, wenn er in der Gegend bleibt und einen einfachen, wenn er mit seiner Mutter wegfährt. Sein Computer ist halt speziell, da er für alles Elektronische eine Art Universalschalter zum Ausschalten hat, ebenso eine Spezialtastatur und eine Spezialmaus.
Zu c)
Seine Mutter ist alleinerziehend, da Vater gestorben, als der Mann 4 war. Sie verlässt wegen ihm kaum das Haus, arbeitet nur halbtags und lebt vorrangig von dem Witwen- bzw Waisengeld. Viele Freizeitaktivitäten sind nicht drin. In den über 40 Jahren die ihr Sohn jetzt lebt, war sie nur zweimal in Urlaub, beide Male kümmerte sich eine Freundin zwei Wochen um ihren Sohn. Auf gut deutsch: Durch die Behinderung ihres Sohnes vereinsamt sie, kommt nicht raus, kann keine Hobbys oder Kontakte finden und oben drauf wird sie von denen, die sie mal trifft, meist nur bemitleidet.

Klingt alles extrem schlimm, sie aber boxt sich da ganz fleißig durch und als ich mit beiden mal auf einem Weihnachtsmarkt war, hatte sie auch gesagt, dass sie trotz allem froh ist, dass er wenigstens geistig gesund ist und im Behindertenwerk (er geht da einmal die Woche zum "Arbeiten" hin) auch Freunde hat.
Das ist schlicht so, weil sie psychisch in der Lage ist, so eine Situation auszuhalten und durchzustehen.
Diese Fähigkeit haben aber nunmal nicht alle.
Wer also NICHT in der Lage ist, der würde zusätzlich zu sich selbst auch dem Kind schaden (es vernachlässigen, es hassen, evtl. sogar töten, etc). Und bei solchen Leuten habe ich absolut nichts dagegen, wenn sie es abtreiben. Dann ist es eindeutig schließlich auch zum Besten des Kindes. Denn schon gesunde Kinder werden kaum vermittelt durch die harten Adoptionsgesetze in Deutschland, für mitunter schwer behinderte Kinder sehe ich da völlig schwarz.
Dann lieber Eltern und Kind Leid ersparen und es beenden.
 

Ironhide

Na hast du Angst Kleiner?
VIP
Der Contergan-Skandal ist eigentlich sogar ein sehr gutes Beispiel, wo sicherlich so einge vor genau diese Entscheidungen gestellt wurden.
 

Lilliandil

Zerschmetterling
Otaku Veteran
Also wenn es in den ersten 3 Monaten diagnostiziert werden kann, in denen man auch so normal Abtreiben "darf" dann würde ich es schon machen wenn die Behinderung doch schlimm wäre.
nach den ersten 3 Monaten würde ich kein Kind mehr abtreiben wollen.
 

XRight

That's right... or not?
Also rein logisch und theoretisch betrachtet würde ich die Abtreibung wählen.

Allerdings ist das objektiv betrachtet, wenn der Fall eintreten würde und ich zusammen
mit meiner Freundin vor dieser Entscheidung stehen würde, kann ich ganz ehrlich gesagt
nicht dafür garantieren, dass diese genauso aussehen würde.
 

Tauroth

Ungläubiger
Also rational gesehn ist es bei einer schweren behinderung besser abzutreiben, da das kind alleine nicht überlebensfähig ist und es selber darunter leidet und die eltern auch. ich finde aber, dass eine abtreibung eigentlich menschenrechts verletzend ist, da man über das leben eines menschen entscheidet und sein recht auf leben wegnimmt. und da liegt das problem, jeder muss selbst entscheiden, ob er eine solche "bürde" der abtreibung verkraften kann, oder das kind bekommt und ein leben lang pflegen muss.
 
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