In der Pubertät fängt alles mögliche an. Da gibts keinen echten zusammenhang, ich frag mich ja echt welcher Tropf das überhaupt in die Welt gesetzt hat. Wahrscheinlich kommt diese These irgendwo aus dem Prüden Amerika.
Vor dem 18. Jahrhundert war Selbstbefriedigung nie ein großes Thema. Im antiken Griechenland wurde Selbstbefriedigung nicht als schädlich angesehen, sondern nur als erbärmlich. Nur wer keine Frau und keine Sklavinnen hatte, musste sich selbstbefriedigen. Man hat darüber gelacht.
Später haben christliche Mönche das Thema hin und wieder aufgegriffen, aber ihnen ging es eher um die Verschwendung von Samen, insbesondere beim
coitus interruptus als Methode der Empfängnisverhütung.
Die öffentliche Diskussion über die Schädlichkeit der Selbstbefriedigung begann in
Großbritannien, Anfang des 18. Jahrhunderts (ungefähr 1710). Ein anonymer Autor hat ein Pamphlet mit dem Titel
"Onania, or the Heinous Sin of self-Pollution, And All Its Frightful Consequences, In Both Sexes, Considered: With Spiritual and Physical Advice To Those Who Have Already Injured Themselves By This Abominable Practice." verfasst. Es gab vorher schon einige Autoren, die die Idee vertraten, dass Selbstbefriedigung schädlich für Körper und Geist ist (insbesondere Tissot), aber die "Onania", wie das Pamphlet kurz genannt wurde, hat das Thema an die Öffentlichkeit gebracht und die ganze Diskussion für die folgenden zweihundert Jahre (bis ins frühe 20. Jahrhundert) geprägt.
Die Onania stellt fest, dass Selbstbefriedigung weit verbreitet ist und behauptet, dass sie körperlichen, geistigen und moralischen Verfall bewirkt. Sie wurde mit verschiedenen Krankheiten in Verbindung gebracht:
Disturbances of the stomach and digestion, loss of appetite or ravenous hunger, vomiting, nausea, weakening of the organs of breathing, coughing, hoarseness, paralysis, weakening of the organ of generation to the point of impotence, lack of libido, back pain, disorders of the eye and ear, total diminution of bodily powers, paleness, thinness, pimples on the face, decline of intellectual powers, loss of memory, attacks of rage, madness, idiocy, epilepsy, fever and finally suicide.
Die Leute hatten Angst und sprangen darauf an. Die Onania wurde in immer neuen Auflagen gedruckt und andere Autoren begannen, über die Gefahren der Selbstbefriedigung zu schreiben. Besonders beliebt waren die schlüpfrigen Erfahrungsberichte von "Opfern" der Selbstbefriedigung. Es gab etliche pseudowissenschaftliche Veröffentlichungen, in denen die Schädlichkeit der Selbstbefriedigung nachgewiesen werden sollte. Viele Quacksalber griffen das Thema auf und boten Medikamente an, die von der Selbstbefriedigung und der gefährlichen Lust heilen sollten.
Anfang des 20. Jahrhunderts verebbte die Diskussion. Die Medizin war so weit entwickelt, dass man die Ursachen und Auslöser vieler Krankheiten benennen konnte, die zuvor der Selbstbefriedigung zugeschrieben wurden.
Kann man nachlesen in
"Die einsame Lust: Eine Kulturgeschichte der Selbstbefriedigung" von Thomas W. Laqueur. Kann ich nur empfehlen.