KAPITEL 1 - DIE ERSTEN SCHRITTE
Der allererste Horrofilm ist steinalt, wortwörtlich. Wir müssen zurück reisen bis ans Ende des 19ten Jahrhunderts. 1895 erschien "The Execution of Mary Stuart". Hier könnt ihr euch einen Anblick des Machwerkes verschaffen:
Danach war es lange Zeit still, genau bis 1910. Dort versuchten sich die Edison Studios an einer Umsetzung von Mary Shellys Frankenstein. Hier zu sehen:
Doch der Horrorfilm war eine Nebenerscheinung. 1914 begann der erste Weltkrieg und zog eine andere Art von Gewalt mit sich. Er veränderte das Weltbild maßgeblich und andere Dinge waren wichtiger geworden als das noch in den Kinderschuhen steckende Kino. So vergingen 12 Jahre bis der Horror die Kinoleinwand erobern durfte und dort auch etablieren durfte.
KAPITEL 2 - DEUTSCHE PIONIERARBEIT UND EIN AMERIKANISCHES REMAKE
Und wer hat es erfunden? Die Deutschen! Kein Hollywood Blockbuster, wobei es den Begriff damals auch gar nicht gab, sondern ein Deutscher holte auf Grundlage der Geschichte Bram Stokers Dracula auf die Leinwände. Der Mann der dies tat war Friedrich Wilhelm Murnau. Aufgrund von rechtlichen Schwierigkeiten, orientierte er sich nur an der Original Geschichte. Änderte den Rest aber soweit um, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten.
Die düstere Atmosphäre des Films, der geniale Hauptdarsteller Max Schreck und die Intensität der Bilder verhalfen dem Film in den folgenden Jahrzehnten den Ruf eines Kultklassikers. Und er war es auch der den Horrorfilm etablierte. Nosferatu, wie der Film hieß, sollte der Inbegriff für das sein was noch kommen sollte.
Viele Filme beschäftigten sich mit einem eher realeren Grauen. Kriegsopfer, Penner, Freaks oder Außenseiter wurden oft thematisiert. Aber es waren mehr Dramen und vielen nicht direkt in die Horror Ecke. Obwohl es erst mit Nosferatu eine klare Definition dessen gab. Vorher war es nicht so offensichtlich was in die Sparte gehörte. Dieses reale Grauen hielt sich und zeigte den Menschen einen Spiegel, doch der Horrorfilm war noch lange nicht so weit als das er sich mit diesem Thema beschäftigen würde. Sozialkritik gehörte woanders hin.
Doch gehen wir noch ein wenig zurück. 7 Jahre um genau zu sein. 1 Jahr war der Weltkrieg im Gang. Das Deutsche Reich brauchte Unterhaltung um von den Schrecken des Krieges ferngehalten zu werden. So nahm sich der Regisseur Ernst Mártay der Verfilmung des Phantoms der Oper an. 1915 startete er in Österreich. 1916 erschien er als Das Gespenst im Opernhaus, nachdem er die deutschen Zensurdurchläufe hinter sich hatte und ein Jugendverbot erteilt bekam. Dieses Kunstwerk gilt allgemeinhin als verschollen.
Gehen wir nochmal 5 Jahre nach vorne ins Jahr 1920 wo Deutschland 2 weitere Horrorfilme im Kino etablierte. Das war zum einen Das Cabinet des Dr. Caligari und zum anderen Der Golem, wie er in die Welt kam. Diese beiden Filme brachten die grundlegenden Elemente ein, die 2 Jahre später von Nosferatu perfektioniert wurden. Eine immense Bildgewalt, bereichert von einer beklemmenden Atmosphäre und die in sich geschlossene logische Geschichte.
Doch was kam nach 1922? Da traten erstmal die USA's an im Horrorsektor. Man hatte gemerkt das die deutschen Filme viel Anklang fanden. Und ironischerweise bedienten sich die Amerikaner an einem Stoff, der bereits 1915 in Deutschland für Furore sorgte: Das Phantom der Oper. Das Amerika allerdings über ganz andere Mittel verfügt als das vom Weltkrieg geknechtete Deutschland wurde schnell deutlich.
Lon Chaney, der Mann der 1000 Gesichter, übernahm die Hauptrolle. Sprich, er spielte das Phantom. Der Mann galt damals als die Nummer 1 der amerikanischen Schaupspieler. Und bereits 1923 hatte er den Glöckner von Notre Dame verkörpert. Er hatte also Erfahrung im Spielen von tragischen Figuren. Aber der Mann konnte so gut wie alles spielen, er war ein Multi Talent.
Das Remake des 1915er Films Das Gespenst im Opernhaus etablierte den Horrorfilm nun auch endgültig in Amerika. The Phantom of the Opera wurde ein gewaltiger Erfolg. Der Horrorfilm befand sich im Aufstieg, aber es sollte noch ein wenig dauern bis der endgültige Durchbruch kam.
KAPITEL 3 - EIN ZWISCHENWEG
Fassen wir zusammen was wir bisher gelesen haben. Die Deutschen etablierten den Horrorfilm gerade während der Stummfilm Ära. Die gezeigten Filme sind heutzutage allesamt unsterbliche Klassiker und kaum noch in ihrer ursprünglichen Fassung zu bekommen. Vieles ging im Laufe der Jahrzehnte verloren. Die Stummfilm Ära näherte sich Anfang der 30er ihrem Ende. Tonfilme überflügelten bald den Stummfilm, der allerdings immer noch existierte. Außerdem etablierte sich das Kino nach und nach zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt. Wo vorher das Theater oder die Oper vielgefragt waren, machte sich jetzt langsam das Kino breit.
Die Amerikaner haben das deutsche Konzept aufgegriffen und mit The Phantom of the Opera 1925 nahezu 1:1 kopiert. Und der Film löste etwas aus. Mittlerweile etablierten sich in Hollywood einzelne Studios die sich mit der Produktion von Filmen beschäftigten. Und eines davon war Universal. Und Universal erkannte das Potenial im Horrorfilm. Und man hatte immerhin einen breiten Fundus auf den man, wenn man genügend Geld investierte, zurückgreifen konnte. Dracula und Frankenstein waren früher schon verfilmt worden. Doch das sollte nicht stören, ein gutes Remake kann auch funktionieren. The Phantom of the Opera hat es bewiesen.
Und dann gab es da noch die Inspiration von anderen Literatur Schreibern. Der Werwolf, der Unsichtbare oder wie wäre mit einer Mumie? Universal hatte ein Studio voller Ideen und sie hatte Schauspieler an der Hand, die sich als Legenden des frühen Horrorfilms etablierten sollten. Mit Universal änderte sich alles. Doch dazu mehr im nächsten Kapitel.
Der allererste Horrofilm ist steinalt, wortwörtlich. Wir müssen zurück reisen bis ans Ende des 19ten Jahrhunderts. 1895 erschien "The Execution of Mary Stuart". Hier könnt ihr euch einen Anblick des Machwerkes verschaffen:
Danach war es lange Zeit still, genau bis 1910. Dort versuchten sich die Edison Studios an einer Umsetzung von Mary Shellys Frankenstein. Hier zu sehen:
Doch der Horrorfilm war eine Nebenerscheinung. 1914 begann der erste Weltkrieg und zog eine andere Art von Gewalt mit sich. Er veränderte das Weltbild maßgeblich und andere Dinge waren wichtiger geworden als das noch in den Kinderschuhen steckende Kino. So vergingen 12 Jahre bis der Horror die Kinoleinwand erobern durfte und dort auch etablieren durfte.
KAPITEL 2 - DEUTSCHE PIONIERARBEIT UND EIN AMERIKANISCHES REMAKE
Und wer hat es erfunden? Die Deutschen! Kein Hollywood Blockbuster, wobei es den Begriff damals auch gar nicht gab, sondern ein Deutscher holte auf Grundlage der Geschichte Bram Stokers Dracula auf die Leinwände. Der Mann der dies tat war Friedrich Wilhelm Murnau. Aufgrund von rechtlichen Schwierigkeiten, orientierte er sich nur an der Original Geschichte. Änderte den Rest aber soweit um, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten.
Die düstere Atmosphäre des Films, der geniale Hauptdarsteller Max Schreck und die Intensität der Bilder verhalfen dem Film in den folgenden Jahrzehnten den Ruf eines Kultklassikers. Und er war es auch der den Horrorfilm etablierte. Nosferatu, wie der Film hieß, sollte der Inbegriff für das sein was noch kommen sollte.
Viele Filme beschäftigten sich mit einem eher realeren Grauen. Kriegsopfer, Penner, Freaks oder Außenseiter wurden oft thematisiert. Aber es waren mehr Dramen und vielen nicht direkt in die Horror Ecke. Obwohl es erst mit Nosferatu eine klare Definition dessen gab. Vorher war es nicht so offensichtlich was in die Sparte gehörte. Dieses reale Grauen hielt sich und zeigte den Menschen einen Spiegel, doch der Horrorfilm war noch lange nicht so weit als das er sich mit diesem Thema beschäftigen würde. Sozialkritik gehörte woanders hin.
Doch gehen wir noch ein wenig zurück. 7 Jahre um genau zu sein. 1 Jahr war der Weltkrieg im Gang. Das Deutsche Reich brauchte Unterhaltung um von den Schrecken des Krieges ferngehalten zu werden. So nahm sich der Regisseur Ernst Mártay der Verfilmung des Phantoms der Oper an. 1915 startete er in Österreich. 1916 erschien er als Das Gespenst im Opernhaus, nachdem er die deutschen Zensurdurchläufe hinter sich hatte und ein Jugendverbot erteilt bekam. Dieses Kunstwerk gilt allgemeinhin als verschollen.
Gehen wir nochmal 5 Jahre nach vorne ins Jahr 1920 wo Deutschland 2 weitere Horrorfilme im Kino etablierte. Das war zum einen Das Cabinet des Dr. Caligari und zum anderen Der Golem, wie er in die Welt kam. Diese beiden Filme brachten die grundlegenden Elemente ein, die 2 Jahre später von Nosferatu perfektioniert wurden. Eine immense Bildgewalt, bereichert von einer beklemmenden Atmosphäre und die in sich geschlossene logische Geschichte.
Doch was kam nach 1922? Da traten erstmal die USA's an im Horrorsektor. Man hatte gemerkt das die deutschen Filme viel Anklang fanden. Und ironischerweise bedienten sich die Amerikaner an einem Stoff, der bereits 1915 in Deutschland für Furore sorgte: Das Phantom der Oper. Das Amerika allerdings über ganz andere Mittel verfügt als das vom Weltkrieg geknechtete Deutschland wurde schnell deutlich.
Lon Chaney, der Mann der 1000 Gesichter, übernahm die Hauptrolle. Sprich, er spielte das Phantom. Der Mann galt damals als die Nummer 1 der amerikanischen Schaupspieler. Und bereits 1923 hatte er den Glöckner von Notre Dame verkörpert. Er hatte also Erfahrung im Spielen von tragischen Figuren. Aber der Mann konnte so gut wie alles spielen, er war ein Multi Talent.
Das Remake des 1915er Films Das Gespenst im Opernhaus etablierte den Horrorfilm nun auch endgültig in Amerika. The Phantom of the Opera wurde ein gewaltiger Erfolg. Der Horrorfilm befand sich im Aufstieg, aber es sollte noch ein wenig dauern bis der endgültige Durchbruch kam.
KAPITEL 3 - EIN ZWISCHENWEG
Fassen wir zusammen was wir bisher gelesen haben. Die Deutschen etablierten den Horrorfilm gerade während der Stummfilm Ära. Die gezeigten Filme sind heutzutage allesamt unsterbliche Klassiker und kaum noch in ihrer ursprünglichen Fassung zu bekommen. Vieles ging im Laufe der Jahrzehnte verloren. Die Stummfilm Ära näherte sich Anfang der 30er ihrem Ende. Tonfilme überflügelten bald den Stummfilm, der allerdings immer noch existierte. Außerdem etablierte sich das Kino nach und nach zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt. Wo vorher das Theater oder die Oper vielgefragt waren, machte sich jetzt langsam das Kino breit.
Die Amerikaner haben das deutsche Konzept aufgegriffen und mit The Phantom of the Opera 1925 nahezu 1:1 kopiert. Und der Film löste etwas aus. Mittlerweile etablierten sich in Hollywood einzelne Studios die sich mit der Produktion von Filmen beschäftigten. Und eines davon war Universal. Und Universal erkannte das Potenial im Horrorfilm. Und man hatte immerhin einen breiten Fundus auf den man, wenn man genügend Geld investierte, zurückgreifen konnte. Dracula und Frankenstein waren früher schon verfilmt worden. Doch das sollte nicht stören, ein gutes Remake kann auch funktionieren. The Phantom of the Opera hat es bewiesen.
Und dann gab es da noch die Inspiration von anderen Literatur Schreibern. Der Werwolf, der Unsichtbare oder wie wäre mit einer Mumie? Universal hatte ein Studio voller Ideen und sie hatte Schauspieler an der Hand, die sich als Legenden des frühen Horrorfilms etablierten sollten. Mit Universal änderte sich alles. Doch dazu mehr im nächsten Kapitel.
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