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[Biete] Hier hab ich mal einen kleinen Versuch einer Story: Nur der Regen sieht uns weinen

Kikki88

Ordenspriester
Autor/in und Ideen​
Kikki88
Kleine Änderungen und Inhaltliche Anregungen von SetoKaibaSK

Diskussion​
Auf jeden Fall erwünscht! Aber seid so lieb und disskutiert im folgendem Thread:
Nur der Regen sieht uns weinen

Die Storycharaktere​
Werden euch in einiger Zeit genauer vorgestellt, mit Zeichnungen von SetoKaibaSK

Beschreibung​
Gibts keine. Ein wilder Mix aus Fantasy, Gedankengängen und Humor :)
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Kapitel Eins: Der Herbstball

Ich liebe diesen Tag. Nicht etwa weil es in strömen Regnet oder es draußen verdammt kalt ist, sondern weil ich endlich einmal einen Tag genießen kann ohne irgendeine Mission erledigen zu müssen. Seit ich zur Leibgarde des Königs gehöre habe ich verdammt wenig Freizeit, jedoch habe ich es mir nicht anders ausgesucht. Seit ich ein kleines Mädchen war wollte ich schon immer für den König arbeiten, für ihn kämpfen und das komplette Königshaus schützen. Nun bin ich Zweiundzwanzig Jahre alt und schon in der Leibgarde. Niemand außer mir kennt den König besser als ich, Fadir und Torag. Die beiden Männer waren Brüder, großgewachsen, die Augen in einem unwirklich klarem grau gefärbt. Torag war einst im Krieg der Reiche ein hoher Offizier und trug eine Narbe im Gesicht, die ihm schräg über das linke Auge reichte. Auf dem Auge war er seither blind gewesen, hatte aber nichts von seiner Kampfkraft oder Geschicklichkeit verloren. Torag war der ältere der beiden und schon Vierunddreißig, sehr muskulös und eigentlich das genaue Gegenteil von dem, was man sich unter einem Elb vorstellte. Fadir ist erst Neunundzwanzig, sah jedoch weitaus jünger, er ist ein ruhiger Elb, feminin gebaut, die blonden Haare lang und glänzend. Er kämpfte mit Pfeil und Bogen, Torag mit einer Axt. Wenn man die beiden so sah viel es schwer zu glauben dass sie Brüder sein mochten…

Ich war die einzige Frau im kompletten Reich, die in einer militärischen Funktion stand, jedoch hatte ich gelernt mit den Steinen die man mir immer wieder in den Weg legte umzugehen, sie zu übergehen oder zu zerstören. Jedoch hatte ich es nicht nur meinem festen Willen oder meiner Kampfeskunst zu verdanken soweit gekommen zu sein, mein älterer Bruder hatte eine hohe Stellung im Land und auch wenn er nicht immer damit einverstanden ist wie ich mein Leben lebe oder meinen Weg gehe, er unterstützte mich wo er nur konnte. Ich drehte meinen Kopf und ein kleiner Lichtstrahl blendete mich. Es regnete immer noch in strömen, jedoch sah man am Ende des Horizontes ein Ende des Unwetters. “Schade”, dachte ich betrübt. Ich liebe den Regen, seinen beruhigenden Klang auf den Dächern und Mauern, seine Schönheit die er hinterlässt. Manchmal ist mir so, als ob er mir alle Sorgen und Ängste von der Seele wäscht. Ich setzte mich, ließ die letzten Tropfen auf mein Gesicht fallen, schloss die Augen und sog den Duft von warmen Sommerregen in mich ein. Dann nahm ich meine Schwerter, kreuzte sie hinter meinem Rücken, so dass Heft und Knauf an meinen Schultern herausragten. Meine Schwerter waren mein Heiligtum. Der Knauf war aus solidem Stahl gefertigt, das Heft aus Leder, dass machte es Robust. Die Parierstange war ebenfalls auf simplen Stahl, aus Messing wäre sie bestimmt hübscher geworden, jedoch hätte sie nicht soviel ausgehalten und wäre schneller kaputt gegangen. Die Schwerter waren beide in eine Scheide aus derben Leder eingefasst, an deren unterem Ende eine Metallhülse war um die Scheide vor abrieb zu schützen. Die Schwertscheiden waren innen mit Fell gefüttert, damit die Klingen keine Kratzer bekamen und der Schliff keinen Schaden nimmt. Ich streckte mich kurz, atmete noch einmal tief ein und aus und machte mich auf den Weg zu meinem Bruder. Ich freute mich ihn wieder zu sehen, aber meine Mutter würde auch dabei sein und das freute mich nun weniger…

“Ah, da bist du ja. Wo warst du denn? Du bist ja Klatschnass?”, begrüßte mich die warme Stimme meines Bruders als ich in sein Zimmer trat.
“Wo soll sie schon gewesen sein? Auf dem Dach wahrscheinlich, wie kann man nur so unvorsichtig sein? Du hättest dich ernsthaft verletzen können!” Mein Blick wanderte zu meiner Mutter, die Naserümpfend am Kamin saß. Meine Mutter war eine wahre Dame des höheren Adels, sie legte viel Wert auf Etikette, gutes Benehmen und vor allen Dingen darauf dass sie alle entsprechend ihres Standes behandelten.
“Natürlich war ich auf dem Dach. Wo hat man in diesem Haus denn sonst seine Ruhe?”, antwortete ich ruhig, wohlwissend das ich sie damit bis aufs Blut reizte. Sie schätzte es nicht besonders wenn ich dieses Schloss das geradezu vor Prunk strotzte als Haus bezeichnete. Sie holte gerade zum Gegenschlag aus als meine Bruder die Hand hob um sie zum schweigen zu bringen. Ich lächelte in mich hinein, ging auf ihn zu und setzte mich auf den großen Tisch aus schwerem Buchenholz. “Warum trägst du denn diese schrecklichen Dinger mit dir herum? Es ist Frieden im Land meine Tochter. Du benötigst keine Schwerter!” Ich verdrehte die Augen und ignorierte sie. Ebenfalls eines der Dinge, die sie überhaupt nicht mochte.
“Eilean, es geht um den Ball morgen.”, begann mein Bruder und ich lies die Schultern sinken. Ich hatte es befürchtet. Der Herbstball, jedes Jahr ein wahnsinnig großes Ereignis im Land um das ich mich gerne drückte. Ich mochte große Menschenmengen nicht, jedenfalls nicht eingepfercht in einen Saal und erst recht nicht wenn meine Mutter den Hintergedanken eines potenziellen Schwiegersohnes im Kopf hatte, denn darauf würde das ganze hinauslaufen…
“Du weisst dass ich solche Veranstaltungen hasse mein Lieber Erontdor”, gab ich zurück und mein Bruder verzog Mitleidig das Gesicht.
“Ich weiss, geliebte Schwester, aber tu es für mich, nur dieses eine mal. Du wirst sehen, es ist gar nicht so schlimm. Außerdem habe ich meine Schöne Schwester noch nie in einem Ballkleid gesehen.”
“Doch, hast du, als ich 8 Jahre alt war.”
“Das ist ja wohl kein Vergleich, du bist mittlerweile 22 und eine hübsche junge Frau geworden.”
Ich verzog das Gesicht. Begeisterung ist wahrlich etwas anderes.
“Hmpf.”
“Ich verspreche dir auch dass du nicht tanzen musst.”, grinste er und ich wurde rot. Ich konnte absolut nicht tanzen und er war ein Gott, wenn man es mal so betrachtete. Das eigentliche Problem war, dass er es mir gar nicht versprechen konnte, jedes Jahr muss ein Geschwisterpaar den Ball eröffnen und dieses Jahr waren wir dran, der König würde dieses Jahr das Fest mit seiner Schwester eröffnen.
“Ich habe nichts zum anziehen.”, versuchte ich auszuweichen, vergebens, denn in diesem Moment standen wie auf Knopfdruck an die 15 Frauen um mich herum um an mir Maße zu nehmen, Farbtöne auszuprobieren und an meinen Haaren herum zu drehen. Auf dem Tisch meines Bruders lagen auf einmal an die hundert Schnittmuster die meine Mutter betrachtete und sie redete wild mit einem der Schneider welches Kleid ich denn tragen solle. Irgendjemand zog heftig an meinen Haaren, ein anderer der gerade Stoff herbeischleppe flog mir entgegen und wieder ein anderer stach mir mit einer Nadel in den Oberschenkel.
“SCHLUSS JETZT!”, brüllte ich los und keiner bewegte sich mehr. Ich riss mir den Stoff vom Körper, band meine Haare zu einem Knoten und ging Zielsicher auf Erontdor zu. Mein Zeigefinger tippte auf seine Brust und ich sah ihm fest in die Augen.
“Erstens: Ich entscheide was ich anziehe. Zweitens: Ich gehe nur weil du mich darum gebeten hast. Drittens: Sehe ich auch nur einen potenziellen Antragssteller kannst du den Mist alleine eröffnen und Viertens: Ich werde kein bauschiges, hässliches Rosa Kleid tragen wie Mutter es ausgesucht hat!”
Er lachte und hob beide Hände hoch.
“Deine Wünsche sind mir Befehl geliebte Schwester. Keine Männer die dir den Hof machen werden und nur ein Kleid das dir zusagt.” Ich lies den Hand sinken und sah ihn immer noch scharf an. Er war ein hübscher Mann geworden, um die 1,95 groß, braungebrannte Haut und die langen schwarzen Haare zu einem lockeren Pferdeschwanz im Nacken zusammengebunden. Wir sehen uns nicht wirklich ähnlich. Er ist groß und muskulös, ich hingegen bin mit 1,55 winzig und schmächtig. Seine haut war dunkel und von der Sonne gegerbt, meine Blass und dünn. Er hatte schwarze, Schulterlange Haare, meine waren violett und reichten mit bis zum Kreuzbein.
“Also ist es abgemacht? Du begleitest mich morgen?”, riss er mich aus den Gedanken.
“Was bleibt mir denn anderes übrig?”, seufzte ich und er umarmte mich glücklich. Er roch nach Leder und nach Gräsern. Ich lächelte, warum konnte ich meinem älteren Bruder nie etwas abschlagen? Ich löste mich von ihm und zog mir zwei Schneider aus der Meute heraus um mit ihnen mein Kleid zu besprechen. Es war noch früh am Morgen, somit war es für diese vielen Näher wohl zu schaffen ein einfach Kleid bis morgen Abend hinzubekommen. Mir gefiel keiner der ausgewählten Schnitte, sie waren alle so pompös, aufdringlich und protzig. Ich wollte es schlicht, nicht so viel Firlefanz Drumherum wie bei diesen Beispielen. Irgendwann hatte ich dann etwas gefunden das mir zusagte, ich lies sie meine Maße nehmen, zeigte meinen gewünschten Stoff, nahm meine Schwerter und lies sie allein. Ich musste hier raus, so schnell wie möglich. Früher bin ich viel mit Erontdor unterwegs gewesen, wir haben zusammen gejagt, waren ausreiten oder sind spazieren gegangen. Seit er König ist war das so ohne weiteres nicht mehr möglich, Pflichten, wie meine Mutter zu sagen pflegte. Genervt trat ich einen Stein weg der mir im Weg lag.
“Au!”
Erschrocken sah ich auf und entdeckte den Hofschmied. Ich hatte ihm den Stein genau ans Schienbein geschmettert und er jaulte als er es festhielt. Schnell drehte ich um und lief Zielsicher in Richtung der Ställe. Ich wollte ihm nicht unter die Augen treten, er war ein Schrank von zwei mal zwei Metern und kann mit der bloßen Hand ein Schwein erwürgen, ich wollte mir nicht einmal ausmalen was er mit mir machen würde wenn er mich jetzt in die Finger bekam. Ich war nicht unbedingt die Art von Prinzessin die sich das Volk gewünscht hatte, ich redete zuviel, gab viel zu viel Widerworte und das ich kämpfte war den meisten schon immer ein Dorn im Auge gewesen. Ich sollte lieber den Sohn des Nachbarkönigs Ehelichen um eine feste Allianz zwischen den Ländern zu gewährleisten. Ich schnaubte, nicht mit mir. Im Stall wartete bereits mein schwarzer Hengst Arag auf mich. Niemand außer mir und meinem Bruder wagte sich näher als 10 Meter an ihn heran. Er war groß und seine Augen warfen scharfe und strenge Blicke in die Umgebung. Ich liebte dieses Tier, ging langsam auf ihn zu und legte meine Stirn an seinen Kopf. Meine Hände legte ich an seine Nüstern und er schnaubte zufrieden. Er sah mich mit seinen roten Augen an und ich lächelte. Er sah mit diesen Augen wirklich gefährlich aus und bei Gott das war er auch, er hatte das Temperament eines Teufels und das bekamen sogar ich und mein Bruder zu spüren, jedoch ich seltener als er. Ich strich durch seine wallende schwarze Mähne und sah ihn liebevoll an.
“Hast du Lust auf einen kleinen Ausritt mein Großer?”, fragte ich ihn und ein lautes wiehern antwortete mir. Ich brauchte weder Sattel noch Zaumzeug, ich konnte mich so auf ihm halten, abgesehen davon das Arag dieses Zeug eh nie tolerieren würde. Er war mir ähnlich, freiheitsliebend, wild und aufbrausend. Ich legte eine Hand an seinen Hals und ging mit ihm hinaus. Der Stallknecht ist fast in Ohnmacht gefallen als er uns gesehen hatte und rannte schnell in Richtung Scheune. Die Blicke der anderen Schlossbewohner waren nicht sonderlich wohlgesonnen, aber es interessierte uns nicht weiter. Am Schlosstor stand Erontdor an die Mauer gelehnt, eine braune Stute neben sich stehen. Verwundert sah ich ihn an.
“Lust auf ein kleines Wettrennen?”, grinste er.
“Du glaubst doch nicht etwa das du uns schlagen kannst, oder?”. Ich war amüsiert, er wusste doch wie schnell Arag war, warum forderte er uns dann heraus? Er ignorierte mich und saß auf.
“Willst du hier lange reden oder sollen wir endlich starten?”
Das lies ich mir nicht zweimal sagen. Ich Band meinen Gürtel fester und schwang mich auf Arags Rücken. Das war nicht gerade einfach, immerhin war ich winzig und er hatte eine Schulterhöhe von knapp einem Meter siebzig. Aber ich war es gewohnt und war mit Leichtigkeit oben. Meine Oberschenkel schlossen sich um seinen festen Körper, ich klopfte ihm lobend am Hals und wies ihn an langsam zur Stute zu gehen. Gemütlich trat er neben die braune und sah sie gelangweilt an. Mein Pferd ist schon ein wenig hochnäsig, stellte ich resigniert fest.
“Willst du dir nicht etwas anziehen? Du erkältest dich noch”, tadelte mich Eron. Ich schaute an mir hinunter und wusste nicht wirklich was er zu meckern hatte. Mein weißes Leinenhemd war fast trocken, die lila Miederbluse saß fest um meinen Oberkörper und die Schürung war auch noch zu. Die schwarze Wildlederhose war stabil und meine Stiefel, die mir bis zu den Knien reichten, waren auch noch trocken und ohne jegliches Loch. Natürlich kam ich mir ihm gegenüber immer ein wenig schäbig vor, aber das lag mehr an seiner Ausstrahlung. Er trug ein schwarzes Hemd und eine Mit Nieten besetzte Weste darüber. Sein Gürtel war ebenfalls mit Nieten bestickt, die Stiefel glänzend, das Haar streng zum Zopf gebunden. Er war ein Prachtkerl und mich wunderte es das er noch keine Frau gefunden hatte. Aber in dieser Sache waren wir uns sehr ähnlich, wir waren beide der Meinung das es im Herzen stimmen musste, nicht in der Politik.
“Also dann, bis wohin?”, fragte ich und er grinste.
“Zum See? Bis zur großen Eiche?”
“Einverstanden”
Ich lehnte mich nach vorn und hielt mich an Arag seiner Mähne fest. Er stampfte nervös, gierig mal wieder richtig galoppieren zu dürfen. Eron zählte bis drei und seine Stute galoppierte los. Nicht so wir, wir warteten bis er schon nicht mehr in Sicht war, dann bäumte Arag auf und raste los. Der Wind peitschte in mein Gesicht, ließ meine Haare wehen und meine Augen brennen. Ich genoss das Gefühl der Geschwindigkeit. Ich lehnte mich noch weiter vor und krallte mich fester in seine Mähne während er noch schneller wurde. Wir haben Eron schnell eingeholt und er machte große Augen als wir wie ein Blitz an ihm vorbeirasten. Am See angekommen zügelte ich Arag ein wenig und er verstand. Ich stieg ab, lies ihn am Wasser ein wenig trinken und setzte mich neben ihm ins Gras. Ich knabberte an einem Halm und hörte Eron neben mir schnaufen. Grinsend sah ich zu ihm auf und kicherte. Keuchend saß er ab, lies die Stute ans Wasser, bedacht auf einen Sicherheitsabstand zu Arag und setzte sich neben mich.
“Lange her oder? Das wir zwei mal so ausgelassen ausreiten konnten.”
Ich lehnte meine Kopf an seine Schulter.
“Wohl wahr, aber jetzt hab ich ja wieder eine Erinnerung an der ich mich festhalten kann.”, antwortete ich.
“Ist es schlimm?”
“Was denn?”
“Das ich jetzt König bin meine ich. Ist das schlimm für dich?”
“Sollte es schlimm sein?”, fragte ich verwundert.
“Ich weiss nicht. Ich habe immer weniger Zeit für dich und das ärgert mich weisst du?”
“Naja aber du hast jetzt ein ganzes Land unter dir das dir Vertraut und das du schützen musst, da kannst du nicht immer auf deine kleine Schwester aufpassen”, grinste ich zurück aber er blieb ernst.
“Es gefällt mir nicht das du im Krieg kämpfst und mit Schwertern herum rennst. Das sollte nicht so sein, ich sollte dich beschützen und nicht umgekehrt.”
Ich wusste doch das da noch mehr war. Ich war mir der Tatsache bewusst das er mit der Situation nicht zufrieden war, jedoch hatte er es mir gegenüber noch nie angesprochen oder Anstalten gemacht mich meinen Weg nicht gehen zu lassen.
“Eron, ich habe meinen Weg gewählt und du deinen. Du wirst immer mein Bruder sein und ich werde dich mit meinem Leben schützen!”
“Genau das ist das Problem Eilean. Ich sollte dich mit meinem Leben schützen. Immerhin bin ich der große Bruder und nicht du.”
“He, du bist auch nur Drei Jahre älter als ich.”
“Und wenn ich nur Zehn Sekunden älter wäre als du, ich bin der große Bruder!” Ich verdrehte die Augen, stand auf und klopfte mir die Blätter von der Hose.
“Ich werde dich schützen. Punkt. Lass uns noch ein wenig durch den Wald reiten und reden. Denn das ist eine Sache die ich wirklich vermisst habe”. Ich reichte ihm die Hand und er nahm sie lächelnd an.
“Was soll ich nur mit meiner rebellischen kleinen Schwester machen?”, seufzte er. Ich grinste, schwang mich auf Arag und lies meinen Blick den See entlang wandern. Die Sonne hatte nun auch die letzten Wolken verdrängt und spiegelte sich im Wasser. Es wirkte als ob Millionen von Diamanten auf dem Spiegel des Sees tanzten. Eron machte sich bereits auf den Weg in Richtung des Dickichts und ich sah ihm traurig hinterher. Ich liebte ihn, keine Frage, aber ich würde seinem Wunsch nicht zu kämpfen nicht nachgeben können. Arag lief bereits gemächlich der braunen hinterher, anscheinend hat mein Teufel gefallen an der hübsche Stute gefunden. Wir haben uns noch lange unterhalten, über belanglose Dinge wie das Wetter und den anstehenden Winter, aber auch über die Tatsache das Mutter mich unbedingt mit dem Sohn des angrenzenden Königreiches verheiraten wolle.
“Ich werde ihn nicht ehelichen!”, erwiederte ich, nun etwas zorniger als die hunderten male zuvor.
“Dennoch solltest du es in Betracht ziehen. Du bist vielleicht nur eine Prinzessin, aber auch du hast eine Pflicht deinem Volk gegenüber.” Ich erschrak. So hatte er noch nie mit mir gesprochen. Ich wusste ja das eine Last auf ihm lag, er hatte so viele Menschen die ihm vertrauten und denen er ein Vorbild, ein Halt und ein König sein musste, aber ich? Ich war noch nie sonderlich beliebt gewesen, ich war von meiner Mutter getrimmt worden ihrem Ideal einer zukünftigen Königin zu entsprechen. Ich weiss das ich meinem Volk dienen sollte, das ich alles tun sollte damit es ihm gut geht, aber ich kann nicht. Irgendetwas in mir schreit geradezu nach Freiheit, nach dem Kampf und dem eigenen Leben. Arag spürte meine innere Unruhe und wurde nervös, wiehernd scharrte er mit den Hufen und schnaubte. Ich legte beruhigend mein Hand an seinen Hals, er war so schön warm und weich.
“Träume bitte nicht schon wieder Eilean. Wir müssen das so langsam wirklich klären.”
“Ich träume nicht. Ich kann diesen Mann nicht heiraten, ich weiss ja noch nichtmal wie er aussieht. Er könnte neben mir stehen ich würde ihn wahrscheinlich für einen neuen Bediensteten halten.”
Erontdor grinste, er wusste das ich das Todernst meinte mit dem Verwechseln.
“Wie damals mit meiner ehemaligen Verlobten?” Ich wurde rot wie ein Tomate, ja, genauso wie damals.
“Das ist nicht lustig. Das ist mir heute noch peinlich und das weisst du.”
Damals, das war vor Drei Jahren, war mein Bruder mit einer Frau aus einem fernen Land verlobt gewesen. Ich war in der Zeit bei einem Meister der Schwertkunst in der Lehre und habe das nicht so ganz mitbekommen. Jedenfalls war es so, dass ich mir eine Woche Urlaub erkämpft hatte und er mich nach Hause entließ um meine Familie wieder zu sehen. Leoni, so hieß die Verlobte, war ebenfalls auf dem Weg zum Wohnsitz meiner Familie und wir trafen uns unterwegs, aber sagten beide nicht wer wir waren. Wir haben uns einfach so über viele Dinge unterhalten und ich habe ihr alle möglichen Peinlichkeiten meines großen Bruders erzählt und sie fand das auch alles urkomisch, bis sie meinen Bruder kennengelernt hatte, da war es dann irgendwie gar nicht mehr komisch…
“Doch, es ist lustig und es wird immer lustig sein.”, lachte er und wuschelte mir durch die Haare. Das tat er immer wenn er wollte das wir wieder Frieden schlossen und es funktionierte immer wieder.
“Wir sollten langsam zurück, du weisst, der Ball, es ist noch viel zu tun.” Ich schaute Sehnsüchtig die weiten Wiesen entlang die wir nun erreicht hatten und er lachte nur leise.
“Was ist denn so lustig?”, fragte ich verdattert.
“Dein Blick. Nun geh schon, ich weiss doch dass du es nicht lange in dem Gebäude aus hälst. Also gib Arag die Sporen und reagier dich ab. Aber sei bitte pünktlich um Sieben Uhr bei mir. Ich hab was für dich.” Er lächelte mich nochmal an und ritt dann Richtung Schloss. Arag schien wenig begeistert dass seine Holde nun fort ritt, aber er bewegte sich keinen Millimeter um ihr zu folgen.
“Na du? Was hälst du von Erons Idee?”, fragte ich den schwarzen und er wieherte. Gemeinsam rasten wir die Felder entlang und genossen für einen kleinen Augenblick eine Welt aus Freiheit, Schwerelosigkeit und purer Freude.

Der Abend des Balles war viel zu schnell da. Mir war schlecht. Ich starrte das Kleid an als wäre es mit Giftfäden durchzogen, aber es gefiel mir. Ein schlichtes Weiß, in einfacher A-Linie geschnitten. Am runden Kragen und den Oberarmen hatte es eine dunkelblaue Borte die mit weisen filigranen Linien ausgeschmückt war und ein Gürtel aus winzigen Metallenen Kettchen vervollständigte das Bild. Ich betrachtete mein Spiegelbild und fühlte mich fremd, ich kannte diese wunderschöne Person nicht die mich gerade unsicher anlächelte. Meine Haare wurden nun schon zum tausendsten male gekämmt und das Diadem wurde mir angelegt. Ich fand es viel zu schwer und außerdem mochte ich seine Form nicht, aber heute war ein öffentlicher Anlass, was für mich bedeutete den Familienschmuck zu tragen. Ich war nun also Gesellschaftstauglich, meine Haare fielen wie ein Meer aus Seide meinen Rücken entlang, die Kettchen klirrten leise bei jedem Schritt den ich tat und das Diadem warf kleine Lichtspiele in die Umgebung wenn sich das Kerzenlicht darin spiegelte. Ich fühlte mich unwohl, sehr sogar, aber was mir noch mehr unbehagen verursachte war die Tatsache das ich heute Abend einen Ball mit Tanz eröffnen musste. Ich nahm es mühelos mit mehreren Kriegern des Feindes auf, ich hatte ein Pferd das den Charakter des Teufels höchstpersönlich besitzt, aber ein Tanz mit meinem Bruder machte mir mehr Angst als alle Schlachtfelder dieser Welt. Ich lief den Gang entlang und hörte schon das Stimmgewirr von mehreren hundert Menschen. Mein Magen drehte sich um, meine Knie wurden weich und mein Atem beschleunigte sich. Ich kippte ein wenig nach hinten, doch ein starker Arm fasste mich fest an der Taille und hielt mich sicher im Stand.
“Hast du soviel Angst vor mir?”, raunte er mir ins Ohr.
“Nicht vor dir Eron, sondern vor dem was mich hinter dieser Tür erwartet.”
“Keine Angst, du siehst so bezaubernd aus dass sie gar nicht mehr in der Lage sein werden auch nur einen Ton zu sagen.” Ich lächelte unsicher und er nahm fest meinen rechten Arm um mich in den Saal zu geleiten. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, ich bekam Schweißausbrüche und zitterte wie Espenlaub. Die schwere Holztür schwang auf und es herrschte absolute Stille. Ich hörte meinen eigenen Atem und wäre Erontdor nicht neben mir gestanden und hätte mich festgehalten, ich wäre schnurstracks weg gelaufen. Die Kronleuchte waren alle mit hunderten von Kerzen bestückt die einen wundervollen Glanz in den Raum warfen. Die Lichter spiegelten sich in meinem Diadem und mein Gürtel warf lauter kleine Strahlen aus Glanz in die Umgebung. Ein Raunen erfasste die Menge. Ich schnappte Sätze wie: “Ist sie das?” oder “Das soll die Kriegerin sein?” auf und war ein wenig gekränkt. Hatten die Menschen wirklich ein so schreckliches Bild von mir? Da kam auf einmal ein kleines Mädchen auf mich zugeraunt, sie mochte etwa Fünf sein.
“Du bist aber hübsch!”, lachte sie mir entgegen und ich erwiederte ihr lächeln.
“Dankeschön”, antwortete ich und die kleine grinste.
“Mama hat gesagt du bist eine Kriegerin, aber du siehst ja gar nicht aus wie eine. Du bist viel zu schön für eine Schwertkämpferin.”
Dann rannte die kleine in Richtung ihrer Mutter und ich war ein wenig sprachlos. Eron hatte das Gespräch stillschweigend verfolgt und zog mich in die Mitte des Tanzsaals. Er legte mir lächelnd eine Hand auf die Hüfte und nahm meine linke Hand.
“Bereit?”, fragte er leise.
“Nein, ich will ins Bett”, jammerte ich und er grinste breit. Die Musik begann und ich hörte schlagartig auf zu atmen. Wir bewegten uns erst langsam, dem Takt der Musik folgend. Wobei ich mehr meinem Bruder folgte als der Musik, ich hörte sie kaum da meine Ohren von einem rauschen erfüllt waren. Ich schloss die Augen und versuchte mich auf die Schritte zu konzentrieren, was mir glaube ich auch ganz gut gelang, ich habe ihn nur zweimal getreten. Erst als die Musik zu Ende war begann ich wieder zu atmen. Es herrschte Totenstille, nicht ein Muks war zu hören und dann, tosender Applaus, der Saal bebte, die Menschenmenge jubelte. Mir fielen gefühlte Zwanzig Tonnen Last von den Schultern als ich dies hörte. Mein Blick flog erleichtert und lächelnd in die Menge, aber ich traf dann auf ein Gesicht das meine Miene zu Stein erstarren lies. Mutters Gesicht.

“Das war eine Katastrophe! Du bist absolut ungeschickt, hast keinerlei Rhythmusgefühl und bist eine Schande für das gesamte Königshaus!” Ich bin solche Strafpredigen gewohnt, besonders von ihr, was ich aber nicht gewohnt bin ist, dass sie das vor mehreren hundert Menschen veranstaltet. Wie ein begossener Pudel stand ich im Raum, dennoch den Kopf aufgerichtet, ihr fest in die Augen schauend. Meine Hände formten sich zu Fäusten, ich zitterte, blieb aber dennoch standhaft und sah ihr immer noch in die kalten blauen Augen. Sie war so berechnend. Meinen Bruder hatte man vor einigen Minuten zu einem wichtigen Gespräch herausgerufen und sie sah ihre Chance darin gekommen, mich vor versammelter Mannschaft bloßzustellen.
“Wie kannst du es wagen mich noch so hochnäsig anzusehen?”, schrie sie weiter und ich spürte eine schallende Ohrfeige. Meine Wange brannte, Tränen stiegen mir in die Augen, aber ich blieb standhaft, ich würde nicht vor ihr zusammenbrechen, niemals. Die schwere Tür öffnete sich ohne dass ich es bemerkte.
“Antworte endlich! Was hast du dir dabei gedacht?”, zeterte sie weiter. Ich blieb still, bewegte mich keinen Millimeter. Ich bemerkte nicht wie er mir die Hand auf die Schultern legte und mich zu sich drehte, meinen Kopf an seine Brust gepresst hielt. Ich hörte nicht seine wütenden Schreie, seine Beschimpfungen und seine Wut. Aber ich sah ich etwas, ein kleines, fast unmerkliches Blitzen am oberen Rand der Ballistrade. Ich drückte ihn zur Seite, viel auf ihn und plötzlich, als man den Schuss hörte entstand die nackte Panik. Alle kreischten und schrien durcheinander, das kleine Mädchen von vorhin stand weinend da und rief verzweifelt nach ihrer Mutter. Wieder fielen Schüsse, ich drehte mich und sah den geschockten Blick meines Bruders. Sein Hemd war über und über mit Blut getränkt und ich zeriss mein Kleid um seine Wunde zu versorgen. Tränen rannen mir übers Gesicht, verdammt warum hörte das nicht auf zu bluten?
Er war blass, Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn und er fasste mich fest an den Armen. Ich bemerkte wie er zitterte, hatte er etwa schon so viel Blut verloren?
“Lass mich los Eron, du bist verletzt, ich muss deine Wunde versorgen. Es tut mir so Leid, ich hätte besser aufpassen müssen, es tut mir wirklich so Leid!”
Er schüttelte mich und zwang mich in sein Gesicht zu sehen.
“Eilean, sieh mich an, Sieh mich an verdammt nochmal!” Ich konnte nicht anders als gehorchen, ich sah in seine braunen Augen und weinte noch mehr.
“Es tut mir so Leid Eron…”, wimmerte ich.
“Eilean, jetzt hör mir endlich zu! Das ist nicht mein Blut Mädchen, es ist deins!”

 
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