Nee wieso sollte ich so etwas wollen, ein Gegenstand kann meine liebe nicht erwidern, also uninteressant.
Ich finde so etwas eigentlich eher traurig, als komisch es ist doch viel schöner einen geliebten Menschen um sich zu haben, der einen die liebe die man ihn gibt auch wieder zurückgeben kann, als einen Gegenstand, der eigentlich nix weiter tut als da zu sein.
Damit hast du auf jedenfall Recht. Ich glaube aber kaum, dass die Neigung zu Gegenständen ohne Vorgeschichte abläuft. Probleme, mit anderen Menschen angemessen zu kommunizieren, also soziale Defizite und ein enormer Wunsch nach Zuneigung können unter Gewissen Umständen dazu führen, dass die Objekte, welche ja ansich keinerlei Liebe erwidern können, den Menschen vorgezogen werden. Denn sie sagen nicht nein, man kann der sein, der man ist ohne dafür Konsequenzen zu erwarten. Allein, dass diese Tatsachen auf den leblosen Gegenstand zutreffen, können in den objektophilen Personen als eine Art erwiderung verstanden werden. Die Bindung ist also nicht (rein)sexueller Natur (Staubsauger, Auto und Gummipuppen wären Objekte, auf die man sich fixieren könnte) sodern viel mehr stark emotionaler. Grade wenn man aufgrund seiner Vorgeschichte, welche wohl sehr vielen negativ Erfahrungen ausweist, was die Erwiderung von Gefühlen betrifft, ein Problem mit seiner Einsamkeit hat und aufgrund der sozialen Defizite sich nicht zu helfen weiß. Ich habe keine Ahnung ob solche Konstellationen dann tatsächlich der Auslöser in diesen Personen sind, sich auf leblose Gegenstände zu fixieren. Aber ich könnte es tatsächlich verstehen. Ich würde vermuten, zur Objektophilie bedarf es sogar einen sehr gefühlvollen Character und einen Menschen, der prinzipiell auf Zuneigung angewiesen ist, um seelisch Ausgeglichen zu sein.
Eines der Gründe, wieso mich grade die Kurzgeschichten von Lynn sehr berühren. Sie sind in meinen Augen um ein vielfaches besser als Elfen Lied. Sie sind wunderschön obwohl sie furchtbares erzählen.
Natürlich ist das nur eine Vermutung, andererseits ist die Zuneigung von Mensch zu Gegenständen kaum erforscht, und es wird wohl mehr als einen Grund für eine solche Vorliebe geben.
Etwa dass man in dem Objekt etwas perfektes sieht, etwas, von dem eine enorme Anziehungskraft ausgeht, könnte auch ein Grund sein.
Im Grunde ist Objektophilie ein unglaublich interessantes Thema. Der einfache Satz: "kann ich mir nicht vorstellen, ein Gegenstand kann doch keine Liebe erwidern", der hier über 5 Seiten wiederholt wurde, wird dem Thema einfach nicht gerecht. Denn die Frage die sich einem dann wohl unmittelbar stellt, ist doch, wieso ein Mensch Zuneigung zu einem Gegenstand entwickelt, oder eine Erwiderung dieser Zuneigung annimmt.
In Lynns Geschichte war die Gummipuppe belebt, sie hatte einen Character. Aber im Grunde war sie tatsächlich nicht mehr als die unbelebte Gummipuppe. Sie sagt ja, sie steckt alles ein und lächelt weiter. Nur dass Lynn diese Eigenschaften, die man auch dem unbelebten Gegenstand zusprechen könnte, in einen Character verwandelt, mit dem man Mitleid hat, den man als vollwertig (wenn auch devot) anerkennt. Ein unglaublich faszinierendes Gedankenspiel.