Wie tolerant seid ihr?

ota-Q

Philanthrop
Otaku Veteran
In meinem Leben läuft falsch, dass es zig tausend Idioten gibt, die sich absolut sicher sind, die eine einzige wahre und aller-allerbeste Musik zu kennen und es mir jedes Mal auf's Neue auf die Nase binden müssen, nur um von mir erneut zum gefühlten tausendsten Mal dieselben Argumente und dieselben Tatsachen serviert zu bekommen.
meinst du sowas?
Im Gegensatz zu anderen Musik- und Stilrichtungen bietet klassische Musik eine viel größere Varianz an Instrumentation, Funktionalität, Rhythmus und Ausdrucksformen.

Genre ist eine Frage von Geschmack, Qualität aber eine Frage von Technik. Punkt!
Und hier widersprichst du dir selbst gewaltig. Wenn Genre und Technik so verschieden sind, wieso denn begründest du die Tatsache, dass eigentlich nur ein Genre hörst mit dem Argument, dass dort Qualität und Technik auf einem höheren Niveau seien?
Denn wenn es tatsächlich Qualität wäre wonach du suchst, würdest du dich nicht auf ein Genre begrenzen, sondern wie die meisten anderen sämtliche Genres nach deren besten Liedern zu durchkämmen.
Wer nur A kennt, hat nicht das Recht zu behaupten B sei schlechter.
 

Terry_Gorga

Der Eine, der Viele ist
Otaku Veteran
Und hier widersprichst du dir selbst gewaltig. Wenn Genre und Technik so verschieden sind, wieso denn begründest du die Tatsache, dass eigentlich nur ein Genre hörst mit dem Argument, dass dort Qualität und Technik auf einem höheren Niveau seien?
Denn wenn es tatsächlich Qualität wäre wonach du suchst, würdest du dich nicht auf ein Genre begrenzen, sondern wie die meisten anderen sämtliche Genres nach deren besten Liedern zu durchkämmen.
Weil es technologische und historische Gründe hat, weshalb alle Genres, die nach 1920 begründet wurden technisch verarmt sind. Das beginnt bereits bei der durchschnittlichen Dauer eines Songs, die genreübergreifend zwischen 2 und 4 Minuten liegt und damit in sich schon eine Zäsur der eigentlichen Musik darstellt. Jeder Song, der sich diesem ungeschriebenen Gesetz bewusst oder unbewusst unterwirft, kann schon nicht mehr als vom Kommerz freie oder zumindest wenig beeinflusste Musik und damit auch nicht als Kunst im eigentlichen Sinne wahrgenommen werden (als ganz großes Positivbeispiel in dieser Hinsicht nenne ich z.B. gerne Bohemian Rapsody von Queen).
Ähnlich fesselnde Strukturen finden wir beim Aufbau der Songs, die langweilig mit einem Intro, einer Strophe und dann einem Refrain, das gerne mehrfach wiederholt und schließlich mit einem Out abgeschlossen werden. Das ist Musik nach Schema F, die technisch extrem rudimentär und arm ist.
Dazu kommt die Verarmung an Funktionalität in der Musik, zu der ich mich schon früher geäußert habe. Während das Prinzip in der Klassik darin besteht, möglichst viele unterschiedlich funktionale Harmonien zu bringen und entsprechend mehrere Tonarten in einem Stück anzuspielen, kann man in der Popmusik schon froh sein, wenn man auch nur 2 Tonarten zu hören kriegt. Modulation sucht an dort vergebens, genauso wie Harmonien, die über die Grundfunktionen hinausgehen.
Es mag ja Leute geben, denen diese Armut an Musikalität genügt (deshalb sage ich, Genre und Technik sind unterschiedliche Dinge), aber wenn ich von Musik spreche habe ich einen gewissen Anspruch, zu dem neben anderen Dingen auch ganz entscheidend die handwerklichen Fähigkeiten des Komponisten zählen und diesen Anspruch sehe ich in anderen Genres nicht erfüllt.
Im Übrigen ist es ein Trugschluss dass ich andere Genres nicht kennen würde, nur weil sich mein Musikgeschmack auf ein einziges begrenzt. Im Gegenteil, um meine Meinung bilden zu können musste ich sehr viele andere Genres betrachten und anhören - mit den Ergebnissen, die sich im Übrigen mit den offiziellen Ergebnissen von Markt- und Forschungsstudien decken, die ich schon einige Posts zuvor zitiert habe. Durch Fernsehen, Radio und Internet kann man sich dem auch gar nicht entziehen, man wird mit diesem Schrott zwangsläufig konfrontiert, wenn nicht sogar bombardiert, was im Übrigen dafür spricht, dass die moderne Popmusik (frei nach Marx) eine Systemrechtfertigung in sich selbst ist. Nämlich, eine Musik, die ein Individuum in kommerzialisierter Form in seiner Selbstansicht als funktionales Mitglied einer Gesellschaft bestätigt und in so in seiner Position gefangen hält, egal ob diese seinen Vorstellungen entspricht oder nicht und egal, wie gut oder schlecht er sich in dieser Position fühlt. Oder an einem Beispiel veranschaulicht:
Eine fiktive Figur, nennen wir ihn Hans, arbeitet im Büro. In diesem Job ist er Stress, Hektik und wenig Erfolgserlebnissen ausgesetzt. Nun hört Hans zu seiner Gemütslage passend Musik, vielleicht von Slipknot oder aus dem Punkrock Bereich (z.B. die Ärzte?), in der die Missstände dieser Gesellschaft herausgeschrien werden und fängt an, sich mit dieser Musik zu identifizieren. Die Folge - er empfindet diese Musik als gut, ungeachtet der Qualität, die diese Musik erreicht. Sie bestätigt ihn in seinem Selbstbild und trägt somit dazu bei, dass er sich auf diese Musik konzentriert und anfängt sie zu konsumieren und zu kaufen. Die Folge ist, dass er durch diese Musik, mit der er sich so identifiziert noch stärker in die Strukturen gebunden wird, durch die er sich mit dieser Musik identifiziert, weil er früher oder später an einen Punkt kommen wird, wo er für Alben, Konzerte oder Festivals Geld ausgeben wird, das er gezwungen ist durch die Strukturen, in denen er gefangen ist zu verdienen. Anstatt also, wie zunächst beabsichtigt durch diese Musik freier zu werden, fesselt sie ihn noch mehr in seinen Strukturen, weil sie eine Kommerzialisierung derselben (und dazu meistens auch noch auf einem extrem niedrigen Niveau) ist.

Dieser Mechanismus, den sich die Popmusik zunutze macht, um noch mehr Profit zu erzielen ist (neben der technischen und qualitativen Armut) abscheulich und für mich nicht tolerabel und damit nur ein zusätzliches Argument, warum ich diese Form von Musik für geringwertig halte.
 

ota-Q

Philanthrop
Otaku Veteran
@Terry_Gorga

Klassische Musik ist in keinster weise frei von Kommerz, meineswissens sind die meisten aller klassischen Musikstücke die Ergebnisse von Auftragsarbeit, ebenso wie bildende Kunst.
Aber der Fakt, dass es als Handelsware produziert wurde macht weder Mozarts Lacrimosa noch da Vincis Mona Lisa zu etwas minderwertigem.
So gesehen ist Musik heute deutlich unabhängier von Kommerz als zu der Zeit als klassische Musik entstand (theoretisch entstehen immer noch neue Stücke diese Genres), denn es gibt heute viele Musiker die genau die Musik machen die sie machen wollen und mit etwas Glück damit daraufhin berühmt werden. Indie entspricht eigentlich weitgehend diesem Prinzip, obwohl dieser Begriff auch schon etwas Missbrauch ertragen musste.

Dass Musik heute oft gewissen Strukturen folgt halte ich auch keineswegs für etwas Negatives. Struktur und Ordnung ist wichtig, und ebenso sind Ausnahmen eine Bereicherung. diese Idee gilt nicht nur für Musik, sondern die meisten Facetten unseres Lebens.

Die Funktionalität von Musik hat deutlich zugenommen. Diese Tatsache erkennt man ganz leicht am gigantischen Anwendungsbereich den Musik heute hat. Es gibt Musik passend für jede Jahreszeit, Emotion und unzählige Situationen. Es gibt Radio-Musik, Musik die in Konzerten am besten zur Geltung kommt, Musik zu Comedy-Zwecken, Musik die massgeschneidert dafür da ist eine bestimmte Atmosphäre zu erschaffen in Filmen oder Spielen, die Liste geht noch viel weiter.
Zur Zeit von Beethoven&co. war die komplette menschliche Zivilisation noch viel einfacher, wie sollte das die Musik als einziges komplexer gewesen sein.

Und zur Geschichte vom tragischen Hans:
Heute gibt es Musik für Hans. Egal wohin es ihn im Leben verschlägt, es wird immer Musik geben die zu seiner Situation passt.
Und genau das ist das schönste was die Kunst der Musik je erreicht hat.
 

Terry_Gorga

Der Eine, der Viele ist
Otaku Veteran
@Terry_Gorga

Klassische Musik ist in keinster weise frei von Kommerz, meineswissens sind die meisten aller klassischen Musikstücke die Ergebnisse von Auftragsarbeit, ebenso wie bildende Kunst.
Kommerz ist etwas anderes, als im Auftrag arbeiten. Kommerz ist, Musik einzig zu dem Zweck zu schaffen und zu spielen, dadurch etwas zu kommerzialisieren. Z.B. ein Lied über die Schrecken des Vietnamkrieges zu singen in der Absicht, das groß zu verkaufen. Oder aber noch vereinfacht:
Wenn sich ein Schüler hinsetzt vor vielleicht 20 Leute nur und ihnen eine Bachkantate auf dem Klavier vorspielt, vielleicht nicht perfekt aber immerhin mit größter Mühe und viel Gefühl - dann ist das Musik.
Wenn sich Lang Lang in ein Stadion mit 50.000 Zuschauern setzt, dieselbe Kantate routiniert runterrattert und dafür am Ende seine 100 Euro pro Person kriegt, dann ist das Kommerz.
Der Ausdruck des Interpreten sowie seine Motivation dahinter macht den Unterschied.

So gesehen ist Musik heute deutlich unabhängier von Kommerz als zu der Zeit als klassische Musik entstand (theoretisch entstehen immer noch neue Stücke diese Genres), denn es gibt heute viele Musiker die genau die Musik machen die sie machen wollen und mit etwas Glück damit daraufhin berühmt werden. Indie entspricht eigentlich weitgehend diesem Prinzip, obwohl dieser Begriff auch schon etwas Missbrauch ertragen musste.
Nein, dem muss ich widersprechen, denn es gibt zwar einige wenige, die mit ihrer Musik Erfolg haben. Aber diejenigen, die das nicht haben, sind den Regeln des Kommerzes unterworfen. Sieh dir alleine die Mitgliederzahlen der GEMA an, wie viele normale Mitglieder es gibt und wie wenige Ehrenmitglieder es im Vergleich dazu gibt.
Klar, wenn du nur Musik machen willst, bist du heute unabhängiger. Wenn du aber willst, dass jemand deine Musik hört, bist du umso abhängiger von den Regeln der Marktwirtschaft und damit vom Kommerz. Schon alleine die Tatsache, dass du ohne Manager nichts musikalisches auf die Beine stellen kannst ist ein Armutszeugnis für diese Branche. Da geht es nicht mehr um gefallen oder nicht, da zählt nur jeder hart verdiente Dollar und die Vermarktungsfähigkeit. Deshalb erleben wir auch in den letzten Jahren so viele Aufstiege von solchen grauenhaften kulturellen Atombomben, wie "Schni, schna, schnappi" oder "My Hearth is beating like a dschungle drum".

Dass Musik heute oft gewissen Strukturen folgt halte ich auch keineswegs für etwas Negatives. Struktur und Ordnung ist wichtig, und ebenso sind Ausnahmen eine Bereicherung. diese Idee gilt nicht nur für Musik, sondern die meisten Facetten unseres Lebens.
Struktur und Ordnung sind aber nur dann berechtigt, wenn sie nicht repetitiv und damit eintönig werden. In der klassischen Musik haben sich beispielsweise deswegen die ganzen Wiederholungen, die zur Zeit Mozarts Gang und Gebe waren nicht durchgesetzt, weil sie ein Werk als repetitiv erscheinen ließen und das ganze Muster, nach dem die Musik aufgebaut war durchschaubar gemacht haben, sodass man bei jedem neuen Werk irgendwann vorhersehen konnte, wie es verlaufen würde. Entsprechend langweilig wurde das Ganze.
Genau dasselbe begegnet uns heute bei der Popmusik. Nur, dass diese noch viel weniger Sinnabschnitte bietet, als die Musik der Wiener Klassik zu ihrer Zeit.

Die Funktionalität von Musik hat deutlich zugenommen.
Quatsch, da merkt man, dass jemand keine Ahnung von der Materie hat.
Mit Funktionalität ist nicht gemein, zu welchen Anlässen man Musik hört oder was sie ausdrücken soll. Da gibt es bereits durch die Jahrtausende hinweg Musik, die zu jedem erdenklichen Anlass oder mit dem Anspruch eines bestimmten Ausdrucks konzipiert wurde und entsprechend ist das Vorkommen dieser Musikformen der Komplexität ihrer Zeit angepasst.
Nein, mit Funktionalität ist die Funktion der Notenakkorde im Bezug zu ihrer Grundtonart gemeint. Oder mit anderen Worten, die Verwendung der Haupt- und Nebenfunktionen aus der Funktionstheorie der Musiklehre. Tonika, Dominante, Subdominante, Leitton, Tonikaparallele, Dominantparallele, Subdominantparallele, Durchgangsdominante...
Aber um es dir zu veranschaulichen, einfach mal eine Frage:
Kennst du einen Popsong, in dem der Dominantseptakkord verwendet wird?
Weißt du überhaupt, was das ist?


Und zur Geschichte vom tragischen Hans:
Heute gibt es Musik für Hans. Egal wohin es ihn im Leben verschlägt, es wird immer Musik geben die zu seiner Situation passt.
Und genau das ist das schönste was die Kunst der Musik je erreicht hat.
Und das kritisiere ich auch gar nicht. Aber die gesellschaftliche Funktion, die dieser Musik zukommt, sowie die Intention, mit der diese Musik verbreitet wird, finde ich doch sehr bedenklich.
 

Arandur

Stamm User
Frage wie tolerant bin ich.. ist leicht zu beantworten.. wenn ich Leute wie Terry sehe wird mir schlecht.. ich krieg so nen Hals und meine Toleranz sinkt in den Minusbereich.
 

Perinus

Gläubiger
Hmm also ich bin sehr tolerant, doch manchmal muss ich mich stark beherrschen und benehmen. Denn oft höre ich viel dreck, und wenn es bescheuerter lärm ist dann wird es ganz schwer.
 

medi

Exarch
Ich lasse Leute einfach die Musik hören, die sie mögen. Bissige Kommentare dazu leiste ich mir nur bei Freunden, die das abkönnen und wissen, wie das gemeint ist xD Und die müssen manchmal leiden :XD: Aber offen bei Fremden zu sagen "Was hörst Du denn für einen Dreck?" - never! Sei es nun direkt ins Gesicht oder in einem Chat, Forum oder sonstwo. Das ist ein unmögliches Benehmen meiner Meinung nach.


Bei meinem abstrusen Musikgeschmack (die Ärzte, J-Pop/Rock/Metal, Trance, J-Core/Nightcore/Happy Hardcore/Hardstyle) erwarte ich ja schließlich auch keine abwertenden Kommentare. Jeder soll das hören, was er mag! Ob ich das nun allerdings verstehe, wenn jemand z. B. Hiphop/Rap oder Schlager hört, ist eine andere Sache...
Falls ich mal zu Party eingeladen werde und dort eher (meiner Minung nach) unschöne Musik läuft, sitz ich net grummelig in der Ecke und vermiese allen die Party - ich trink denen die Bar leer und mache trotzdem Party soweit es geht :XD:
 

Shinkakuto

Scriptor
Meinst du jetzt wenn du zum beispiel im Zug hockst und jemand hört laut musik.Wie lange man braucht dem jenigen zu sagen das er das bitte leiser machen soll oder am besten ganz aus.
Nun ja ich bin da meisten nicht so schnell auf die palme zu bringen und wenn es mich wirklich stört dann nehme ich meinen Mp3 player raus und höre halt meine eigene Musik und wenn das halt nicht geht dann höre ich halt die musik mit ob sie nun schlecht ist oder nicht.
 
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