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[Sammelthread] Pro-Post-Kurzgeschichten

Dieses Thema im Forum "Fan-Fiction" wurde erstellt von Neverman, 9 März 2010.

  1. WazZzabi Gläubiger

    WazZzabi
    Thema:
    Geschlossene Klinik

    Ein Schnitt, noch ein Schnitt.
    Sanft beißt der Schmerz in die Handgelenke.
    Zärtlich streichelt das Blut die Unterarme.
    Träge pulsiert es aus den Spalten,
    warm fließt es heraus, kälte lässt es zurück.

    Dunkelheit...

    Geräusch, Stimmen, Licht!
    Grellweiße Helligkeit!
    Aufgeregte Stimmen!

    Dunkelheit...

    Langsames Erwachen in Düsternis.
    Weicher Mull an den Handgelenken,
    Schläuche in den Adern.
    Aufstehen, fliehen, weg hier!
    Warme Füße auf kalten Fliesen

    Angst...

    Raus aus der Tür!
    Leerer Gang!
    Steril, kalt, weiß!

    Angst...

    Schnelle Schritte auf leisen Sohlen.
    Stimmen werden lauter.
    Schnell den Gang hinunter!
    Da! Die Tür heißt Freiheit!
    Geschlossen...


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    Sommernacht und Wintermorgen
     
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  2. Shishiza Sehr brave Fee^^ Mitarbeiter
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    Shishiza
    Thema:
    Sommernacht und Wintermorgen

    Leise raschelt der Wind durch die Blätter. Das Pärchen lag auf einer Decke gemütlich und schauten den Sommernachthimmel an. So viele Sterne waren zu sehen. Aber wenn es klar war und keine Wolken am Himmel waren, so konnte man in so einer schönen Nacht auch den Himmel genau betrachten. Das Pärchen hatte sich schon am frühen Abend sich den Platz ausgesucht, damit sie die Sterne beobachten konnten. Vielleicht gab es auch in dieser Nacht ein paar Sternschnuppen und sie konnten sich etwas wünschen. Egal, was ihnen die Nacht bringen würde, sie würden sie in Erinnerung bewahren, weil es ein Moment der Zeit war, so sie keine Probleme hatten und sie einfach nur diese Zeit genießen wollten. Sie fühlten sich hier wohl, im Hier und Jetzt und wollten diese nicht vermissen. Sie hatten auch ein Fernglas dabei, um noch genauer die Sterne zu betrachten und zu erkunden. Kein Wort fiel, denn sie wussten, was die andere Person wollte und sie reagierten instinktiv. So verbrachten sie mehrere Stunden, bis die Sterne nicht mehr zu sehen waren. Anschließend packten sie ihre Sachen und fuhren, wie abgemacht zum Flughafen, wo sie einen direkten Flug von Südafrika nach Europa bekamen. Als sie landeten, war es der Wintermorgen, denn in Deutschland war es Winter und es war kalt und eisig. Das Pärchen, das noch vor ein paar Stunden noch die warme Luft genießen konnten, musste sich jetzt rasch anziehen, denn der Temperatursturz war doch ziemlich gewaltig. Raureif lag auf den Bäumen und die Sonne war kaum über den Dächern gestiegen, war schwach und man konnte sogar die Luft, die man ausgeatmet hat, sehen. Eine dicke Winterjacke sorgt für das rasche aufwärmen und das Paar wusste einfach, der kurze Sommertrip war damit zu Ende ...


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    Drei Kerzen
     
  3. Akira Akarui Moderator Mitarbeiter
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    Akira Akarui
    Drei Kerzen

    Angestrengt starrte er ins Dunkel, doch wie weit er seine Augen auch aufriss und wohin er seinen Kopf auch wendete, es blieb dasselbe: Schwärze, totale Schwärze und nirgends auch nur die Andeutung eines Schimmers von Licht.

    Er schloss die Augen, doch die Schwärze blieb, unerbittlich und stetig daran erinnernd, dass er sich tief unter der Erde befand, verletzt, hungernd, allein gelassen und auf die Hilfe der anderen angewiesen.

    Wie lange er jetzt hier schon lag, konnte er nicht sagen, denn er hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Es mochten zwei Tage sein oder drei oder gar mehr als eine Woche. Er hätte es nicht sagen können, er wusste nur, dass das Wasser und der Proviant, den sie ihm dagelassen hatten, zur Neige gegangen waren und dass er sich unsäglich müde und schwach fühlte. Doch Schlafen kam für ihn nicht in Frage, zumindest nicht, so lange er das noch irgendwie verhindern konnte, denn er hatte Angst davor, nie wieder aufzuwachen.

    Das einzig Positive war, dass die Schmerzen in seinen gebrochenen Beinen verschwunden waren und auch, wenn er irgendwo im Winkel seines Bewusstseins ahnte, dass das kein gutes Zeichen war, nahm er es im Moment dankbar und mt Erleichterung hin.

    Noch eine ganze Weile lag er so da, in die Dunkelheit starrend, dann hielt er es nicht mehr länger aus und er betätigte mit zitternden Fingern das Feuerzeug und entzündete den Docht einer der drei Kerzen, die sie ihm zurückgelassen hatten.

    Recht schnell fing der Docht Feuer und das entstehende Licht ließ ihn sofort aufatmen und entspannen. Er drehte seinen Kopf so, dass er das kleine Feuer im Blick hatte und er beobachtete, wie es ruhig um den Docht herumtanzte und nach oben züngelte, dorthin, wo auch er hinwollte.

    Er hatte die Kerzen immer abwechselnd angezündet, um sich die Illusion zu bewahren, dass alle drei noch unbenutzt und gleich lang waren. Doch mittlerweile tanzte das Feuer bereits sehr knapp über dem Boden und so sehr er sich auch einzureden versuchte, dass sie noch lange halten würden, war ihm klar, dass dies nicht der Fall war.

    Doch er schob diesen Gedanken beiseite, behielt sich die Hoffnung, dass seine Freunde bereits wieder auf dem Weg zurück waren.

    Und so verschmolzen die Figuren, die der Kerzenschein an die umgebenden Felswände warf, mit seinen Hoffnungen und ließ Bilder in ihm aufsteigen von Helfern, die kamen, um ihn ans Tageslicht zu bringen. Und während er immer tiefer in eine Fantasiewelt abdriftete, verlangten die Strapazen der letzten Tage und seine Verletzungen ihren Tribut und seine Augen schlossen sich langsam.

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    Hätte er nur etwas gesagt ...
     
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  4. Shishiza Sehr brave Fee^^ Mitarbeiter
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    Shishiza
    Thema:
    Hätte er nur etwas gesagt ...


    Still schweigend schaute sich das Paar an. Ja fragend, fast bittend kam der Blick bei ihm an. Doch störrisch wie ein Esel wollte er nicht zu geben, das er ein Fehler gemacht hatte. Mehrere Stunden ging das jetzt schon und sie verzweifelte immer mehr, denn er brauchte doch nur noch sagen, das es ihm Leid tat. Doch kein Wort kam über seine Lippen, egal, was für ein Gesicht, eine Geste oder Tränen schon vorhanden waren, er blieb stumm. Mehrere Stunden sind schon vergangen, nach diesen großen Streit den die zwei hatten und immer noch war kein Ende in Sicht. Es war egal, was vorgefallen war, nur sie hatte noch nicht die Hoffnung aufgegeben, das er seinen Fehler zugab. Sie saß ihm gegenüber, hatte schon mehrere Taschentücher verbraucht und trotzdem hat er sich nicht erweichen lassen. Die Dämmerung begann und irgendwann zerbrach mit einem gewaltigen Sprung ihr Herz. Anscheinend sollte es nicht so sein ... sie stand auf, schaute ihn noch einmal an ... und ging mit schweren traurigen und kleinen Schritten aus dem Zimmer. Packte ihre Sachen und mit einem knall war die Haustüre zu. Sie hat ihn verlassen ... hätte er nur etwas gesagt ....


    Thema:
    Rückenschmerzen
     
  5. Akira Akarui Moderator Mitarbeiter
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    Akira Akarui
    Rückenschmerzen

    Es begann mit einem leichten Ziehen im Rücken und er dachte zunächst, er hätte sich beim Schleppen der Umzugskartons seines Freundes verhoben. Doch das Ziehen verstärkte sich zusehends und wandelte sich in so heftige Rückenschmerzen, dass er sich kaum noch aus seinem Bett bewegen konnte. Als er es schließlich überhaupt nicht mehr aushalten konnte und auch die Schmerztabletten aus seinem Vorrat nichts mehr halfen, rief er in der Praxis seines Hausarztes an. Doch die Arzthelferin am Telefon machte ihm kurzangebunden klar, dass der Arzt so schnell nicht kommen würde, da er bereits etliche Hausbesuche auf seiner Liste hatte, alles Fälle von plötzlichen Rückenschmerzen. Sie versprach allerdings, es ihrem Chef weiterzugeben und hängte im nächsten Moment auf.

    Eine Epidemie an Rückenschmerzen? Das klang so absurd, dass er gelacht hätte, wäre der Schmerz nicht so unerträglich gewesen. So ließ er nur ein kurzes Schnauben hören, bevor die nächste Schmerzwelle ihn überrollte und ihm das Bewusstsein raubte.

    Als es vier Stunden später an seiner Tür klingelte und sein völlig erschöpft aussehender Hausarzt mit fragender Miene davor stand, konnte er sich weder an ihn, noch an sonst etwas erinnern, zumindest an nichts, was ihn einmal ausgemacht hatte. Stattdessen sah er ein neues potentielles Opfer vor sich, einen Wirt, den es zu besetzen galt ...

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    Oktobersturm
     
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  6. WazZzabi Gläubiger

    WazZzabi
    Oktobersturm

    Missmutig zog er sich seinen Mantel an und schloss die Knöpfe bis unter den Hals. Er seufzte erschöpft, heute war nicht sein Tag. Sein Schirm lag unbeachtet im Mülleimer. Schon heute Morgen hatte dieser unter ächzen den Geist aufgegeben. Als eine Windböe ihn erfasst hatte, hatten sich die dünnen Metallstreben in alle Richtungen verbogen.
    Triefend nass war er schließlich im Büro angekommen nur um dort in den nächsten Sturm zu geraten. Sein Chef tobte wild und schrie ihn ungehalten an. Warum er nicht mit seinem Projekt voran käme und was er überhaupt für ein Versager wäre wenn er nicht mal die einfachsten Arbeiten erledigen könne. Resigniert ließ er es über sich ergehen und als schließlich zumindest dieser Sturm abflaute, verkroch er sich hinter den Papierstapeln auf seinem Schreibtisch. Papierstapel, die trotz regelmäßiger Überstunden immer weiter anwuchsen.
    Auch heute war er wiedermal der letzte im Büro. Ein letztes Mal ließ er seinen Blick durch den Raum wandern, dann betätigte er den Lichtschalter und trat aus der Tür hinaus in den Oktobersturm.
    Mit hängendem Kopf lehnte er sich gegen den Sturm und machte sich auf den Nachhauseweg. Unnachgiebig peitschte ihm der Wind entgegen. Regentropfen prasselten auf ihn ein und ein Meer aus rotgoldenem Laub machte den Fußweg glitschig. Das Gesicht möglichst tief im Aufschlag seines Mantels vergraben, trottete er vor sich hin. Sein Blick war fest auf den trügerischen Untergrund vor seinen Füßen gerichtet, als ein besonders starker Windstoß durch die Straße heulte.
    Ein erschrockener Aufschrei war alles an Warnung was er bekommen sollte, ehe etwas schwer gegen seine Brust krachte und ihn nahezu von den Füßen holte. Beinahe reflexartig schloss er die Arme um das Wesen und konnte so gerade noch verhindern, dass es endgültig auf dem Boden landete.
    Als sich die zierliche Gestalt in seinen Armen wieder gefangen hatte und fest auf beiden Beinen stand, hob sie den Blick. Sein Herz begann heftig zu pochen als er nun in das wunderschöne Gesicht blickte, welches aus der dicken Kapuze zu ihm herauf sah. Ein verlegenes Lächeln umspielte die Lippen des hübschesten Mädchens, das er je gesehen hatte.
    Seine Arme lagen noch immer vergessen um ihre Mitte und auch sie machte keine Anstalten, sich von ihm zu lösen. Vielleicht ist heute ja doch kein so schlechter Tag…


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    Himbeermarmeladenbrot
     
    Zuletzt bearbeitet: 3 Oktober 2017
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  7. Akira Akarui Moderator Mitarbeiter
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    Akira Akarui
    Himbeermarmeladenbrot

    Erst war es nur eine, dann zwei, doch sehr bald kamen sie in Schwärmen und keiner hatte es kommen sehen. Erst als es zu spät war und nichts mehr von ihm übrig blieb, erkannten sie, dass sie das Unvermeidliche hätten aufhalten können, wenn auch nur einer von ihnen vorsichtiger gewesen wäre.

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    Als er ins Unendliche fiel
     
  8. Shishiza Sehr brave Fee^^ Mitarbeiter
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    Shishiza
    Thema:
    Als er ins unendliche fiel



    Leere, nichts, egal, wo man hinschaute, man sah nichts. Als er diesen einen letzten Schritt gemacht hat ... den Schritt, der alles verändert, den er nicht zurück nehmen konnte, denn es gab nur diesen einen Schritt. Die Zeit dehnte sich aus, er war wie erstarrt und fühlte in diesem Moment gar nichts. Eigentlich sollte so vieles fühlen, Panik, weil er gleich sterben wird, Verlust, weil er alles verlieren würde, aber, er spürte nichts davon. Statt dessen fühlte er seinen Körper, jeden Muskel, jede Sehne, ja selbst das Blut konnte er in seinen Adern rauschen fühlen. Und dann ... mit einem Schlag war alles wieder normal, als die Schwerkraft an ihm zog. Jetzt fiel er, aber nicht kurz, sondern sehr sehr lange, denn es gab kein Boden ... er fiel ... fiel ... fiel ins unendliche ...

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    Der Baum fällt
     
  9. Akira Akarui Moderator Mitarbeiter
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    Akira Akarui
    Der Baum fällt

    Sie kannten sich seit sie Kinder waren, seit sie mit ihrer Familie ins Nachbarhaus eingezogen war. Und seitdem waren sie unzertrennlich gewesen. Ihr liebster Ort zum Spielen, aber auch zum Zurückziehen und später im Teenageralter zu noch viel mehr, war das Baumhaus in seinem Garten gewesen.

    Als sie schließlich wenige Jahre später ohne auch nur einen Augenblick zu zögern einwilligte, seine Frau zu werden, war er der glücklichste Mann auf der Welt und er wollte die Flitterwochen zu etwas ganz Besonderem machen, einen einzigartigen Ort schaffen, an dem sie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vereinen konnten.

    Und so hatte er monatelange Vorbereitungen getroffen, hatte sich belesen und verschiedene Nationalparks besucht, bis er den Baum seiner Wahl gefunden hatte. Danach hatte er geplant, gewerkelt und geschuftet bis er in unglaublicher Höhe von 20 Metern ein Baumhaus geschaffen hatte mit allem Komfort, zudem Kletterhilfen entlang des Stammes.

    Und die Plackerei hatte sich wahrlich gelohnt, denn als er ihr Strahlen, ihr entzücktes Ausrufen und die Begeisterung, mit der sie sich sofort an den Aufstieg machte, erlebte, war ihm das das größte Geschenk. Ein Geschenk, das noch dadurch weit übertroffen wurde, mit welcher ungeahnten zügellosen Leidenschaft sie sich ihm oben in luftiger Höhe hingab.

    Danach lagen sie völlig erschöpft, aber doch glückselig eng umschlugen in dem nach Harz duftenden Bauwerk, die Kerzen flackerten leicht und die Musik tönte nur ganz dezent aus seinem Handy, während sie sich liebevolle Wörter zuflüsterten.

    Als sie wenig später in tiefen glücklichen Schlaf fielen, bekam keiner etwas von den beiden Männern mit, die sich unten am Baum zu schaffen machten und keiner von beiden hörte die warnenden Rufe: "Baum fällt" ...


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    Halloween
     
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  10. WazZzabi Gläubiger

    WazZzabi
    Halloween

    Mit zögernden Schritten schlich Leon den dunklen Weg entlang. Der Kies knirschte nur leise unter seinen Sohlen und dennoch kam es ihm vor als wäre jeder Schritt laut wie ein Erdrutsch. Heftig pochte sein Herz, ganz so als wolle es ihm aus der Brust springen. Hätte er nur seine vorlaute Klappe gehalten, dann müsste er jetzt nicht alleine zu dem gruseligen, alten Haus hinauf gehen um nach Süßigkeiten zu fragen. Er könnte weiter mit seinen Freunden um die Häuser ziehen. Stattdessen schlich er nun verängstigt durch die Dunkelheit, während der Rest im warmen Licht der Straßenlaterne auf ihn wartete. Der Weg zur Tür der alten Villa kam ihm unheimlich lang vor. Es schien viel weiter zu sein als man von der Straße aus meinen konnte.

    Nach einer gefühlten Ewigkeit kam er an der Tür an. Er fand keine Klingel und so nahm er all seinen Mut zusammen und Klopfte zaghaft gegen die Pforte. Kaum hatten seine Knöchel das alte Holz berührt, schwang die Tür auch schon lautlos nach innen. Kerzenlicht erhellte einen altmodischen Flur mit beinahe schon antikem Mobiliar. In der Tür stand ein Mädchen, nicht älter als er selbst, langes schwarzes Haar umrahmte ein porzellanfarbenes Gesicht und zwei dunkle Augen funkelten im Schein der Kerze, welches das Kind in der Hand hielt. Lange standen sich die beiden gegenüber und keiner sagte auch nur ein Wort. Leon war wie erstarrt und konnte seinen Blick nicht vom schönen Gesicht des Mädchens lösen.

    Mit einem Mal hob dieses seine freie Hand. Erschrocken zuckte Leon zusammen, als die warmen Finger des Mädchens seine Wange berührten. Noch immer war kein Wort gefallen und noch immer ruhte der Blick des Jungens auf dem zarten Antlitz des Mädchens. Dieses ließ seine Hand über Leons Wange streichen und an seinem Hals hinab, bis sie schließlich auf seiner Brust zur Ruhe kam. Seine Haut kribbelte dort, wo ihn eben noch die weichen Glieder dieser Schönheit berührt hatten und ein warmes Gefühl machte sich in seiner Brust breit, dort wo ihre Hand sie berührte.

    Immer weiter breitete sich die Wärme in seinem Körper aus und als das Mädchen sich von seiner Brust löste und nach seiner Hand griff, fühlte er sich wunderbar geborgen. Sein eben noch rasendes Herz, hatte bereits aufgehört zu schlagen als der Junge selig aus seinem Körper schlüpfte und dem hübschen Mädchen in das Haus folgte. Als er neben ihr über die Schwelle trat, hatte er die leere Hülle die einst Freunde und Familie hatte bereits vergessen und hinter sich zurück gelassen.


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    Hexennacht
     
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  11. Akira Akarui Moderator Mitarbeiter
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    Akira Akarui
    Hexennacht

    Da stand er, sein BMW, schwarz glänzend im Schein der Straßenlaterne, kein Stäubchen war zu sehen, so dass sie leicht glauben konnte, dass dieses Auto tatsächlich sein ein und alles war, wie einige der Kollegen im Büro munkelten.

    Kaum dass sie erfahren hatte, dass er die heutige Nacht mit Freunden feiern wollte, war sie ihm nach der Arbeit gefolgt und nun stand sie hier und sah hinauf zu den beleuchteten Fenstern, hinter denen flackerndes Licht darauf hindeutete, dass die Party im vollen Gange war.

    Sie hatte sich in ihn verliebt, in dem Augenblick, an dem er das erste Mal als neuer Mitarbeiter vorgestellt wurde. Sein Gesicht war wunderschön, aber doch männlich, seine Haltung aufrecht, gerade zu adlig und seine Stimme mit ihrem sonoren tiefen Klang hüllte einen in angenehme Wärme. Sie hatte ihm die kommenden Wochen Avancen gemacht, hatte mit ihren Gefühlen für ihn nicht hinter dem Berg gehalten und ihn auch mehr als einmal zu einem Abend- und später zu einem Mittagessen eingeladen, als sie dachte, der Abend wäre für ihn unverfänglicher. Doch er hatte jedesmal abgelehnt, auf eine charmante Art und Weise, so dass man ihm nicht böse sein konnte, aber eben doch abgelehnt. Da half es auch nichts, dass sie wusste, dass sie im Büro nicht die Einzige war, die ihn anhimmelte und der er eine freundliche Abfuhr erteilte.

    Vor ein paar Tagen schließlich hatten sich ihre Gefühle gewandelt, als Kurt ihr erzählt hatte, dass der von ihr Angebetete sich über sie und ihre Avancen bei den anderen lustig machte und über sie herzog. Zugegeben Kurt war bekannt, dass er Dinge übertrieb und manches auch nicht stimmte. Doch sie hatte keine Sekunde daran gezweifelt, dass er diesmal die Wahrheit sagte.

    Sie sah erneut zum Auto, fest entschlossen, es ihm heimzuzahlen. Und wann konnte sie das besser, als in dieser Nacht, in der jegliche Streiche mehr oder weniger ohne Konsequenzen für die Täter blieben.

    "Dir werd ich's zeigen", murmelte sie, während sie eine der Behälter mit Rasierschaum, von denen sie im Discounter gleich mehrere gekauft hatte, aus ihrer Handtasche zog. Schnell war die Kappe gelöst, die Dose geschüttelt und dann ging es los. Mit dem bekannten Zischen leerte sich die Dose auf ihr erstes Ziel, die Windschutzscheibe.

    Doch der Rasierschaum schien von der Scheibe abzuprallen, mehr noch, er schien ein Eigenleben zu führen, denn er formte sich neu, noch während sie auf den Auslöser drückte, und mit einem Mal tanzte der Schaum wie eine Girlande um sie herum, erst in Spiralen, dann in sich teilenden Kreisen.

    "Darauf bin ich schon sehr gespannt", griff eine ihr nur zu bekannte Stimme ihre Worte auf und als sie sich mit immer noch offenem Mund staunend umsah, stand er vor ihr, wie aus dem Nichts gekommen.

    Mit einem sanften Lächeln sah er sie aus seinen dunklen Augen an, während der Schaum mit einem nassen Klatschen zu Boden fiel. Und auf einmal war es, als gäbe es nichts anderes auf der Welt als ihn und sie konnte nicht anders, als seinen Blick zu erwidern wie magisch angezogen. Und als sie sich im nächsten Moment in den Armen lagen und leidenschaftlich küssten, verschwand die Welt um sie herum, während sie meinte zu schweben, begleitet von unzähligen freudig lachenden Stimmen und leisem Beifall ...

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    Nur einmal noch ...
     
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  12. Shishiza Sehr brave Fee^^ Mitarbeiter
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    Shishiza
    Thema:
    Nur einmal noch ...


    Tränen laufen wie ein Fluss die Wangen runter. Sie kann es nicht fassen, es ist passiert, obwohl sie doch auf alles geachtet hatte. Aber jetzt stand sie da und wusste einfach nicht, wie das geschehen konnte. Sie sah auf das Grab runter und wünschte sich, er würde aufstehen und sie noch einmal in die Arme nehmen, noch einmal küssen und vor allem sie noch einmal ausführen ... aber all das war nicht mehr möglich, denn er hat sich mit einem Messer umgebracht. Dabei war der weg noch vor beiden, als Paar, sie wären den Weg zusammen gegangen. Alle Schwierigkeiten, alle Gefahren zum trotz .... sie wollten es beide schaffen. So waren seine Worte, als er sie gestern nach Hause gebracht und sie noch mal küssend an die Wange geflüstert hat, das er sich auf den nächsten Tag freue. Doch all das war nicht mehr möglich, er ist von ihr gegangen, hat sie im Stich gelassen ... noch einmal ein Kuss, ein Streicheln, .... traurig wand sie sich von dem Grab ab und ging nach Hause.


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    Sylvesterrakete
     
  13. nuncio Otaku Elite
    Otaku Veteran

    nuncio
    Silvesterrakete

    Es war nach Mitternacht, sie hatten oben noch angestoßen. Und nun waren sie auf dem Weg nach unten. Er, seine Frau und seine 18-jährige Tochter.
    "Ich find es voll doof das ich nich zu Conny feiern durfte." schmollte sie nun schon zum... wievielten Mal? Er wusste es nicht mehr.
    In seiner rechten Jackentasche hatte er das Jet-Feuerzeug, gefüllt und bereit zum Einsatz. Zur Sicherheit hatte er noch 2 weitere Feuerzeuge bei sich. Zur Sicherheit. Vor 3 Jahren hatte ihm diese Sicherheit nichts genutzt. Es war zu windig gewesen vor 3 Jahren. Er hatte ein Gas-Feuerzeug und eine Schachtel Zündhölzer vernichtet ohne auch nur eine Rakete in die Luft geschossen zu haben.
    Unten angekommen, stellte er die leere Sektflasche auf den Rasen und drückte sie etwas in die matschige Erde. Vor 2 Jahren, der Boden war komplett gefroren gewesen, war er beim Anzünden ausgerutscht und hatte die Flasche samt brennender Rakete umgeworfen.
    Er war gerade so noch weg gekommen. Aber die Rakete war über die Straße gezischt und unter einem tiefer gelegten Opel Corsa explodiert.
    Er hatte dem Besitzer nie etwas gesagt. Einmal weil man nichts sah. Und weil er vor dem Besitzer, einem Neo-Nazi mit dem ach so arischen Namen Ronny Kolwaltschek eine Heidenangst hatte.
    Sein altlinkes Punkertum das er während seiner Schulzeit gepflegt hatte, war wieder erwacht und er hatte insgeheim gehofft der Wagen hätte doch einen Schaden davon getragen.
    (Wobei das Punk sein sich bei ihm auf clor-gebleichte Jeans, Pali-Tücher und das Hören von Wizo beschränkt hatte. Und ein Nasenpiercing das man natürlich zu Beginn der Lehre unauffällig entfernen konnte.)
    "Papa wir frieren uns den Arsch ab!" Seine Tochter stand mit den Armen unter den Achseln auf dem Gehsteig.
    "Einen Moment noch!" Letztes Jahr hatte der Wind die Rakete direkt auf den Balkon der Grünwalds, eines schwulen Rentnerpaares geweht. Der femininere der beiden, Dieter, hatte zu dem maskulieneren, Rolf gesagt: "Ach Rölfchen, das ist doch halb so wild! Wir waren auch mal jung!"
    Es war nicht mal etwas zu Bruch gegangen. Einzig ein paar Rußspuren an der Verandatür zeugten von dem Zwischenfall.
    Jetzt war alles perfekt. Das Jet-Feuerzeug flammte auf, die Lunte begann zu brennen und er rannte zu seiner Frau und zu seiner Tochter. Er hörte das Zischen schon, aber die beiden Frauen schauten nicht nach oben, sondern drehten sich weg. Als er sich umdrehte, sah er warum. Die Rakete zündete zwar, blieb aber in der Flasche stecken!
    Der Funkenregen als sie explodierte war sehr schön, hätte aber direkt vor seinem Gesicht bestimmt schöner ausgesehen.
    Seine Tochter klopfte ihm auf die Schulter.
    "Ganz toll Papa, wenigstens hast du diesmal nichts abgefackelt. Ich geh jetzt zu Conny." Er war zu verwirrt um zu erwidern dass er noch 19 weitere Raketen hätte.
    Seine Frau gab ihm einen Kuss auf die Wange. "Frohes neues Jahr Schatz. Ich geh ins Bett."

    Next: Die Zeit heilt alle Wunden (das letzte Streichholz gabs schon mal)
     
    Zuletzt bearbeitet: 4 Januar 2018
  14. Shishiza Sehr brave Fee^^ Mitarbeiter
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    Shishiza
    Thema:
    Die Zeit heilt alle Wunden

    Die Wunde, die man mir zugeführt hatte, war mehr als groß. Der Schock saß tief. Und trotzdem wurde einem immer gesagt, das wird schon wieder ... Das kotze mich so an, jedes mal, wenn etwas schlimmes passiert war, wurde das gesagt, das die Zeit alle Wunden heilt, aber in dem Augenblick, wo es geschah, dachte man, die Welt geht unter. Egal was es war, es war meist so schlimm, das man dachte, so kann es nicht weiter gehen, alles zerbricht, so schlimm war es noch nie, man ist alleine auf der Welt. So viele Gedanken gingen einem durch den Kopf. Aber trotzdem heilten die körperlichen Wunden. Auch die geistlichen, seelischen Wunden wurden geschlossen, auch wenn es kleine kaum sichtbare Striche waren, sie waren doch noch leicht vorhanden. Mutig, zitterig, doch trotzdem wurde ein Schritt nach dem anderen gegangen und die Tage vergingen. Schaute man dann doch mal zurück, konnte man feststellen, das es doch nicht so schlimm war. Bis zum nächsten Unfall, Schock oder sonstiges und der Lauf ging wieder von vorne los ....

    Neues Thema:
    Passend: Drei heilige Könige
     
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